Wye Oak – The Louder I Call, the Faster It Runs

10. April 2018 um 21:31 von Saskia Böttjer | about albums | Kein Kommentar

Das Leben ist eine Wundertüte – und manchmal fällt einem auf, dass man es doch schon gut getroffen hat. Dieser Gedanke hat die Entstehung und Klangfarbe dieses Albums des amerikanischen Duos stark beeinflusst.

Bekannt für ihre eher anspruchsvollen Songstrukturen sind Wye Oak ja bereits seit ihrem Debüt 2008. Indierock ist es mittlerweile etwas weniger, was das Duo bestehend aus Andy Stack (Schlagzeug, Keyboard, Backupgesang) und Jenn Wasner (Gesang, Gitarre, Bass) neu veröffentlicht hat.

Diese zwölf Songs sind beim ersten hinhören sehr luftig, atmosphärisch und viel heller. Wie Sonnenlicht, das sich auf der Wasseroberfläche bricht, aber eben auch wie das Leben. Über dieses hat sich Wasner insbesondere Gedanken gemacht und es hat die Entstehung dieses Albums stark beeinflusst. Ihre Gedanken anlässlich einiger Erkrankungen an Depression in ihrem Umfeld, fasste sie in einem offenen Brief auf der Bandhomepage zusammen:

„Sucht, Depressionen und Geisteskrankheiten liegen in meiner Familie. Ich bin ein ängstlicher Mensch, aber die von mir zu tragende psychologische Last ist überschaubar, erträglich – sicher nicht überwältigend oder lebensbedrohlich. Das ist genetisches Glück“

Trotz des immerwährenden Schuldgefühls, dass sie es besser hat, änderte sich nach einem Gespräch ihre Wahrnehmung, sie schätzt sich glücklich: „Für einen Moment sah ich alles anders als je zuvor – ich konnte die Geschenke annehmen und dankbar sein.“

So lässt sich vielleicht das Auf und Ab dieses Albums in eine Sinnstruktur einfügen und verstehen, warum plötzlich so viel Energie erklingt.
Die Single ‚It Was Not Natural‘ klingt dann auch direkt lebensbejahend und umarmend mit Wasners Stimme, die sich empor schraubt. Anspieltipp – ‚Join‘ minimalistisch mit hallender E-Gitarrre, der aber dennoch eine gewisse Beschwingtheit aufgreift, die sich durch das Album zieht.

Sie vollziehen einen kleinen musikalischen Wandel Noise Pop, viele Synthies, weniger Bässe und gebrochen wird das von der E-Gitarre. Neben der Soundlandschaften könnten Wye Oak wohl kaum ohne die herausragende Stimme Jenn Wasners bestehen. Sie erinnert an Annie Lennox, Tori Amos/ Kate Bush, starke Persönlichkeiten. Und so steht auch Wasner mit ihrer Stimme im absoluten Fokus dieses Albums – stärker als bisher. Das liegt wahrscheinlich auch an der Message, die sie transportiert.

Das ist keine einfache Kost, nicht durchgängig gut, aber dennoch musikalisch sehr hörenswert. Wye Oak sind meiner Meinung nach Einzigartig. Auch wenn sie dieses Mal verstärkt auf Synthies, als auf Basslines zurückgreifen, behalten sie ihr Gesicht. Das ist ein erwachsenes Album, das zwar an instrumentaler Intensität verliert, aber dennoch so persönlich wirkt. (Merge Records)

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