Wolf Parade machen mich sehr, sehr glücklich!

1. Dezember 2017 um 10:21 von Jörg Tresp | about blog, Allgemein | Kein Kommentar

Zugegeben, meine Vorfreude war schon ziemlich groß, meine liebsten Kanadier nach all den Jahren mal wieder live zu sehen und als ich das ohnehin schon verkleinerte Grünspan betrat, war die Spärlichkeit der Besucher zunächst ein kleiner Downer.

Allerdings gab es uns guten Menschen dann ein bisschen mehr Platz und nachdem ich die unsägliche Vorband, die ich schon vom Reeperbahn Festival kannte, bewusst verpasst hatte, gingen die vier Männer kurz nach 21 Uhr auf die Bühne und lieferten ein fulminantes Set, das sicher zum Besten des Jahres 2017 zählt, denn die Zeit für Rückblicke naht ja auch.

Natürlich spielten sie  einen Querschnitt ihrer vier Alben und das neue und erste Werk nach sieben Jahren „Cry Cry Cry“, welches wir hier schon sehr gelobt haben und sich natürlich in meinen Top 10 – Alben des Jahres wieder finden wird, reiht sich nahtlos in das Schaffen von Wolf Parade ein und es gilt hier, eine Lanze für diese wunderbare Band zu brechen.

Die beiden Köpfe Spencer Krug, das eher schüchterne Genie, und Dan Boeckner, der Indie-Iggy-Pop, haben zwar schon gute bis sehr gute Solo-Projekte am Start, aber ihre Genialität kulminiert nun mal erst im Zusammenspiel, denn genau diese Unterschiedlichkeit der Charaktere lässt diese Band erstrahlen und ich kenne auch keine andere, die zwei so wunderbare Frontleute hat, deren Songs und Gesänge einfach eine wahre Freude sind. Multiinstrumentalist Dante DeCaro (Ex-Hot Hot Heat) und besonders Drummer Arlen Thompson sorgen dann für den unglaublichen Drive dieser Band, deren Spielfreude sich von Song zu Song steigerte.

Natürlich könnte ich jetzt alle Songs aufführen und beschreiben, wie super sie waren, aber ich möchte nicht langweilen, sondern vielmehr das Besondere dieser Band heraus streichen. Es gibt für mich keine bessere Mischung aus kongenialem Songwriting, Soundspielereien, leichten Jams und großartigem Gesang, das alles verbunden mit einer Energie, die mehr als frenetische Jubelstürme nach sich zog. Klar geht eine Band wie Wolf Parade dann nach gut einer Stunde von der Bühne und kommt für drei weitere Zugaben, die sich bis zur Semi-Extase steigern, wieder und bleiben dabei immer bescheiden und respektvoll. Selbst DeCaro, der kein Originalmitglied ist und anfangs total nervte mit seiner Über-Performance, spielt nun eine wesentlich wichtigere und angenehmere Rolle, auch wenn er nach wie vor in der Mitte der Bühne steht, aber das mach bei zwei Frontleuten vielleicht auch sinn und es ist schon lustig, wie sich das Publikum immer etwas in die Richtung des Vortragenden drehte.

Neben den schon ziemlich vergessenen Constantines sind Wolf Parade schon lange meine liebste kanadische Band und ich finde es großartig, dass sie nach sieben Jahren wieder da sind und keineswegs an Qualität und Spiellaune verloren haben. Ein perfektes Beispiel, wie eine Band in Würde etwas altern kann und nicht nur die älteren Songs von Bedeutung sind, denn damit sind sie eine der rühmlichen Ausnahmen. Irgendwie trotzdem schade, dass nicht mehr Leute ins Grünspan gefunden haben, aber dafür habe ich mich selten mit einem Publikum derart identifizieren können und ich hatte das Gefühl, dass alle Hamburger, die musikalisch auf meiner Seite sind, da waren!

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