White Wine – Killer Brilliance

6. Oktober 2017 um 8:00 von Jörg Tresp | about albums | Kein Kommentar

Ich bin vielleicht kein großer Freund von Sounds, aber wenn diese mit Songs harmonieren, warum nicht?

Hinter White Wine verbirgt sich nicht erst seit gestern das musikalische Schaffen von Joe Haege (Menomena, 31 Knots, Tu Fawning, The Dodos), der mit Fritz Brückner (ebenfalls Menomena und Tu Fawning) und Christian Kühr mittlerweile in Trio-Besetzung fungiert und den musikalischen Aufbruch Leipzigs befördert, denn genau da hat er sich mit seinem ziemlich großartigen Projekt nieder gelassen.

„Killer Brilliance“ ist schon eine Art Monster-Album, denn auf der einen Seite stehen Soundexperimente, Tribal-Drums, Synthesizer-Flächen und eine gewisse Brachialität, auf der anderen Seite stehen diese meist im Dienste klassischen Songwritings, was vielleicht nicht für das ganze Album gilt, aber in Momenten wie bei ‚Hurry Home‘ extrem spannend sind. Zum recht polarisierenden Albumtitel erklärt Haege: „We’re all killers in some way or another. Some kill hope. Some kill honesty. Some kill Fear. Some kill Greed.“ Zu dieser Aussage passen dann halt auch nicht nur Pop-Songs und genau diese Brüche sind es, die dieses Album zu einem sicher sehr ambitionierten, aber auch so extrem spannenden machen.

Vielleicht ist es auch die Melange aus den kühlen Sounds deutscher Schule und dem warmen Songwriting der Portland-Schule, welches bei dem brillanten ‚Killer Brilliance‘ so perfekt harmoniert. Ich bin wirklich kein Freund von Saxofon, aber hier ist es das uns schon aus Menomena-Zeiten bekannte Bariton-Saxofon und diese Bedrohlichkeit steht dem Sound von White Wine in ‚Abundance‘ schon ziemlich gut – erinnert hier und da auch an die großen Morphine.

Die Zwischenspiele namens ‚Vignette…‘ mögen irgendwie zum klanglichen Konzept des Albums gehören, stören für mich aber immer ein stückweit den Fluss der Platte, gerade wenn man ein Album wirklich öfter hört, gehen diese schon gehörig auf die Nerven und erscheinen überflüssig. Das 6-minütige ‚I’d Run‘ zählt zu den weiteren Höhepunkten und erinnert in seinen melodischen Momenten an The Walkmen (die besseren Spoon!), während mich der Wahnsinns-Faktor an die hier leider fast gänzlich unbekannten Man Man erinnert.

Zwischendurch artet das Experimentieren etwas zu sehr aus, aber mit ‚Art Of Not Knowing‘ versöhnen sie dann auf spektakuläre Weise und läuten mit ‚Bird In Hand‘ ein würdevolles Ende des Albums ein, welches dann so richtig doch erst mit dem überflüssigen ‚Vignette Katya‘ endet, wäre nicht nötig gewesen….

„Killer Brilliance“ ist ein ziemlich brillanter Wahnsinn geworden, der immer die Balance zwischen Sounds und Songs hält und den Hörer im besten Sinne herausfordert und auf eine musikalische Reise nimmt, von der ich gar nicht zurück kommen möchte. (Altin Village & Mine)

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