Tønder – Festival 2016 – wir haben Schönes gesehen!

29. August 2016 um 11:59 von Jörg Tresp | about blog, about live | Kein Kommentar

Bei Festivals bin ich ja generell geteilter Meinung! Treiben mir einige den Angstschweiß auf die Stirn, sind andere so schön, dass ich gar nicht mehr weg möchte und mir so mein ganzen Laben ausmale.

Das Tønder-Festival in Dänemark zählt zum Glück zu zweiter Kategorie und Festivals der ersten hatte ich ja vor einiger Zeit in einer „Krachkeks-Kolumne“ verarbeitet. In diesem Jahr fand das traditionelle Tønder-Festival bereits zum 42. (!) Mal und zum ersten Mal mit mir statt und dürfte somit zu den ältesten Musikfestivals der Neuzeit zählen. Es steckt viel Liebe in diesen und nicht zuletzt der Fakt, dass sich 2.000 Volunteers um die 15.000 Besucher kümmern, ist ein wirklich guter Schnitt.

Musikalisch geht es bei dem Festival primär um Folk und allen Facetten drum herum, aber dabei ist nicht nur das Line-Up wichtig, sondern das mehr als entspannte Drumherum. Mit viel Liebe, Ruhe und Respekt gehen die Besucher miteinander um und so gibt es weder Spannungen noch irgendwelche Polizeieinsätze. Zum einen mag das dem Musikstil geschuldet sein, zum anderen auch dem recht betagten Durchschnittsalter, welches sich auch in den häufig bestuhlten Venues bemerkbar macht. So gibt es neben der großen Open Air – Bühne noch zwei große Zelte, die eine Kapazität von 1.500 und 3.000 Leuten hat. Außerdem zwei Spiegelzelte à la Haldern-Festival sowie eine weitere, etwas kleinere Zeltbühne, auf der vor allem die Bands des „SPOT on Folk“ beheimatet waren. Größte Lichtblicke hier waren D.U.K. und Sherzandum, vor allem Letztere machten richtig Spaß, hatten viele Blasinstrumente und Tempo am Start, auch wenn ich mit instrumentalen Bands öfter ein paar Probleme habe.

Wir hatten ja unsere Freunde von The Dead South am Start, die ohne Übertreibung sicher zu den Gewinnern des Festivals zählten. So spielten sie am Freitagabend ein 90-minütiges Set zu sehr später Stunde (0:30 – 2:00 Uhr), welches von dem Publikum begeistert abgefeiert wurde, auch immer wieder schön zu sehen, wie das Publikum reagiert, das diese Band nicht kennt und das waren da die meisten. Der Sound & das Licht waren atemberaubend. Das konnte man von ihrem Auftritt am folgenden Tag im bestuhlten Spiegelsaal nicht so behaupten, da der Sound doch relativ dünn war, aber die Band gab alles und das Publikum verließ den Raum mit einem breiten Grinsen, so dass die Band am Merch noch unendliche Autogramme schreiben und und für Fotos bereit stehen musste.

Eine Entdeckung möchte ich hier nicht verschweigen und dies ist das dänische Septett (!) Jonah Blacksmith, die wohl schon im letzten Jahr für Furore sorgen konnten, so dass sie sowohl auf der Hauptbühne, der einzigen wirklichen Open Air – Location, und einen Tag später im Zelt spielten, welches gleichzeitig meine letzte Show des Festivals war. Die zwei Drummer hatten ordentlich Wumms, der zweite Sänger einen unglaublich langen Bart und die Band ein paar ziemlich gute Songs, so dass der „Saal“ wirklich tobte. Dabei half es sicher auch, dass sie Einheimische waren, denn mich persönliche störte der Sänger etwas sehr, erinnerte er doch nicht nur vom Aussehen an Bryan Adams.

So einen richtigen Headliner braucht das Tønder eigentlich nicht, aber neben Rosanne Cash, deren Auftritt in Duo-Besetzung schon etwas einschläfernd war, wollte natürlich JEDER der 15.000 die Avett Brothers sehen und die boten dann ihre gewohnt wunderbare Show, die hier und da zwar mal wieder etwas „over the top“ war, weshalb sich einige die Frage nach Kokain stellten, aber die sind halt so. Mich berühren vor allem die etwas melancholischeren Songs, die meist von Scott Avett, dem besseren der beiden Brüder, gesungen werden, aber letztlich ist die Dynamik und das Zusammenspiel dieser Band atemberaubend gut. Alle sieben Musiker haben kein anderes Ziel, als dem Publikum eine gute Show zu bieten und auch wenn man dabei merkt, dass sie in den USA auf wirklich großen Bühnen zu Hause sind, haben sie sich ihre Bodenständigkeit bewahrt und wissen, wie man ein 90-minütiges Set ohne Längen, Langweile oder sonst was bestreitet.

Ich kann jedem, der auch nur halbwegs was mit Folk anfangen kann, dieses Festival nur wärmstens ans Herz legen, denn die Auswahl der Bands, die Entspanntheit aller Beteiligten sowie die Location mit den wunderbaren Venues sind über jeden Zweifel erhaben und weit von Hamburg ist es ja auch nicht…

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