The Shins – Heartworms

17. März 2017 um 9:53 von Jörg Tresp | about albums | Kein Kommentar

Es war zu erwarten, dass dieses Album Kritik ernten und nicht mehr nur euphorisch aufgenommen wird, aber sicher interessant, wo diese “Band” steht.

Dabei ist es kein Zufall, dass “Band” hier in Anführungszeichen steht, denn nach ihrem besten Album “Wincing The Night Away” (2007) – viele Kritiker finden natürlich das Durchbruchsalbum “Chutes Too Narrow” noch besser – verabschiedete James Mercer alle Mitstreiter und fungiert seitdem als Alleinherrscher, was ihm der eine oder andere Ex-Musiker auch durchaus übel nimmt.

10 Jahre nach diesem Wunderwerk erscheint also nun “Heartworms”, sein zweites “Solo”-Album nach dem an Shins-Maßstäben gemessenen, eher durchschnittlichen “Port Of Morrow”, was auch schon fünf Jahre auf dem Buckel hat. Wer sich dieses nun nur mal kurz zu Gemüte führt und es als relativ banales abtun wird, kann man sicher keinen Vorwurf machen, denn selbst nach mehrmaligem Hören könnte man durchaus zum gleichen Ergebnis kommen.

Allerdings habe ich mich mit “Heartworms” eher ausführlichst beschäftigt und dabei nie vergessen, dass dich viele Shins-Songs erst nach vielfachem Hören anspringen, so dass ich meine zunächst recht kritische Meinung zu “Wincing The Night Away” ein paar Wochen später zum Glück revidieren musste. Ob es mir hier genauso gehen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln, wobei der Umstand, dass die schwächeren Songs vor allem in der ersten Hälfte zu finden sind, schon mal suboptimal erscheint.

‘Name For You’ ist dabei sicher nicht der schlechteste Opener und natürlich blitzt das Genie des James Mercers schon  irgendwie in jedem Song auf, denn seinen Gesang und die Hand für Melodien kann ihm keiner nehmen, aber es ist schon auch latent ärgerlich, dass diese Songs dann häufig Sound über Song stellen und aus meiner Sicht hat ihn die Zusammenarbeit mit Brian Burton aka Danger Mouse ein Stück weit versaut, weshalb ich Broken Bells sicher nicht schlecht fand, aber bei mir muss Song über Sound gehen.

‘Mildenhall’ wäre früher zwar eher eine B-Seite gewesen, hat aber auch interessante Alt.Country-Einflüsse und läutet ein bisschen die bessere Hälfte ein. ‘Rubber Ballz’ erklingt wie eine Replik an die Beatles und bringt ein wenig der vermissten Leichtigkeit zurück, woran ‘Half A Million’ nahtlos anschließt und den Frühling erstrahlen lässt. Dann endlich der Titeltrack, der den alten Shins-Fans mehr als nur eine Hand reicht und die Brillanz offen legt. Diese Melodien kommen aus einer besseren Musikwelt und muss man mit Liebe einfach überschütten. Das ist es fast ärgerlich, dass er nach weniger als drei Minuten endet, aber ‘So Now What’ ist von ganz ähnlicher Güte und eine große Komposition, für die andere töten würden – er kann es noch!

Ich verstehe, wenn Kritiker es nicht mehr so gut mit James Mercer und seinen Shins meinen und wünschte mir, dass hier mal wieder eine Band zusammen findet, denn Solo-Alben sind halt irgendwie auch selten visionär. Aber am Ende von “Heartworms” spüre ich auch ein großes stückweit Versöhnlichkeit. (Columbia)

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