SXSW 2018 – die Mutter aller Showcasefestivals macht noch immer Spaß!

23. März 2018 um 12:59 von Jörg Tresp | about blog, Allgemein | Kein Kommentar

Kaum zu glauben, dass jedes Jahr mehr Deutsche beim größten Showcase-Festival der Welt teilnehmen, aber davon sind die meisten sogenannte „Tecis“ und mit denen haben wir ja zum Glück eher weniger zu tun. Deshalb reiste ich natürlich auch erst dann an, wenn sie den imaginären Staffelstab an die Musik-Typen übergeben.

Dabei feierte ich in diesem Jahr quasi mein kleines Jubiläum, denn es war immerhin das 10. Mal, dass ich mich in 12 Jahren auf nach Austin machte und ihr könnt euch vorstellen, dass die Tecis vor in meinen Anfangstagen noch nicht wirklich existent bzw. vor Ort waren und ich mich in der semi-heilen Musikwelt sehr wohl fühlte. Diese Zeiten sind vorbei, denn wie wir alle wissen, beherrschen die der Tec-Branche angehörenden Unternehmen die Wirtschaftswelt und bringen somit natürlich auch viel, viel mehr Geld mit nach Austin. Nun gut, das muss mich vielleicht nicht weiter stören, denn mein Anreisetag war für die meisten ja der Abreisetag und so trennte sich die berühmte Spreu vom Weizen.

Das mag etwas arrogant klingen, aber wie eine nicht namentlich erwähnte Frau zu dieser „Problematik“ passend anmerkte, war es rein visuell einfach kein Augenschmaus….lass ich gerne mal so dahin gestellt und kümmere mich lieber um die zwei Seiten der Medaille, denn neben diesen eher nicht so schönen Effekten der letzten Jahre, hatte ich das Gefühl, dass es dem Musikteil schon auch irgendwie gut tut. Es ist zwar immer noch unglaublich viel und voll und laut, aber es scheint sich langsam eine leichte und durchaus sinnvolle Schrumpfung zu ereignen, die der Musikwelt sicher gut tun wird und diese werde ich natürlich auch in den nächsten Jahren beobachten.

Zu den weiteren eher negativen Aspekten zählt auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen, besonders im Rahmen von Spring Break, zum saufen und feiern kommt und es somit immer schwieriger wird, Newcomer zu entdecken. Das hatte durchaus auch Einfluss auf mich, denn wie man dem Bild entnehmen kann, hatten wir diesmal unser eigenes Showcase in Kooperation mit dem kanadischen Label Six Shooter Records und somit waren neben Shred Kelly und Whiskey Shiver eben auch The Dead South am Start und wenn man eigene Bands vor Ort hat, so kümmert man sich primär um diese und für die vier Kanadier war es nach 2016 ja auch bereits das zweite Mal, so dass sie nur noch die „wichtigen“ Shows – also unsere…. – mitnehmen mussten.

Darüber hinaus wollte ich diesmal auch nicht viel über andere Konzerte oder vermeintliche Höhepunkte schreiben, sondern eher ein generelles Feedback geben. Trotzdem sei kurz erwähnt, dass ich es mir nicht habe nehmen lassen, Kevin Morby und Okkervil River wieder mal live zu sehen und vor allem letztere trieben mir die Tränen in die Augen. Sie waren sooooo gut, spielten viele Songs vom die Tage erscheinenden neuen Album und Will Sheff hatte einfach eine Menge Spaß und alle Sympathie auf seiner Seite. Daneben möchte ich zumindest noch die Newcomer PR Newman und Snail Mail erwähnen. Letztere sind ja ein neuer Hype, den ich bis zu einem gewissen Grade nachvollziehen kann, denn die 18-jährige Lindsey Jordan hat wirklich eine Menge Talent. PR Newman aka Spencer Garland, nebenbei ein guter Freund und Mitmusiker von Matthew Logan Vasquez (Delta Spirit), konnte mich aber noch mehr überzeugen, was vor allem der erwachseneren Musik gelegen haben mag, denn mit seinen drei Mitstreitern haute er einen guten Song nach dem anderen von seinem Debüt heraus.

Ansonsten hat Austin mich wieder mit seinem ganz eigenen Flair eingefangen, denn mein geliebtes Nachmittagsbier schmeckt im März nirgendwo besser, was weniger dem Bier an sich als dem Wetter geschuldet sein mag, und mexikanisches Essen ist dort auch besser als in den meisten amerikanischen Städten und ich kann es weiter bedauern, dass es in ganz Europa keinen guten Mexikaner gibt, aber das mag daran liegen, dass es hier auch kaum Mexikaner gibt, oder? Schade das!

Ich für meinen Teil halte den Austin-Trip zum SXSW aus vielen Gründen für sinnvoll, denn zum einen eröffnen wir da gerade ein Office, zum anderen ist die Qualität der Musik noch immer wesentlich größer als auf den europäischen Showcase-Festivals, aber vor allem öffnet es mir die Poren und so sehr ich Hamburg liebe, muss ich mir ab und zu halt die Inspirationen von woanders holen, da hier die meisten Menschen musikalisch nun mal soooo viel anders ticken als ich.

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