Sound of the Cities

9. Februar 2017 um 12:42 von Jörg Tresp | about blog | Kein Kommentar

„Eine popmusikalische Entdeckungsreise“ – dies der durchaus sinnvolle Untertitel dieses Buches von Philipp Krohn und Ole Löding, welches wir hier mal etwas unter die Lupe nehmen wollen, denn wenn ein Buch über Musik schon auf deutsch erscheint, so ist dies ja schon mal schön.

Wie der Buchtitel schon suggeriert, haben es sich die Autoren nicht nehmen lassen, 24 Städte zu besuchen, um der Musikhistorie und den Status Quo dieser auf die Spur zu kommen. Die Auswahl der Städte scheint dabei durchaus sinnvoll zu sein und neben deutschen Städten stehen zum Glück und zurecht vor allem die USA (Nashville, Memphis, Detroit, Austin, New Orleans, Seattle, Chicago, San Francisco, Los Angeles, New York) und UK (Birmingham, Liverpool, Bristol, Glasgow, Manchester, London) im Mittelpunkt.

Natürlich sollte man bei dieser Anzahl von Städten und 380 Seiten keine Vollständigkeit erwarten, aber die Autoren verstehen es sehr gut, einen Einblick in die jeweiligen Städte und Szenen zu geben und legen vor allem auch wert auf musikalische Kulturen, d.h. hier geht es nicht um die Abbildung von Mainstream Pop, sondern um Musiknischen, die eine gewissen Berühmtheit erlangt haben, um Musikstile und Bands, die vieles was wir heute so kennen, beeinflusst haben. Dies schildern sie jeweils sehr beispielhaft und kurzweilig, basierend auf sehr, sehr vielen Gesprächen, die sie mit hiesigen Musikgrößen und vor allem Kennern der jeweiligen Szenen geführt haben. Mit viel Liebe zum Detail und selten durch allzu subjektive Meinung der Autoren beeinflusst, was dem Buch vielleicht hier und da etwas Esprit nimmt, aber es auf der anderen Seite zu einem mit viel Liebe, Besessenheit und Detailreichtum recherchierten Sachbuch macht.

Ich selber frage mich dann immer, ob es nun ein Vorteil ist, wenn man diese Städte und ihre Musikszenen selber kennt oder ob es nicht spannender über die unbekannten Städte zu lesen ist, aber das muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls war immerhin in 15 der 24 Städte und habe Lust bekommen, besonders die britischen Städte, die hier besucht wurden, ebenfalls auf meine Liste zu setzen. Die mir sehr gut bekannten Musikstädte wie Austin, Seattle oder Nashville wurden mir hier und da etwas zu schludrig behandelt, aber das ist zum einen Jammern auf hohem Niveau und zum anderen kann man von den Autoren nicht erwarten, dass sie jede Stadt gleich gut kennen.

Sowohl Ole Löding als auch Philipp Krohn sind in den 70er Jahren geboren und ihre Fähigkeit mit „Sound of the Cities“ die vermeintlich genau richtige Mischung, sowohl was Länge der einzelnen Texte als auch die behandelten Musikstile betrifft, verdient Respekt, denn es ist nie leicht, sich an ein derart ambitioniertes Werk zu machen und jedem recht machen, wird man es eh nie könne. Gerade darum sollte jeder Musikfreund sich diesem Werk annehmen und es als Leitfaden sehen, der einen neue Städte erschließt, die man dann hoffentlich noch persönlich besuchen wird, denn die Tipps sind durchaus hilfreich.

Jeder mag ein Buch anders lesen, aber in diesem Fall würde ich empfehlen, Stadt für Stadt zu entdecken und parallel dazu die beschriebenen Bands anzuhören sowie die hilfreichen Playlists zu durchstöbern, denn dadurch bekommt man ein wirklich gutes Gefühl für die Städte und ihre Bewegungen und was diese für eine musikhistorische Bedeutung haben und hatten, die bei Entstehen der Szenen natürlich noch nicht abzusehen war.

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