Sommer in Altona – ein Festival im Herzen Hamburgs

2. August 2017 um 16:39 von Maria Kannewitz | about blog, Allgemein | Kein Kommentar

Jeder, der schon einmal auf einem Festival war, kennt es: das bunte Rahmenprogramm, durch welches neue Eindrücke und Erinnerungen gesammelt werden können. Angefangen bei durchdringender Live-Musik, die mitunter bis weit nach Mitternacht gespielt und gehört werden darf,  zieht sich der Bogen weiter über den Freiraum den so ein Festival bietet – vor allem für kreative Köpfe, die sich einmal abseits der Norm bewegen wollen.  Die Stimmung ist ausgelassen, mitreißend, bewegend. Die Menschen offen, herzlich und ungehemmt.  Alles in Allem ist so ein Festival also ein Ort der Ungezwungenheit – ein Ort wo das Einzige, was die Menschen wirklich voneinander unterscheidet die Trinkfestigkeit ist. Musik verbindet eben.

Meist sind Festivals Anlaufstelle tausender musikhungriger Leute, die alle nur eines wollen: Spaß, Freiheit und Abstand zum Alltag, der, wie wir wissen, manchmal ziemlich ernüchternd sein kann. Einziger Nachteil: lange Anfahrtszeiten und teure Ticketpreise.
Wieso also nicht einmal den Spieß umdrehen und den Menschen all das vergünstigt vor der eigenen Haustür anbieten?

Erstmals findet dieses Jahr in der Musikstadt Hamburg die Programmreihe „Sommer in Altona“ statt, welche nicht nur musikalische sondern auch literarische Akzente setzen will. Neben erstklassigen Musikern, wie den holländischen Blues-Rockern DeWolff oder den Folk-Musikern Shred Kelly aus Kanada, die für ihre dynamischen Live-Shows bekannt sind , wird auch von der jungen  Schriftstellerin Ronja Von Rönne, welche unter anderem in der Feminismus-Debatte große Worte fand, Raum für Begeisterung geboten. Auch der ehemalige Straßenmusiker Jesper Munk, der mit seinem 2015 erschienenem Album „Claim“ große Erfolge feiern konnte und mit seiner Kompetenz Songtexte schreiben zu können, die nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch dort bleiben, gehört zum diesjährigen Künstlerrepertoire.
Knapp 500 Gäste haben seit dem 30.07.17  an 14 ausgewählten Tagen die Möglichkeit den Sommer in einem Zirkuszelt im Herzen Hamburgs verbringen und kulturell erleben zu können.
Veranstalter ist das Plattenlabel PopUp Records  unter der Leitung von Inhaber Jan Koepke, welcher auch die Altonale Popnacht organisiert.
Die Preise der Tageskarten belaufen sich zwischen 15€ und 25,50€ und bieten daher auch einem breiteren Publikum die Möglichkeit, die „Vielfalt der Stadt“ besser kennen- und schätzen zu lernen. Lohnen wird es sich allemal: auch das kalifornische 70’s Pop-Duo Foxygen wird dabei sein, das mit seinem breiten Instrumentarium und abgedrehten Gesangstechniken an David Bowie’s Ziggy Stardust-Zeit erinnert.

Ein neu eingerichteter Musikfonds, welcher die Förderung musikalischer und kultureller Vorhaben in Hamburg erreichen will, ließ überhaupt erstmal die Umsetzung bzw. Realisation der urbanen Konzertreihe zu – ganz zum Vorteil musikinteressierter Leute oder einfach neugieriger Anwohner, welche den Festival-Sommer unmittelbar vor der Haustür verbringen können.

Doch wo Begeisterung zu spüren ist, weht bekanntlich auch ein Hauch Kritik.
Ablehnung kommt hauptsächlich seitens der Anwohner, die sich vor allem um den Lärm und Schutz der Grünflächen Sorgen machen, da diese über einen längeren Zeitraum von vielen Menschen benutzt werden. Weniger bekannt ist, dass der Park zwischen Nobistor und Königstraße, welcher als Veranstaltungsort dient, seit geraumer Zeit Zufluchtsort für Obdachlose und Abhängigkeitskranke ist. Diesen und auch vielen anderen Menschen, denen entweder die Fahrt zu einem mehrtägigen Musikfestival zu weit oder der Ticketpreis zu teuer ist, wird also auch Gelegenheit zu einem musikalischen, gesellschaftlichem Miteinander geboten. Der Veranstalter, Jan Koepke, betonte in diesem Zusammenhang auch, das Gelände nicht komplett abriegeln zu wollen, also gewisse Zugänge offen zu lassen und das Ende der Spielzeit auf 22.00 Uhr festzusetzen.

Auch wenn der „Sommer in Altona“ von Anwohnern skeptisch beäugt wird, sollte man nicht vergessen, welchem Zweck dieses Event dient. Neben der Zusammenkunft von Vertretern verschiedenster musikalischer Genres und der Förderung des lokalen Interessenangebots, werden von den Einnahmen Spenden gesammelt, die  u.a. sozialen Projekten bzw. Einrichtungen, wie der Obdachlosen-Tagesstätte Alimaus gestiftet werden. In diesem Sinne und im Sinne der Musik sollte man doch wohl mal auf das Gewohnte verzichten können und Neues passieren lassen. Nicht nur mit dem Kauf der Karte, sondern auch mit der Unterstützung der Programmreihe an sich.

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