Krachkeks-Kolumne: „Rolling Stone“

12. Juni 2015 um 15:00 von Jörg Tresp | about blog, Krachkeks Kolumne | 1 Kommentar

Was soll man von einem Magazin halten, dass Lena Meyer-Landrut besser bewertet als Mumford & Sons? Was soll man davon halten, wenn sie sich verstärkt dem deutschen HipHop und der elektronischen Musik anbiedern? Ist es schlaues Marketing oder einfach nur überflüssig?

Natürlich passieren diese kleinen Revolutionen beim deutschen Rolling Stone nur im Kleinen, denn das aktuelle Cover präsentiert dann doch wieder die Rolling Stones und im letzten Monat war es das typische Kurt Cobain – Foto. Inhaltlich war es dagegen ein schlechter Witz, denn Aufhänger war das erste und einzige Interview mit seiner Tochter Frances Bean Cobain, die ihn weder kennen gelernt, noch etwas zu sagen hatte – so what!

Ich stimme mit dem Rolling Stone übrigens darin überein, dass das neue Mumford & Sons – Album ärgerlich, überflüssig und eine Anbiederung an den ohnehin schon erreichten Mainstream ist, aber dass sie eine Lena Meyer-Landrut überhaupt ins Heft nehmen, ist mindestens genauso ärgerlich und überflüssig, aber damit nicht genug. Da bekommen Simply Red, die doch wohl jeder halbwegs vernünftige RS-Leser hassen sollte, gleich mal Review und Feature und dann brauche ich mich nicht zu wundern, warum es so viele tolle, neue Bands nicht mit einem kleinen Artikel schaffen.

Wie konnte sich der Rolling Stone nur so ändern? Klar, es gab und gibt immer Ausreisser, die einem nicht gefallen, aber das ist normal und wäre ja schlimm, wenn man sich gar nicht mehr aufregen könnte, aber irgendwie hat der Redaktionswechsel zum Überspannen des Bogens geführt. Einige Ex-Spexler, die verschlissen waren, wollten es sich in der komfortablen Springer-Kohorte auf die alten Tage gemütlich machen, was grundsätzlich schon mal schlimm ist, dass sie dann aber gleich noch den Rolling Stone zu einem pseudo-hippen Magazin umbauen wollten, verkommt nun zu einem Witz, den auch die alten Recken nur sehr schwer verhindern können, denn gut heißen können sie die Entwicklung doch nicht.

Es ist bestimmt nicht leicht, eine Marke wie den Rolling Stone zu hegen und zu pflegen und aufgrund des amerikanischen Mutterbootes ist auch noch die Verpflichtung da, einen bestimmten Prozentsatz der US-Geschichten zu übernehmen, aber ich finde, dass dieser Spagat bis vor zwei Jahren wirklich gut gewesen ist. Natürlich nerven mich die vielen Bestenlisten zu Tode, aber auf meine Nachfrage hin wurde ich eines besseren belehrt, denn genau diese bescheuerten Listen kommen bei den Lesern nun mal am besten an und also alles fein…auch wenn ich nicht weiß, ob man Gutes tut, wenn man sich immer dem Leser an den Hals wirft, aber ich vergesse auch nicht, dass der Rolling Stone kein Hobby-Fanzine ist, sondern ein kleiner Teil eines riesigen Medienimperiums und somit natürlich wirtschaftlichen Aspekten unterworfen, fair enough!

Nur frage ich mich, warum der redaktionelle Schritt und Schnitt nötig war und ob es nur mir so geht oder ob auch andere Leser/Kritiker die Entwicklung des liebsten Musikblattes problematisch finden?

Die Kolumnen könnten so großartig sein, aber Jenni Zylka und Uwe Kopf können das nun mal nicht, sind weder witzig, noch originell, aber das ist ein dickes Feature über die schlechten Muse sicher auch nicht. Dabei meine ich nicht das Geschreibe der werten Redakteurin, sondern die Tatsache, dass die Band schon immer grausam war und mittlerweile selbst das „Schwestermagazin“ MusikExpress dieses bemerkt hat.

Ok, klar ist derartige Kritik subjektiv, aber genau dafür sind derartige Kolumnen ja u.a. da und ich würde dem Rolling Stone einfach mehr Mut wünschen, neue Bands vorzustellen, dabei aber sicher nicht zwingend aus dem HipHop und Elektronischen, denn dafür gibt es eine Vielzahl spezialisierter Magazine, die das im Zweifel auch besser können…

Ein Kommentar zu “Krachkeks-Kolumne: „Rolling Stone“”

  1. Jalla sagt:

    So, das neue Mumfords-Album ist also nich so dolle, aber andere besser zu bewerten, unmöglich? Soll man die Bewertung anderer wirklich daran festmachen? Hat der Autor wirklich einen Plan vom Lena-Album, dass er meint, es dürfe nicht besser bewertet werden oder isses nur die Rümpfnase des Schmocks? Der Hang zu Altherrenmucke ist eher das, was mich am RS stört. Rolling Stones im Rentenalter auf’m Cover, muss das wirklich 2015 sein? Nee, eigtl. nicht.

Schreibe einen Kommentar
* Pflichtfeld

All About Songs :

About About Songs

About Radio

About Songs & Books

About Live