Krachkeks-Kolumne: „Konsens“ (Folge 73)

27. April 2015 um 11:43 von Jörg Tresp | about blog, Krachkeks Kolumne | Kein Kommentar

Es ist mal wieder unglaublich, wie sich die versammelte Journaille bei dem neuen Blur-Album „The Magic Whip“ mit Superlativen geradezu überschlägt und das bringt mich zu dem Phänomen, warum es Bands gibt, über die sich niemand traut, schlechtes oder kritisches zu schreiben – genau das wollen wir ändern!

Natürlich geht es um ein grundsätzliches Problem, aber das neue, überflüssige Werk von Blur steht da exemplarisch und beispielhaft im Lichte, das meine These unterstreicht. Das Upper-Class-Quartett aus London hat nach 12 Jahren „endlich“ ein neues Album veröffentlicht, das von allen Medien mit offenen Armen empfangen und besprochen wird und das nicht nur in den Magazinen, die man für Anzeigen auf seine Seite bringen kann, sondern über alle Medien hinweg, wie man so schön sagt. Bei derartigen Lobpreisungen, die ich null Komma nichts nachvollziehen kann, stellt sich mir die Frage, ob ich die Genialität dieser Bands und ihrer Werke schlicht nicht erkenne oder ob es daran liegt, dass es sich um Bands handelt, die machen können, was sie wollen und nie negatives über sich ergehen lassen müssen?

Schauen wir doch mal, wie das Werk entstanden ist: im Jahr 2013 hatten sie ein paar Off Days und langweilten sich zu Tode, so dass sie sich spontan zum Jammen in einem Studio einmieteten. Die daraus entstandenen Songs haben sie selber nicht so richtig ernst genommen und erst mal auf Halde gelegt. 1,5 Jahre später und vom Landleben gelangweilt, traf man sich zufällig und beratschlagte, wie man diese verdammte Langeweile tot schlagen könnte und plötzlich erinnerte man sich an das etwas uninspirierte Gejamme. Diese 12 Songs noch etwas aufgehübscht ergeben nun das neue Album „The Magic Whip“ und magisch ist daran höchstens die Tatsache, dass sie sich ob des zu erwartenden Erfolges jahrelang auf die Schenkel klopfen werden und niemals mehr ernsthaft über Songwriting nachdenken müssen.

Schade das! Ich bin bestimmt kein Blur-Hasser, aber es fühlt sich für mich ein Stück weit verlogen an, dass es alle Kritiker für ein glorreiches Comeback-Album halten. Wahrscheinlich haben sich aufgrund dieser Tatsache die Gallagher-Brüder dann doch wieder zusammen gefunden, um mal zu reden, warum diese langweiligen Blur mit einem so langweiligen Album, das uninspiriert dahin geschludert wurde, ausschließlich mit Lob überschüttet werden. Das Artwork tut dann ein übriges, denn flacher und billiger geht es nicht mehr und irgendwie ja auch originell, dass alles wie ein billiges Bootleg daher kommt.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht neidisch und Blur haben ihre Berechtigung und hatten einige großartige Songs, aber als ich das Album zum ersten Mal hörte, dachte und hoffte ich, dass es ihr Sargnagel sein würde, stattdessen wird überall von einem Geniestreich gesprochen und die Musik kann damit einfach nicht gemeint sein. Blur waren schon immer eine Konsens-Band, über die selten Schlechtes geschrieben wurde, aber dieser Konsens hat sich jetzt mal eben potenziert und das scheint der Lauf der Welt zu sein. Ich möchte da aber nicht mitlaufen!

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