Krachkeks-Kolumne: „Ignoranz“ (Folge 82)

15. Februar 2018 um 10:00 von Jörg Tresp | about blog, Krachkeks Kolumne | Kein Kommentar

Dieses Thema hat sicherlich viele Facetten, die auch in aller Ausführlichkeit gewürdigt werden sollten, aber nicht hier, denn mir war es „vergönnt“ mal wieder aus meiner kleinen Musiknische etwas auszubrechen und mich unter das hippe Volk zu mischen. 

Es ging ins Scandic-Hotel Hamburg zur Präsentation von 29 Zimmern, die in Kooperation mit der Millerntor-Gallery individuell von Street-Art-Künstlern gestaltet wurden. Ob diese Art mehr oder weniger hipper Künstler jetzt mit einer Hotelkette harmonieren oder die Kunst damit gleich mal ad absurdum geführt wird und man sich fragt, was denn „Scandic“ mit „Street“ zu tun haben soll, sei hier nur mal kurz rein geworfen, denn das ist nicht mein Hauptanliegen.

Vielmehr geht es mir mal wieder um die Ignoranz eines Publikums, das doch eigentlich total offen, tolerant und schick wirkt, sich aber natürlich vor allem für Freigetränke und Frei-Buffet interessiert. Leider sollten zwei Musikacts das ganze Konzept noch mal ein bisschen „abrunden“ und wurden nicht gerade mit Fingerspitzengefühl ausgewählt und mit entsprechender Nichtbeachtung gestraft. Die kritische Dame mit ihren kritischen Texten war mit ihrer Akustikgitarre und mir völlig alleine und jeder Hoffnungsschimmer in Gestalt von vorbei schauenden Besuchern suchte doch nur nach dem freien Finger-Food-Futter….

Klar gibt es derartig schwachsinnige Empfänge zur Genüge und somit mag es nicht ganz fair sein, dass ich hier verächtliche Kritik ausschütte, aber es geht mir um einen gewissen Respekt, denn wenn ich Künstler zum Beispiel grausam finde, schaue ich sie mir nicht an und labere lieber im Nebenraum, aber halt nicht da, wo der Künstler seine Songs zum vermeintlich Besten gibt, oder? Genug Räume waren ja durchaus vorhanden…

Was dem ganzen noch die kleine Krone aufsetzte war die Tatsache, dass es ja eine Veranstaltung der Millerntor Gallery zusammen mit Viva Con Aqua war und entsprechend tolerante Menschen zu den Gästen zählten, aber der Teufel steckt nicht nur im Detail, sondern ich musste fest stellen, dass jeder dahergelaufene Juso mehr Geist zu haben scheint als ein paar der Kunst gegenüber pseudo-offene Menschen, die für nicht viel Interesse zu haben schienen, denn die zu besichtigenden Zimmer blieben ähnlich alleine wie die musikalischen Künstler.

Vielleicht passt Street-Art-Kunst und Musik aber einfach nicht zusammen!

Das hinzunehmen fällt mir aber latent schwer, denn warum muss der Deutsche immer alles so trennen? Ich kenne das ja zur Genüge aus den Bereichen Musik und Literatur, die auch nur selten zusammen finden und damit meine ich jetzt nicht, dass ein Nagel (Ex-Sänger der desaströsen Muff Potter) jetzt unter dem Echtnamen Thorsten Nagelschmidt unter die Autoren gegangen ist. Beides ist von bescheidener Qualität. aber immerhin muss er nicht mehr teilen und kann dadurch viel besser von seiner Kunst leben und das sei ihm gegönnt.

Ich liebe allerdings Versuche wie „HamLit“ – lange Nacht junger Literatur und Musik – wo 15 mehr oder weniger junge Autoren aus ihren Büchern lesen und zur „Auflockerung“ drei deutsche Musikacts gebucht werden, die semi-akustisch die aufgeschlossenen Lesefreunde betören wollen. Nur leider geht der Versuch auch nur halbwegs gut aus, denn da man bei Lesungen ja besser leise sein sollte, was super klappt, möchte Frau sich dann aber in den Lesepausen besonders viel und laut unterhalten und das geht dann leider zu lasten der Musikkünstler, denn die meisten sind wegen der Autoren da. Hier wäre mein Verbesserungsvorschlag, etwas lautere Musiker am Start zu haben, denn dann hören einige halt mehr zu, da das Unterhalten eh schwer ist, oder es stört halt keinen mehr. Sicher ist es eine große Herausforderung, Literatur und Musik einen ähnlichen Stellenwert im Rahmen einer Veranstaltung zukommen zu lassen, aber wir werden das in diesem Jahr mal versuchen…dazu aber später mal mehr!

Ich bin sicher für eine klare Meinungsbildung bekannt und finde viele, viele Dinge, Menschen, Künstler und was auch immer richtig schlecht und mir ist meine noch verbliebene Zeit viel zu schade, um die berühmte gute Miene zum bösen Spiel zu machen, aber ich respektiere diese und strafe sie nicht mit Ignoranz, in dem ich während ihres Auftritts laut labere oder schmatzend mein Coolsein zur Schau stelle und genau darum geht es mir hier.

 

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