Krachkeks-Kolumne: „Girls“ (Folge 81)

7. Oktober 2017 um 17:44 von Jörg Tresp | about blog, Allgemein, Krachkeks Kolumne | Kein Kommentar

Es gibt ja gerade recht viele Diskussionen, warum es in unserer schönen Musikbranche so wenige Frauen gibt und ich kann mir nur wünschen, dass sich das ändert, denn was ich von den meisten Buben so höre, ist erschreckend.

Ich bin ja u.a. als „Music Business“-Dozent tätig und in meiner Einheit bei der SAE in Hamburg letzte Woche sollten die Teilnehmer mal fünf Minuten überlegen, welche Fragen ihnen denn so dringend unter den Nägeln brennen würden, denn schließlich wollten sie ja von mir einen Einblick bekommen. Die erste Frage „Wie viel kann man dann als A&R so verdienen?“ brachte mich schon zur Weißglut und ich habe nie verstanden, warum man sich im Alter, bin ja immerhin schon 47 Jahre, denn bitteschön ruhiger geben sollte. Na ja, als Dozent habe ich vielleicht eine kleine Vorbildfunktion, so dass ich mich bemühte, recht ernsthaft zu antworten.

Teil A meiner Antwort lautete „wenn es Dir ums Geld geht, ist das zumindest für diese Branche definitiv die falsche Motivation und Du solltest Dich vielleicht eher als Versicherungsvertreter bewerben“. Nun gut, ob man als ein solcher jetzt besonders reich wird, sei mal dahin gestellt, aber mir fiel halt nichts besseres ein. Innerlich schüttelte ich natürlich sehr heftig mit dem Kopf und konnte nich glauben, dass die dummen Jungs immer noch nach materiellen Dingen und Geld lechzten. Haben Männer in den letzten 50 Jahren denn gar nichts dazu gelernt?

Teil B meiner Antwort war dann eine Gegenfrage und ich weiß, dass man keine Fragen mit Gegenfragen beantworten sollte, aber ich konnte in dem Moment nicht anders und fragte: „Wie gut bist Du denn?“ Darauf hin kam natürlich nur erstaunte Ratlosigkeit und wir konnten zur nächsten Frage übergehen.

Ok, das ist nur ein Beispiel gewesen, aber trotzdem ein Grund, warum ich fast nur mit Frauen zusammen arbeite. Klar mögen diese vielfach noch zu sehr Sicherheitsdenker sein und auch diese Eigenschaft ist in der Musikbranche etwas fehl am Platz, aber dafür haben viele eine Empathie und Motivation und stellen keine lethargische Frage nach der Kohle, die man verdienen kann – wo leben wir denn?

Leider fehlt vielen ein latentes Selbstbewusstsein, welche wir Männer gerne reichlich haben, aber ich bin bereit, etwas von meinem zu stiften und zukünftigen Damen in dieser Branche zur Verfügung zu stellen. Es ist immerhin erkannt und in diesem Jahr gab es weltweit so viele Workshops, Panels, Foren u.ä. wie noch nie. Allerdings gibt es da die Problematik des im-eigenen-Saft-schmorens, denn nie, wirklich nie habe ich auf eben diesen Zusammenkünften mal einen Mann auf dem Podium gesehen und das ist schon merkwürdig, denn diese scheinen ja primär die Verursacher zu sein, oder?

 

 

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