Krachkeks-Kolumne: „Crowdfunding“ (Folge 69)

24. November 2014 um 12:57 von Jörg Tresp | about blog, Krachkeks Kolumne | 1 Kommentar

Tja, es ist an der Zeit, mal ein paar Worte über die nicht mehr ganz so neue Mode des Crowdfundings zu verlieren, denn irgendwie scheint es in fast jeder Munde zu sein und einige halten das für die kulturelle Rettung des Projektmanagements, sind die denn irre?

Die Idee dieser Sache wurde ja aus der häufigen Not geboren, dass man für ein Projekt, anfangs in Form eines Films in den USA, einfach zu wenig Geld zur Verfügung hatte und sich so eine Alternative schaffte, indem Leute in eine gute Idee investierten, ohne dabei Rendite oder andere bösen Dinge im Kopf zu haben. Wie so häufig entwickeln sich derartige Ideen weiter, werden professionalisiert, von anderen entdeckt und übernommen und irgendwann von der Masse adaptiert und dann macht es gefühlt jeder und die vermeintliche Coolness bleibt auf der Strecke. In Deutschland gipfelte das Ganze im Kinofilm „Stromberg“, der in kurzer Zeit über 1 Mio. € durch Crowdfunding einnahm und angeblich erst dadurch finanziert werden konnte. Ich mag Christoph Maria Herbst sogar ganz gerne, aber dass man eine derartig erfolgreiche Serie nicht über andere Wege finanziert bekommen hätte, ist nun mal ein Märchen und Märchen zeichnen sich eher selten durch Wahrheit aus, oder?

Warum ist Crowdfunding denn so erfolgreich, auch wenn man selten von den nicht ganz so erfolgreichen Kampagnen hört, denn wer will das schon? Aus meiner Sicht leben wir in einer Gesellschaft von Menschen, denen es immer schwerer fällt, Entscheidungen zu treffen und so ist Crowdfunding eine schön einfache Art, zumindest eine Mini-Entscheidung zu treffen, denn hier entscheide ich mich ja dafür, einen Beitrag einem vermeintlich sinnvollen Projekt zukommen zu lassen. Dabei stellt sich dann noch die Krönung der Gefühle ein, dass es ohne mein Zutun nie zur Umsetzung gekommen wäre und der Film oder die Platte oder das Video oder der Umzug oder oder oder anders nicht zustande gekommen wäre.

Diese getroffene Entscheidung hat für den Entscheider so gut wie keine Konsequenzen und genau deswegen fällt sie uns so leicht, denn Entscheidungen ohne Konsequenzen fallen einem halt leichter. Es ist ein bisschen wie die Spendenbereitschaft bei Katastrophen, denn diese ist ja überraschender Weise in Deutschland schon sehr groß, obwohl es uns allen doch so schlecht geht und wir umsonst noch zu teuer finden, aber hier wird an unser Gewissen appelliert, Gutes zu tun, ohne dass wir persönliche Konsequenzen tragen oder gar fürchten müssen und genau darin sind wir ein großes, starkes Volk.

Ähnlich verhält es sich mit dem Crowdfunding, nur dass es vielleicht noch etwas direkter ist, da wir den Film sogar selber im Kino oder sonst wo anschauen können oder vielleicht direkt vom Künstler das Album geschickt bekommen, natürlich verbunden mit einer Danksagung oder einem Goodie, so dass wir noch mal eine Bestätigung für unser Gutmenschentum bekommen. Einige Filme- oder Albummacher bereuen diese Finanzierungsart mittlerweile, da plötzlich mehr über die Finanzierung gesprochen und geschrieben wird als über das Album oder den Film an sich, so dass der Inhalt doch sehr, sehr stark in den Hintergrund rückt, wo Inhalt ja meistens zu finden ist, oder?

Außerdem bedarf es eines gewissen Aufwandes, denn zum einen muss der Aufruf ja total originell und am besten visuell erfolgen, zum anderen müssen es eben so originelle „Goodies“ sein, mit denen ich Volkes Geldbörse locken kann und dieser Originalität sind selten Grenzen gesetzt, so dass ich mich und mein Projekt einfach „verkaufen“ muss, was sich am Ende dann öfter so anfühlt, als wäre es gar nicht mehr so richtig mein Projekt. Das blöde Päckchen am Ende der ganzen Kampagne nervt dann natürlich auch noch und hat mal als Künstler heute nicht eh schon einen viel zu persönlichen Kontakt zum Mob und Fan?

Ein Kommentar zu “Krachkeks-Kolumne: „Crowdfunding“ (Folge 69)”

  1. Thomas sagt:

    Mittlerweile greifen immer mehr Menschen auf diese Finanzierungsform zurück, um eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Mit der richtigen Idee kann man da tatsächlich einiges erreichen und das obwohl eigene finanzielle Mittel gar nicht zur Verfügung stehen.

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