Krachkeks-Kolumne: „Benjamin nervt!“ (Folge 77)

1. April 2016 um 9:00 von Jörg Tresp | about blog, Krachkeks Kolumne | 1 Kommentar

Der selbstverliebteste deutsche Autor hat nun endlich auch offiziell ein Buch über sich veröffentlicht! Er ist schon schlau und nutzt den großen Udo als Vehikel auf seinem selbstmitleidigen Weg zum Erfolg.

Schon seit seinem grauenhaften Debüt „Soloalbum“ habe ich mich nicht mehr über ihn aufgeregt, sondern ihn vielmehr mit dem Mantel der Nichtbeachtung gestraft. Klar hat er damals schon in Selbstmitleid gebadet und es weder verstehen noch verarbeiten können, dass er von seiner Freundin verlassen wurde, nur hatte er sich nicht getraut, das Schmuddelkind beim Namen zu nennen, sondern dem Ganzen eine fiktive Ebene und einen ebensolchen Charakter zu geben.

Nun also mit „Panikherz“ endlich der Mut oder die Selbstgeilheit, keine Rollen mehr zu spielen, sondern die einzige Wahrheit seines kümmerlichen Daseins auf den Tisch zu legen. Der kleine Benjamin packt aus und die Kritiker überschlagen sich mit Lob, so dass sein Leben gleich mal die Bestsellerlisten erklimmt. Nein, Neid macht sich bei mir nicht breit, denn ich habe ja noch nicht mal ein Buch geschrieben, aber warum hat er nicht gleich dieses Buch geschrieben, denn eigentlich wollte er uns doch schon immer nur und ausschließlich an seinem Leben teilhaben lassen.

Im Gegensatz zu einem tragischen Schriftsteller wie David Foster Wallace – nein, ich möchte hier keine Vergleiche anführen, aber da der Film „The End of the Tour“ gerade aktuell ist, kam er mir in den Sinn – kann das Talent Stuckrad-Barres genau wie sein Musikgeschmack nur als durchschnittlich bezeichnet werden. Immerhin entspricht sein Schreiben seinem Reden, denn beides ist nicht sehr pointenreich und möchte doch möglichst originell daher kommen, tut es aber nicht.

Sein Protègè Udo Lindenberg ermunterte ihn dazu, einfach mal nach L.A. zu fliegen und ein paar Wochen abzuhängen, denn dort scheint immer die Sonne und das Leben fühlt sich für einige Momente leichter an. Gesagt, getan und so fand er sich im „legendären“ Hotel Chateau Marmont, wo heute höchstens noch ein paar abgehalfterte Ex-Stars rum hängen, und stellte den ganzen Tag Beobachtungen an, die er dann wieder auf sein verkokstes Leben bezog. Natürlich nicht ohne zu protzen, welche Superstars er im Laufe seiner „Schreiber“-Karriere alles getroffen und interviewt hat. Dies hat er vor allem für den deutschen Rolling Stone getan, denn dieser schwelgt ja auch gerne in Erinnerungen, macht sich aber höchst ungerne selbst auf den Weg in die weite Welt.

Der Spiegel, der ja auch schon qualitativ bessere Zeiten gesehen hat, sieht in dem Buch eine „brillante Erzählung über die Obsessionen unserer westlichen Kultur“ und ich möchte schreiend fragen, warum dieser beschränkte, selbstsüchtige Autor dann gleich mal für die gesamte westliche Kultur stehen soll, denn für meine steht er zum Beispiel nicht. Klar gab es schon unzählige Bücher von pseudo-intellektuellen Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen und sich selbst nur noch mit Drogen ertragen können, aber ich kann den Benjamin leider nicht mal mit Drogen ertragen.

Ein Kommentar zu “Krachkeks-Kolumne: „Benjamin nervt!“ (Folge 77)”

  1. Janine sagt:

    Herlinde Koelbl „Rausch und Ruhm“ zeigt, er hat sein damaliges Leben auch mit Drogen nur schwer ertragen.

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