Kommando Elefant (A) – Molotow (Hamburg)

29. Mai 2017 um 16:23 von Sara | about shows | Kein Kommentar

Zugegeben, die Review kommt ein wenig verspätet. Aber es gibt einen bestimmten Grund wieso wir sie euch nicht vorenthalten können: dieser Text ist im Auftrag der musikalischen Aufklärung!Wenn man nach Musik aus Österreich gefragt wird, fallen die Namen Falco, Mozart, Ambros. Aktuell vielleicht noch Wanda und wer sich auskennt, sagt dann noch Bilderbuch. Klar kann man die Band um den gebürtigen Linzer Alf Peherstorfer in eine Reihe mit oben genannten stellen. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist nun mal ihre Nationalität.
Aber ist das wirklich schon alles was das Nachbarland zu bieten hat? Ich sage: NÖ.
Dass ich nicht die einzige Deutsche mit dieser Meinung bin, wurde schon an besagtem Montag im Molotow klar, wo sich eine ordentliche Menschenmenge in Vorfreude auf Vodoo Jürgens und seinem Support Kommando Elefant tummelte – beide nominiert für einen der Österreichischen Amadeus Musikpreise.
Mit den ersten Tönen von „Das ist Ok“ begann für mich eine kleine Reise in das wundervolle Wien und ging direkt über in „Schöner Tag“. Beides Titel ihres Albums „Scheitern als Show“ (2012). Elektro-Trash trifft Selbstreflektion, keine Spur vom Blue Monday mehr in Sicht.

Um Selbstwitz und Ironie mussten die Jungs sich nie bemühen. Hier zu Lande vielleicht schon Indizien für den Wiener Strizzi, ist eine Performanz der Elefanten dann doch authentischer als die manch anderer Kollegen. ‚Dein letztes Comeback’ vom neuen Album „Herz und Anarchie“ ist wohl ein weiteres Produkt dieser Eigenschaften. Vielleicht mischt sich unter den ganzen Witz aber auch ein bisschen Resignation, immerhin haben wenige Bands den Zerfall und die Wiederbelebung der österreichischen Musikszene so nah miterlebt. „Statt dem finalen Heartbreak, geh dahin wo alles gut ist.“ Liebes Kommando Elefant, bitte bleiben!
Kommando Elefant gibt es seit nun mehr 10 Jahren. In dieser Zeit haben sie zwar vergeblich auf den großen Erfolg gewartet, sind sich aber immer treu geblieben. In ihren mittlerweile fünf Releases herrscht eine gesunde Entwicklung, ihr roter Faden bleibt stets unübersehbar. Der Grund warum man Kommando Elefant Fan bleibt, wenn man sie einmal lieb gewonnen hat.

Mit ‘Alaska‘ („Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben.“, 2010) wird es dann ein bisschen kuscheliger im Molotow. Wären wir jetzt im Stadtpark, würden Glühwürmchen die Handydisplays freiwillig nutzlos machen. „Es schlägt dein Herz in dieser Nacht, sie haben für dich alle Lichter angemacht. Damit du lachst, damit du lebst, damit du schwerelos Richtung Alaska fliegst.“ Hach!
Herz ist seit Anbeginn der Wiener Band der stärkste Motor ihrer Musik.
Gerade deshalb nehmen sie auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um das Thema Politik geht. Tatsächlich beschreibt der Titel des aktuellen Albums „Herz und Anarchie“ (VÖ 17.3.17) ihre Musik punktgenau.
Der Name Kommando Elefant kommt übrigens von einem nie umgesetzten Song ihrer Vorgänger Band Café Amigo, der von einer Untergrundbewegung handelt, die Elefantenlogos an die Wände sprüht. Leider reichen die Ideen dieser nicht über den Bartresen hinaus. Bescheidener Name für eine Band, die absolut keinen Benefiz-Auftritt auslässt: WKR-Ball Demonstration, Ute Bock Cup, Refugee Konzerte – wo Musik politisch wird, ist Kommando Elefant nicht weit.

„Mach kaputt was dich kaputt macht – in diesem Land so leicht gesagt.“, singt Alf dann in der Hälfte der Show. ‚Falsche Helden’ handelt von Enttäuschung und Ausweglosigkeit, der unterlegte Sound fordert trotzdem zum Tanzen auf. Bei ‚Wir sprengen Krokodile’ steht dann auch wirklich kein Fuß mehr still. Fans, Zweifler, Piefke. Alle schmunzeln und bewegen sich. Nicht alle so schön wie die zwei eingeschweißten Fans in der ersten Reihe, aber die darauf folgenden Titel sind echte Club-Hits. Wie auch „Ich find dich seltsam und ich mag dich ur gern“. Wenn man sich so umschaut, denken sich das wohl eh alle, weil man auf feinste Austropop-Produktion gespannt war. Nein, das ist keine Dialekt-Musik! Eher die österreichische Antwort auf Tocotronic, wenn diese bei Audiolith gesigned wären. Apropos Club: ‚In all den abgefuckten Clubs’, ist eine Hymne an ihre Lieblingsclubs: „Wir lieben abgefuckte Clubs wie das Molotow.“ Mit das ‚Leben ist schön’ endet die aktuelle Platte und lässt den Zuhörer ahnen, dass auch das live Vergnügen bald vorbei ist. Zuerst wird es aber noch einmal behaglich.
Baywatch trifft Dirty Dancing: „Geh doch mal tanzen, bleib wieder wach. Dreh dich am Ende ins Zentrum der Nacht. Geh mit mir tanzen und bleib mit mir wach. Wir werden leuchten – im Zentrum der Nacht.“ Die Elefanten können so melancholisch, dass es schwer wird auf dem Herzen und dann beginnen die Beine von ganz alleine mitzuschwingen bis man am dunkelblauen Donaukanal angelangt ist.
Als der letzte Ton gespielt ist bleibt ein jubelndes Publikum mit seinen Emotionen zurück:

Verwunderung, Begeisterung, Glück, Schnaps. „Party und Melancholie mit Herz und Anarchie.“ Das hat sich in den letzten zehn Jahren nicht geändert. Weiter so!

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