Midlake - The Courage Of Others
veröffentlicht am 4. Februar 2010 von Jörg
Es ist ja nicht immer leicht mit den Erwartungen, die man an eine Band und ihren neuen Output hat und oftmals ist es leider so, dass diese Erwartungen dann enttäuscht werden, was aktuell wieder bei den neuen Alben von Spoon, White Rabbits, Get Well Soon oder auch Windmill dann auch eingetreten ist. Dabei sind das bestimmt keine schlechten Alben, nur hat der Vorgänger eine scheinbar zu große künstlerische Last auf die Schultern der Musiker gelegt.
Diese Befürchtung hatte ich selbstredend auch im Fall Midlake, deren zweites Album “The Trials Of Van Occupanther” zu meinen liebsten der letzten Jahre zählt, auf dem sogar noch Songs den wunderschönen Glanz anderer überstrahlten, was in Zeiten, in denen der Musikkonsument immer mehr einzelnen Songs bzw. Singles huldigt und das Album als solches vom Aussterben bedroht ist, durchaus hilfreich sein kann.
Dass der Nachfolger 3,5 Jahre benötigte und schon im Titel “The Courage Of Others” eine gewisse Unsicherheit erkennen lässt, führte nicht gerade zu weniger Skeptizismus, der allerdings, das sei hier schon erwähnt, völlig fehl am Platze war und mir das erste Album 2010 beschert, das mich in keinster Weise enttäuscht hat und am Jahresende in meiner Bestenliste schon einen Platz sicher hat.
Die Orientierung an längst vergessen geglaubte Musikgenres ist denn auch eine Konstante im Schaffen von Midlake, allerdings finden sich die Haupteinflüsse neben dem Americana der 70er nun vielmehr im englischen Folk der 60er und 70er Jahre und Bands wie Steeleye Span, Fairport Convention, Pentangle oder gar Barclay James Harvest. Dies macht sich sowohl in der Instrumentierung, d.h. keine Keyboards und Wiederentdeckung der Flöte, die sich wie ein roter Faden durch die Songs von Tim Smith zieht, als auch dem warmen, zeitlosen Sound bemerkbar. So könnte “The Courage Of Others” genauso vor 30 Jahren aufgenommen worden sein und doch kann man ihnen irgendwie nicht den Vorwurf reiner Retrogewandheit machen, denn Schönheit und großartige Songs in seltener Homogenität dargebracht können einfach nicht Retro sein, sondern immer irgendwie einem aktuellen Anspruch entspringen.
Diese Homogenität macht es noch schwerer als beim Vorgänger, einzelne Songs herauszustellen, weshalb ich darauf verzichte und es anderen überlasse, denn gerade in heutigen Zeiten, wo dem Album als solches eine Endlichkeit vorausgesagt wird, stimme ich in diesen Kanon des Niedergangs nicht ein und schwöre mit einigem Trotz, dass ich Midlake und ihr neues Werk “The Courage Of Others” immer am Stück hören werde, denn genau so entfaltet es seine einzigartige Magie, die mir wohlige Schauer über den Rücken schickt. (Bella Union)
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Spoon - Transference
veröffentlicht am 29. Januar 2010 von Jörg
Spoon wird von vielen immer als ein tragisches Beispiel beschrieben, dass nach all den Jahren doch endlich mal ein größeres Publikum verdient.
Das ist bestimmt nicht verkehrt, aber dieses Schicksal teilen sie doch wohl mit einigen anderen dutzend Bands. Außerdem lässt ihr Stellenwert in der Heimat USA es immerhin zu, dass sie von der Musik nicht schlecht leben können.
Nun also “Transference” und würde es sich hier um einen Newcomer handeln, so könnte ich jetzt viel Lob über diesen ausschütten – klingt das Album doch rau, erwartungsvoll und zum Teil wohl bewusst anfängerhaft. Bei einer Band, die es seit 15 Jahren gibt, muss die Wertung da aber ein bisschen eingehender erfolgen und etwas anders ausfallen.
Zunächst lässt der Opener ‘Before Destruction’ aufhorchen und lockt ein schon fast auf eine falsche Fährte, denn hier sind alle Spoon-Stärken und ihr ureigener Charme vorhanden. Diesen können sie im weiteren Verlauf des Albums aber leider nur noch bei der ersten Single ‘Written In Reverse’, dem treibend-bluesigen ‘I Saw The Light’ und ‘Got Nuffin’ kompensieren.
Andere Momente sind aber derartig banal und ideenlos geraten, als würden hier alte Demos oder gar die langweiligen Stereophonics (‘Out Go The Lights’) herhalten. Irgendwie schleicht sich ein Gefühl ein, dass die Band um den immer noch schön brüchig singenden Britt Daniel es selber am besten weiß, dass “Gimme Fiction” (2005) ihren musikalischen Höhepunkt darstellte und diese Einsicht führt im Falle “Transference” zum weitermachen, aber sicher nicht zu einem neuen Meisterwerk. (Anti)
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Get Well Soon - Vexations
veröffentlicht am 22. Januar 2010 von Jörg
Nach allen berechtigten Erfolgen und Lorbeeren das Debüt-Album “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” betreffend, geht es nun zu dem meist so schweren Nachfolgewerk. Warum dafür das etwas antiquierte englische Wort für Ärgernisse “Vexations” herhalten soll, entzieht sich meiner Kenntnis, aber vielleicht bringt ein gewisser Erfolg diese ja auch mit. Belassen wir es mit Spekulationen und wenden uns diesem einfach zu.
Ganz so einfach ist das Zuwenden dann aber nicht, denn habe ich bei dem Debüt das Intro noch als passend gelobt, so ist es hier schlicht nichtig und da mit ‘Seneca’s Silence’ und ‘We Are Free’ eher Durchschnittliches folgt, scheinen meine Zweifel nicht unberechtigt gewesen zu sein. Klar sind Get Well Soon hier über jeden künstlerischen Zweifel erhaben und “Vexations” ist zum Glück wieder ein Album, mit dem man sich länger auseinander setzen muss, aber bei aller textlichen und instrumentalen Qualität bleiben große Songs nur zu oft auf der Strecke.
Es mag etwas komisch klingen, aber für mich beginnt das Album erst so richtig mit ‘A Voice In The Louvre’, dem perfekten Einstieg in ein großes Album. Tragisch und melancholisch und doch Großes versprechend – diesen Attributen setzt das düsterste Stück ‘That Love’ wohl die dornige Krone auf und läutet gleichzeitig die Höhepunkte des Albums ein.
‘Aureate’ heisst dieser und erschlägt einen mit genau dem orchestralen Mut, der Get Well Soon gut tut – und die Drums klingen wirklich toll, wenn ich das mal so dahersagen darf. ‘We Are Ghosts’ schließt sich dem nahtlos an, treibt jedem halbwegs vernünftigen Musikfan an und ein Lächeln auf die Lippen und stellt doch Fragen: “Are We Human Or Are We Dynamite?” – vielleicht die Hymne für Atheisten – endet dieser Song doch mit der Feststellung “God Is Dead”.
Schöne Kopfbilder bietet ‘A Burial At Sea’ und wer sich jetzt sagt, dass die Musik von Get Well Soon prädestiniert ist für diverse wunderbare Filme, dem sei der Hinweis gegeben, dass es das Album auch in einer limitierten Buchfassung mit Bonus-CD “Songs For/From Films” gibt, die noch mal 8 Titel beinhaltet, u.a. ‘Busy Hope’ und ‘Good Friday’ die man schon vom Soundtrack zu “Palermo Shooting” kennt, und das David Bowie – Cover ‘I’m Deranged’.
Zurück zum eigentlichen Album, denn wir nähern uns dem Ende mit dem im positiven Sinne recht poppigen ‘Angry Young Man’, was wohl auch die erste Single ist, um “Vexations” mit dem Quasi-Opus ‘We Are The Roman Empire’ verklingen zu lassen. Schon selten, dass ich bei einem Album eine Hälfte um Längen besser finde als die andere, aber hier ist dem so und darüber habe ich mir jetzt lange genug den geschwollenen Kopf zerbrochen…
Konstantin Gropper alias Get Well Soon möchte manches Mal noch immer zu viel und wurde mit seiner ernsten Unlockerheit zum Freund aller Feuilletonisten, trotzdem ist seine Verkopfheit mehr als authentisch und steht ihm doch etwas im Wege, denn mit einer kleinen Prise amerikanischer Unbedarftheit das Songwriting betreffend kann das dritte Album zu seinem musikalisch größten Werk werden – die Luft ist noch da. (City Slang)
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Die besten Alben des Jahres!
veröffentlicht am 14. Dezember 2009 von Jörg
Es ist wieder soweit – das Jahr nähert sich dem Ende und natürlich schmeißen alle wieder mit Bestenlisten um sich. Da möchte ich natürlich nicht zurückstehen und euch meine “Alben des Jahres” nicht vorenthalten. Waren es im letzten Jahr noch 15 (!), so ist es in diesem Jahr nicht ganz so reichhaltig und es fällt mir nicht schwer, nur 12 Alben ins Rennen zu schicken, denn 2009 wird für mich sicher nicht als das Jahr unglaublich vieler, toller Platten in die Musikgeschichte eingehen.
Wie immer lasse ich mir ein bisschen Statistik nicht nehmen: 9 der 12 Alben stammen von amerikanischen Bands & Künstlern, allerdings diesmal lediglich zwei aus meiner Lieblingsregion, dem Nordwesten der USA. 8 von 12 habe ich bereits live gesehen – da war die Quote im letzten Jahr wesentlich besser! – 2 UK-Bands haben es geschafft und ein Schwede.
So, hier nun endlich die Liste, wie immer in alphabetischer Reihenfolge und natürlich freue ich mich immer über Kommentare:
Blind Pilot – Three Rounds And A Sound
Casablancas, Julian – Phrazes For The Young
Grizzly Bear – Veckatimest
Kleinhenz, Björn – B.U.R.M.A.
Low Anthem, The – Oh My God, Charlie Darwin
Manchester Orchestra – Mean Everything To Nothing
Margot & The Nuclear So And So’s – Not Animal
Monsters Of Folk – Monsters Of Folk
Mt. St. Helens Vietnam Band – Mt. St. Helens Vietnam Band
Mumford & Sons – Sigh No More
Sea Wolf – White Water, White Bloom
White Lies – To Lose My Life
Übrigens könnt ihr morgen um 23 Uhr auf Byte FM – www.byte.fm – dabei sein, wenn ich diese Alben entsprechend mit je einem Song würdigen werde.
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Monsters Of Folk - dto.
veröffentlicht am 2. Oktober 2009 von Jörg
Schon der Bandname bringt einen gesunden Größenwahn mit sich, aber hier handelt es sich auch nur bedingt um eine Newcomer-Band. Vielmehr besteht dieses Quartett aus Namen, die wohl nur kaltherzige gothic-fans unberührt lassen: Conor Oberst (Bright Eyes) – Yim Yames (My Morning Jacket) sowie M Ward und Saddle Creek-Stammproduzent und Bright Eyes – Kollege Mike Mogis, der sich hier im Gegensatz zu den drei erstgenannten gesanglich zurückhält.
My Morning Jacket zählen schon lange zu meinen persönlichen Helden, nur leider konnten sie diesen Status bisher nur in ihrer Heimat USA erlangen, aber vielleicht ändert sich das jetzt etwas, denn schon der Opener ‘Dear God’ trieft vor seinem wahnsinnigen Soul und zeigt welch Genies sich hier versammelt haben. Warum sich Yim Yames hier aber mit “y” schreibt, bleibt ein Rätsel, vielleicht ein Künstlername für sein Side-Projekt…
Überhaupt ist es wenig überraschend, dass sich die Monsters Of Folk durch größtmögliche Vielseitigkeit auszeichnen und so stehen neben Soul natürlich Elemente aus Folk, Americana, Country und Singer/Songwriter diesem Werk mehr als gut zu Gesicht, denn sie können einfach alles. Klar ist Conor Oberst für die typischen Bright Eyes – Momente wie in ‘Sat Please’ und ‘Temazcal’ zuständig, fühlt sich aber wie die anderen auch sehr wohl in der Rolle des “integrativen Bestandteils” und spielt sich höchstens in angenehmer Weise ab und zu in den Vordergrund. Klar hört man, wer an welchem Song die Hauptfinger im Spiel hatte und so könnten die Yim Yames – Sachen genauso auf einem My Morning Jacket – Album sein wie die eben erwähnten Conor-Sachen, aber das darf man zum Genuss des Albums nicht zu eng sehen und tut der Qualität null Abbruch.
Die Idee zu Monsters Of Folk wurde schon im Jahr 2004 geboren, wo dieses Quartett gemeinsam auf der Bühne stand, aber man wollte dieses Album dann angehen, wenn alle die nötige Zeit und Muße mitbringen und so wollte auch hier gut Ding Weile haben, aber genau diese entspannte Sicht der musikalischen Dinge, hört man dem Album dann in schönster Entspanntheit auch an. Hier entstand nichts unter Druck, sondern rein aus der Lust an der gemeinsamen Kunst und hier und da erinnert die Herangehensweise an die Travelling Wilburys – übrigens am ehesten zu vergleichen mit den Songs von M Ward wie ‘Whole Lotta Losin’ oder ‘Goodway’.
Ich gebrauche Superlative ja nicht sooo häufig, aber dieses Album kann man eigentlich nur im Knien hören und zählt zu den besten des Jahres! (Rough Trade)
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