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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 51 "The XX"



Natürlich ist es nie ganz fair, über einzelne Bands zu lästern und darum soll das Lästern am Anfang des neuen Jahrzehnts auch nicht so böse ausfallen. Das hat die Band dann nun auch wieder nicht verdient, zeigt dieses Beispiel doch auch, dass die Hype-Maschine noch lange nicht tot ist.

Zunächst muss ich dann hiermit auch einräumen, dass ich ein Opfer dieser Hype-Maschine geworden bin, denn ich habe mir das Debüt von The XX gerade vor wenige Wochen erst gekauft. Warum? Zum Beispiel, weil es in fast jedem Jahresend-Poll als DAS Album des Jahres gefeiert wurde und ich die Band vorher nur dem Namen nach wahrgenommen habe, da scheinbar noch nicht alle Lobeshymnen zu mir durchkamen.

Nun dachte ich in meiner fast 40-jährigen Naivität, dass doch nicht alle Musikliebhaber falsch liegen können, wenn sie eine Band derart loben. Klar, “naiv” klingt in diesem Zusammenhang fast noch zu lieb und beim Impulskauf tat das schön reduzierte Cover auch ein übriges.

Voller Erwartung ging es dann nach Hause und das Album gleich in den Player. Einmal gehört, ein zweites Mal und ein drittes Mal und was soll ich sagen – es passierte NICHTS!
Keine Angst, dies wird jetzt nicht die ungerechte Litanei über ein schlechtes Album, denn es ist beileibe nicht schlecht, nur ist es recht nett und belanglos. Der Vorteil von Alben, die nett und belanglos sind, liegt immerhin auf der Hand, denn man kann sich diese kaum überhören, da sie nicht hängen bleiben und auch nicht wehtun und genau das ist es, was die Leute heute wohl so wollen – dass ihnen keiner wehtut!

Ich bin da aber anders, denn ich erwarte von einem derart hochgelobten Album, dass es mich irgendwo emotional berührt und genau das tut es keine einzige Minute. Wie in meiner Bestenliste 2009 schon erwähnt, gab es nicht sehr viele Alben, die mich emotional berührt haben, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass das 2010 besser wird und höre voller Melancholie gerade das neue EELS-Album “End Times”. (Young Turks)

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Krachkeks-Kolumne Folge 50 "Popkomm 2009"



Schon gehört, dass die Popkomm in diesem Jahr ausfällt? Nein, eh noch nie von der Popkomm, der doch größten europäischen Musikmesse, gehört?

Im Gegensatz zu anderen Branchen, unterliegt die Musikbranche zum Glück noch immer eher einer Emotionalität und das ist auch gut so. Oftmals wird uns zwar mangelnde Professionalität vorgeworfen, was hier und da sicher nicht von der Hand zu weisen ist, und so geht es hier um ein wunderbares Beispiel, wie man sich lächerlich macht und dass es nicht immer gut ist, eine Musikmesse von Menschen veranstalten zu lassen, die sich eher selten bis nie mit Musik und der Eigenheit dieser Branche befasst haben.

Die Popkomm ist nun mal im Gegensatz zu Industriemessen oder meinetwegen noch der Midem eine reine “Socialising-Veranstaltung”, wo es in keinster Weise um bestimmte Geschäftsabschlüsse geht oder darum, sein Produkt besonders prägnant auf eben dieser Messe zu präsentieren. Das ist den meisten nicht neu, nur wurde dieser Tatsache auch auf früheren Popkomms eigentlich nie Rechnung getragen. Das waren aber die guten alten Zeiten, in denen vor allem Majors noch einen Wettstreit um den größten und spektakulärsten Stand machten. Dies ist jetzt zum Glück schon seit längerem nicht mehr der Fall.

Schon länger der Fall ist dagegen, dass es unserer geliebten Branche wirtschaftlich nicht so richtig gut geht, weshalb der Rückgang von Ausstellern auf der Popkomm auch in dem Ausmaße sicher nicht verwunderlich ist. So konnte dies nicht der alleinige Grund in der Pressemitteilung sein, denn dann hätte sich ja jeder gefragt, warum man nicht grundsätzliche Änderungen des Konzeptes vorgenommen hat. So wurde alles mal wieder auf die böse Internet-Piraterie geschoben, die sicher alles andere als ein Kavaliersdelikt ist, aber nun auch nicht wirklich so akut, dass man 3 Monate vor der Messe dies zum Grund der kurzfristigen Absage machen kann.

Die elegante Lösung hätte so ausgesehen, dass man die Messe an sich einfach tatsächlich abgesagt hätte, vor allem, um an einer konzeptionellen Neuorientierung zu arbeiten, die sich in der heutigen Musikwelt nicht lächerlich macht, und das musikalische Abendprogramm als “Musikfestival” weiter in den Vordergrund gerückt hätte, wo es eigentlich auch hingehört. So hätten sich die Veranstalter sogar noch auf die Fahnen schreiben können, dass endlich wieder die Musik im Vordergrund steht und alles andere Beiwerk ist und nicht umgekehrt. Genau so ist es nämlich bei allen anderen ähnlichen Veranstaltungen wie SXSW in Austin, Eurosonic in Groningen oder dem Spot-Festival in Arhus auch.

Kaum kam das sehr negative Feedback auf die Popkomm-Absage, kroch auch Tim Renner wieder aus seinem Lobbyisten-Loch, um sich als Heilsbringer zu präsentieren, der erstmal den Mund ganz weit aufreisst, um sich danach mal Gedanken über ein Konzept zu machen.

Ich glaube an eine gewisse Art der Selbstregulierung und kann nur hoffen, dass sich die Popkomm mal Gedanken macht, dass man eine derartige Musikmesse einfach nicht braucht und in andere Richtungen denkt. Ideen habe ich genug, aber mich fragt ja keiner….
Ansonsten wird es bestimmt trotzdem das eine oder andere schöne Konzert im September geben!

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Krachkeks-Kolumne Folge 48 "Mando Diao auf 1"



Lange habe ich überlegt, ob ich tatsächlich in dieser Kolumne über eine singulare Band herziehen soll oder ob das nicht zu billig wäre und eigentlich eher zu den Plattenkritiken gehört. Da es mir aber bestimmt nicht nur um ihr neues Album geht und das neue Album auf Platz 1 der Charts eingestiegen ist, scheint diese schwedische Band bei vielen Leuten eine gewisse Relevanz zu haben.

Dass ich kein Freund von Mando Diao bin, wird hier nicht überraschen und wird sich durch die kommenden Zeilen gewiss nicht leugnen lassen. Quantität steht bei den Schweden schon lange im Vordergrund und so stehen sie mit dem fünften Album in fünf Jahren nun auf dem Zenith ihres Erfolges, den ich ihnen hier nur teilweise neiden möchte, denn zum einen ist das neue Album gar nicht mal nur schlecht und zum anderen gibt es vieles auf Platz 1 der deutschen Charts, was im Zweifel noch viel schlechter ist.

Komisch ist nur, dass Mando Diao in genau drei Ländern Erfolg haben und obwohl sie in England und USA schon wirklich alles probiert haben, will da keiner etwas von ihnen wissen. Die drei Länder, in denen es klappt, heißen überraschender Weise Schweden, Deutschland und Japan, wobei letzteres Land ja eh nur das adaptiert, was Europäer musikalisch vorkauen. Da stellt sich die Frage, was diese drei Länder in einer Band sehen, die nicht nur wie ein Plagiat aus den 60er und 70er aussieht, sondern wie man dem neuen Album “Give Me Fire” (schon der Albumtitel…) anhört, auch genau so klingt. Dabei sind sie musikalisch gar nicht mal eine schlechte Kopie und wie wir wissen kommt man mit Eigenständigkeit eh nie auf Platz 1 der Charts und immerhin gibt der Erfolg einem doch recht, oder?

Kommerziell gesehen vielleicht schon, aber ich finde es unglaublich, dass man nach fünf Alben noch immer keinen künstlerischen Anspruch an den Tag legen möchte/kann und diesen vielleicht sogar verweigert, was dann schon wieder originell wäre, aber dem Intellekt der fünf Schweden bestimmt nicht so ganz entspricht. Wir Deutschen ticken ja auch recht einfach, was Musik angeht und finden Schweden immer sympathisch, auch wenn sie eine große Schnauze haben und sich entsprechend kleiden. Stelle sich einer doch mal vor, Mando Diao wären gar keine Schweden, sondern Deutsche….

Nun darf man ihnen aber ein gewisses Durchhaltevermögen und das Gespür für das deutsche Volk attestieren und dieses ist ja nicht wirklich für Innovationen bekannt, schon gar nicht in der Musik oder im Musikgeschmack, weswegen wir ja meistens das toll finden, was in anderen Ländern schon erfolgreich ist, d.h. eigentlich sidn wir da auch nicht besser als die Japaner. Kann man den Majors wie EMI, das alte Label der Band, oder Universal aus meiner Sicht denn einen Vorwurf machen, dass sie die schreckliche Single ‘Dance With Somebody’ der Band nicht gleich um die Ohren gehauen haben?

Natürlich nicht, denn aus ihrer wirtschaftlichen Sicht kann der Erfolg kaum genug gefeiert werden, denn so mir nichts dir nichts mal eben beim 5. Album den ersten wirklichen Single-Hit der Band zu kreieren, ist aller Ehren wert und einem Major geht es nicht darum, qualitativ hochwertige Musik in einer Kleinstnische zu vermarkten.

Für mich bleiben Mando Diao eine höchst durchschnittliche, wenig authentische Kapelle, die sich vier Jahre lang angeguckt hat, wie das deutsche Volk so tickt, um ihnen dann mit ‘Dance With Somebody’ den banalen Durchschnitt quasi auf den Leib zu schneidern und das ist ihnen immerhin gelungen!

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Krachkeks-Kolumne Folge 47 "aufregen"



Nun ist der letzte Krach nun auch schon eine ganze Weile verraucht, der Thailand-Urlaub liegt hinter und mein Musik-Trip in die USA vor mir und ihr braucht keine Angst zu haben, dass ich lange suchen müsste, um wieder etwas zu finden, über das ich mich aufregen und hier auslassen könnte…

Wobei ich mich gerade frage, ob es sich denn überhaupt lohnt, sich noch über die hiesige Musikszene oder Musik generell aufzuregen. Braucht irgendjemand einen Verriss über des diesjährigen “Bundesvision Song Contests”? Wohl kaum, wenn ein Pseudo-Skandal drumherum für mehr Schlagzeilen sorgt als die meist wirklich üblen Darbietungen, von denen ich Peter Fox hier natürlich ausnehmen möchte.

Vielmehr rege ich mich diesmal darüber auf, dass sich kaum noch jemand aufregt und sich vielmehr seinem Schicksal ergibt und so das Phänomen der Angst vor dem Auffallen um sich zu schlagen scheint. Irgendwie ist es doch aber sehr langweilig, sich nicht mehr aufzuregen, genauso langweilig wie die neuen Alben von Franz Ferdinand und Mando Diao zum Beispiel. Meine Frau hat zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch ich irgendwann in mir selbst ruhen werde, aber will ich das denn überhaupt?

Klar mag das sich aufregen in meinem Leben eine etwas zu dominante Rolle spielen und ich sehe ein, dass es Bereiche gibt, in denen sich aufregen noch sinnloser ausnimmt als in anderen Bereichen, denn sich im Autoverkehr wie ein Irrer zu gebaren, ist halt nicht wirklich schlau und möchte ich auch abstellen. Zur Zeit bin ich so gut wie geheilt, auch wenn es damit zusammen hängen mag, dass ich gerade so gut wie gar nicht mehr Auto fahre.

Trotzdem möchte ich mich über Fussball, Politik oder halt Musik weiter aufregen können und dürfen, denn wer braucht schon Abende im Kreis von Freunden, die alle lieb zu einander sind? Ich möchte keine netten Abende haben. Ich möchte mich aber auch nicht jeden Abend streiten und krampfhaft provozieren – darum geht es nicht, auch wenn es oft Spaß macht, einfach mal den Contra-Part zu spielen und bei allem eine gegenteilige Meinung zu vertreten, selbst wenn man die Meinung des anderen teilt. Solltet ihr mal probieren, denn ein langweiliger Abend hat so doch spannende Momente und wenn ihr ohne Harmonie nicht schlafen könnt – ich kann auch mit Harmonie nicht schlafen – könnt ihr dem anderen zum Abschied ja doch noch recht geben.

Ich liebe Abende oder Mittage oder was immer für Tageszeiten, die mich Menschen von einer anderen Seite kennen lernen lassen und ich mich selber im Überraschtsein ertappe, denn diese Augenblicke regen mich wiederum zum Nachdenken an und so geht es bei mir dann von Vision zu Vision, derer ich leider wirklich viele habe, denn Visionen, die nicht umgesetzt werden, nennt man irgendwann zurecht “Hirngespinste” und je weniger man diese umsetzt, um so depressiver wird man natürlich.

Beneide ich vielleicht deswegen Leute, die sich keine Gedanken machen, in sich ruhen, entspannen können und sich im Vermeiden von Konflikten und Diskussionen bequem eingerichtet haben, sich höchstens über materielle Dinge Gedanken machen? Vielleicht ab und zu, denn die Welt mag für diese Menschen einfach weniger komplex, ignorant und stupid erscheinen, aber wer nicht polarisiert, diskutiert oder einfach mal den Kontroversen spielt und sich stundenlang über Träume und Visionen unterhält, wird einfach nie erfahren, was es heißt, Emotionen zu spüren und zu erleben.

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Krachkeks-Kolumne Folge 46 "Nostalgie"



Willkommen im neuen Jahr und da wir alle noch etwas träge und melancholisch sind, lasse ich den Krach auch noch etwas in der Tüte und merke, dass die Jugend mich doch schon sehr lange verlassen hat.

Neulich – ein Wort, das die Jugend sicher gar nicht mehr kennt – hörte ich mir das großartige Hörbuch zu “High Fidelity” (Nick Hornby) gleich zweimal hintereinander an und fühlte mich erneut so, als würde man da die ganze Zeit über mich reden. Das Buch, welches neben “A Long Way Down” sein bestes war, hatte ich vor Urzeiten gelesen und geliebt und wer den Film nicht mindestens einmal im Monat guckt, kann mein Leben nicht nachvollziehen. Ja, wahrlich nostalgische Momente treiben einem die Tränen in die Augen und natürlich war es schon immer mein Traum, genau so einen Plattenladen aufzumachen. Aber selbst dazu braucht man Geld und ein Label ist ja heute genauso brot- und sinnlos, denn die Jugend kauft einfach keine CDs mehr und weiß doch gar nicht, was für haptische Gefühle ihnen entgehen.

Wer kennt sie nicht, diese Erfahrungen, in einem gemütlichen Plattenladen auf der Suche nach Neuem zu sein? Dieser Geruch, diese Liebe in den Regalen, die gesunde Arroganz der Verkäufer, dieses Stöbern nach Emotionen? Nun, diese Art von Plattenläden gibt es hier in Deutschland leider so gut wie gar nicht mehr und inzwischen ist der hiesige Saturn zwar schlecht, aber immer noch besser sortiert als kleine Läden, was mich extrem nervt. Das ist übrigens ein Grund, warum ich mich auch dieses Jahr wieder auf nach Seattle und Portland mache, denn da gibt es diese Läden mit wohlriechenden Holzregalen noch und jedes Mal entdecke ich viel Schönes und Neues, was vielleicht nicht meine Frau, aber mein Herz erfreut.

Diese Wehmut, die mich dann erfasst, kann man wohl Nostalgie nennen und in depressiven Momenten fühlt es sich an wie der Tod, denn diese Momente sind äußerst rar und werden in den nächsten Jahren ganz aussterben, obwohl ich zumindest in meiner Generation – nein, ich bin nicht mehr 15 – vereinzelt den Wunsch nach gemeinsamen Lese- oder Spieleabenden entdecke und das ist ja ebenfalls eine Form von Nostalgie, auch wenn den Büchern und Brettspielen wohl noch eine längere Lebenszeit beschieden ist als den Tonträgern.

Kleiner Rückblick zu “High Fidelity”: Klar mag meine Frau den Film bzw. das Hörbuch auch gerne – sie liebt mich ja schließlich – aber oft muss ich den Film dann doch alleine gucken, da sie dieses Monatsritual einfach verweigert. Ich sage ihr dann immer, dass wenn meine Uraltfreunde, mit denen man ja bis auf diese Uraltfreundschaft meist nur noch wenige gemeinsame Leidenschaften teilt, sie mal fragen, wie sich der Jörg so entwickeln konnte, schenke ihnen einfach “High Fidelity” und vielleicht verstehen sie mich und mein Leben dann besser.

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