Krachkeks-Kolumne Folge 55 "Festivals"
veröffentlicht am 8. Juni 2011 von Jörg
Heute nehme ich mich einem Thema an, das vielen von euch da draußen sehr, sehr wichtig zu sein scheint, denn sonst würde es in Deutschland wohl kaum zwischen 350-400 Festivals geben. Natürlich sind diese unterschiedlichster Natur und darum möchte ich vorab schon mal sagen, dass viele meinen absoluten Respekt verdienen, u.a. seien hier exemplarisch das Haldern Pop-, Immergut- sowie Orange Blossom Festival erwähnt, bei denen die Liebe zur Musik im Vordergrund steht, auch wenn die genannte Auswahl etwas subjektiv ausfallen mag.
Was suchen all die Leute aber bei den Mega-Festivals wie “Rotz am Ring/Rotz im Park”, “Harry Can/Zauszide” und Konsorten? Und warum haben normale Konzerte immer mehr Probleme Publikum zu ziehen? Fakt ist, dass die Festivalbesucher mit diesem etwas anderes verbinden als mit einem “normalen” Konzert, denn dieses findet ja nur an einem Abend statt und meistens muss man den nächsten Tag wieder zur Arbeit. Anders bei einem Festival, denn darauf freut man sich das ganze Jahr und kann sich den alternativen Mallorca-Kurztrip zum Ballermann sparen. Denn schließlich steht an Nummer 1 der Freizeitbeschäftigung “etwas mit Freunden unternehmen” und was bietet sich da besser an als ein Festival, wo man säuft bis man nicht mehr steht, versucht, den Weg zum Zelt zu finden und bei Sonnenaufgang kurz mal dem Nachbarn aufs Zelt kotzt?
Klar mag das Wetter auf Mallorca besser sein, aber da hat man dann selten so viele Freunde und Gleichgesinnte um sich und kann nebenbei nur “Aprez Ski Musik” hören, wohingegen die großen Festivals auch immer ein paar gute Mitgröhlbands am Start haben, so man denn in all dem “mit Freunde saufen” überhaupt Zeit & Kopf findet, um zur richtigen Zeit an einer der vielen Bühnen zu sein. Außerdem zahlt man pro Band nicht mal 2 €, wenn man von 80 Bands und 150 € wie bei genannten Festivals ausgeht, und zu dem Preis, so ein oft gehörtes Argument, kann ich mir die Bands ja nie auf einem normalen Konzert anschauen – Geiz ist halt geil, oder?
Klar haben diese Mega-Events auch tolle Eigenschaften, denn als Manager einer sehr großen Band verdiene ich hier ein Heidengeld, ohne den Aufwand einer eigenen Show zu haben und da es nur noch etwa 10 Headliner für die gigantischen Festivals gibt, ist eine Gage von 1 Mio. € und mehr schon mitzunehmen. Auch wird immer wieder der Aspekt genannt, dass auch kleinere Bands sich auf einem Festival neues Publikum erspielen können. Das kann auch stimmen, aber einen Slot mittags, wenn der Mob im Zelt seinen Rausch auschläft, auf eine der kleineren Bühnen, kann auch dazu führen, dass man vor 30 Leuten spielt. Vielleicht für die Vita einer Band trotzdem gut, dass man mal Rotz am Ring gespielt hat…
Versteht mich nicht falsch, auch ich gehe gerne auf Festivals und das trotz meines fortgeschrittenen Alters von 41 Jahren, und auch ich trinke ganz gerne mal ein paar Bierchen zur Entspannung, aber ich interessiere mich auch für die Bands und Künstler und mir geht es nicht darum, den Event des Jahres zu erleben, sondern tolle Musik in einer möglichst, so das bei einem größeren Festival überhaupt geht, entspannten Atmosphäre zu erleben.
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Krachkeks-Kolumne Folge 54 "musikexpress."
veröffentlicht am 15. Mai 2011 von Jörg
Was gibt es schlimmeres als alternde Männer, die “hip” sein wollen? Zugegeben, ich bin nun auch bereits 41 Jahre alt, aber im Gegensatz zu fast der gesamten Redaktion oben genannten Magazins, möchte ich nicht hip sein, weil es doch viel zu anstrengend wäre und ich ja zum Glück auch kein Magazin verkaufen muss. Die Herren des musikexpress. (schon beim Logo mit dem Punkt am Ende könnte ich kotzen!) dagegen schon, denn als Teil des bösen Axel Springer Verlages haben sie nun mal die Aufgabe, die im Gegensatz zum viel besseren Rolling Stone jüngere Zielgruppe zu erreichen und da man sich dazu nicht die “Szene” ins Haus holen wollte, musste man aus diesen alten Herren halt Szene machen.
Klar kann man mit dem neumodischen Layout und der üblichen Modestrecke à la Intro (siehe vorherige Kolumne…) schon ein bisschen in der Verjüngung erreichen, aber es mussten auch redaktionelle Veränderungen her und warum nicht einfach den Rezensionenmann Koch nur noch schlechten Elektro gut finden lassen, denn somit ist meistens auch das “Album des Monats” in hipper Hand, und einen Herrn zum Chefredakteur machen, der nicht annähernd in Verdacht geraten kann einen guten Musikgeschmack zu haben, denn erstens ist er mit “DJ-Legende” Paul van Dyk befreundet und zweitens für Magazine wie Max und Park Avenue tätig gewesen und zuletzt als Chefredakteur mit der deutschen Vanity Fair baden gegangen. Nun packt man noch Lady Gaga aufs Cover und fertig ist die neue “Hipness” im deutschen Musikmagazine-Markt.
Diesmal haben sie dann noch einen freien Redakteur zum SXSW-Festival nach Austin geschickt, der wohl zum ersten mal die USA besuchen durfte und sich erstmal zeilenlang darüber auslassen muss, dass es doch unfair ist, ohne ID nicht in einen bestimmten Club gelassen zu werden – guten morgen lieber Eric Pfeil, aber auch wenn diese Regel, neben vielen anderen in den USA, natürlich Schwachsinn ist, so solltest du daran auch für evtl. Besuche in L.A., Seattle oder New York denken und Sprüche wie “das war aber auch in anderen Clubs kein Problem” einfach sein lassen.
Wie passt dann aber das Nachlaufen von pseudo-hippen Kids damit zusammen, dass er gar keine neuen Bands entdecken möchte, sondern dem Mob zu The Strokes, Bright Eyes und Konsorten folgt und seinen 3-seitigen (!) Artikel von noch älteren Helden als der Redakteur wie J Mascis, Roky Erickson und Edwyn Collins dominieren lässt.
Also, lieber musikexpress. tut uns doch alle einen Gefallen und biedert euch nicht dermaßen einer Zielgruppe an, die es zum einen mit dem Lesen von Musikmagazinen eh nicht so hat und euch zwecks mangelnder authentizität nur auslachen würde.
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Krachkeks-Kolumne Folge 53 "Intro - Outro"
veröffentlicht am 17. April 2011 von Jörg
OK, dass Gratismagazine selten mit journalistischem Anspruch in Verbindung gebracht werden, ist nicht neu und liegt u.a. daran, dass 90 % der Schreiberlinge aus sogenannten “freien” bestehen und Glück haben, wenn sie den Tonträger, so sie denn einen bekommen, behalten dürfen. Dass sich diese in ihrer Findungsphase befindenen Jungspunde daher vielleicht nicht immer die größte Mühe geben, mag man in einer Umsonstgesellschaft nur zu gut verstehen.
Aber Anlass dieser Kolumne ist das aktuelle Intro und natürlich kann man darüber streiten, ob dieses so viele Zeilen überhaupt wert ist und warum gerade das Intro so viel Fett abbekommt, denn dass Modestrecken und Kolumnen, die rein gar nichts mehr mit Musik zu tun haben, inflationär auftreten, sehen wir auch beim Musikexpress und Uncle Sally’s – weniger (Worte) scheint also überall mehr zu sein. Nur feiert das Intro gerade sein 20-jähriges, was wirklich beachtlich ist, und hat dazu Techno auf dem Titel. Klar hatte das Intro immer wenig für elektrische und viel für elektronische Musik übrig gehabt, aber einen toten “Musikstil” auf den Titel zu hieven, um einen vermeintlich neuen Techno-Trend zu erkennen ist mehr als fragwürdig. Schön, dass sie dann noch einen billigen “Smiley”-Sticker im Heft haben, der uns wissen lässt, dass die B-Städte Köln und Frankfurt das Intro lieben – ich könnte kotzen!
Klar steht für ein Umsonstmagazin das Verkaufen von Anzeigen im Vordergrund und wer eine platziert, bekommt natürlich auch einen kleinen Bericht im Gegenzug wie aktuell z.B. Lenz (!). Wer möchte, kann sich auch gleich in die Redaktionscharts einkaufen, denn dem neuen Intro-Motto “wir sind käuflich” kann man bei einem Gratismagazin eine gewisse Selbstironie nicht absprechen, oder?
Bei “Platten vor Gericht” kann man immerhin mal kurz schmunzeln, denn zum aufregen reicht es da leider nicht und dass sie sich für die Genres, die sie nicht verstehen, aber auch abhandeln müssen, ausgerechnet William Fitzsimmons (Singer/Songwriter) und The Kills (Indie-Rock) aussuchen, ist nicht überraschend. Wenn ich mich auch frage, was der werte Chefredakteur denn jedes Jahr bei “meinem” Festival, dem SXSW in Austin, zu suchen hat, aber wahrscheinlich säuft er sich von Markenartiklern, die Anzeigen schalten, bezahlt einfach nur die Hucke voll und das Hirn weg – PROST!
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Krachkeks-Kolumne Folge 52 "Asche zu Asche"
veröffentlicht am 17. Mai 2010 von Jörg
Man mag das irische Trio ASH für schlau halten, denn zum einen machen sie gerade nach längerer medialer Auszeit mal wieder von sich reden, zum anderen ist Asche ja gerade nicht nur am Himmel, sondern auch in aller Munde, aber der Reihe nach oder so.
Mit wenigen Ausnahmen ihrer “Frühphase” waren Ash schon immer recht belanglos, was sie inzwischen auch eingestanden haben, denn jetzt stellen sie zumindest nicht mehr ihre Musik in den Vordergrund, sondern ein ganz tolles, neues Konzept. Dies sieht so aus, dass “Fans” alle zwei Wochen einen neuen Song (!) der Band digital erwerben können, da der physische Tonträger ja vom Aussterben bedroht sei. Klar kann man dieser Herangehensweise eine halbwahre Tendenz entnehmen, aber dass sie diesen Schritt aus der Not gehen, dass sie ihr Label vor die Tür gesetzt hat, könnte man der Ehrlichkeit halber zumindest erwähnen. Sei’s drum!
Das Problem ist nur, dass hier so gut wie niemand mitbekommen hat, dass es diese neue tolle Idee von Ash gibt und so veröffentlichen sie nun 13 dieser Singles auf CD, d.h. PHYSISCH, und über ihr eigenes Label…..
Natürlich mahlen die Mühlen der Musikjournaille wie eh und je und sind sich nicht zu dumm, dieses “neue” Werk zu renzensieren, die Band zu interviewen und sich ihr tolles Konzept erklären zu lassen, dass sie gerade selbst ad absurdum geführt haben, was der Presse nicht so ganz aufzufallen scheint, obwohl es doch platter gar nicht geht. Da das Album, dass es ja gar nicht sein soll, “A-Z Vol.1” tituliert ist, lässt erahnen, dass da ein weiterer belangloser Ausguss ihres untalentierten Schaffens auf uns wartet.
Für wie dumm kann man sein Restpublikum eigentlich noch verkaufen? Na ja, zu dumm denn wohl doch nicht, denn immerhin haben sie aus Teileinsicht immerhin die Tour abgesagt!
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Krachkeks-Kolumne Folge 51 "The XX"
veröffentlicht am 15. Januar 2010 von Jörg
Natürlich ist es nie ganz fair, über einzelne Bands zu lästern und darum soll das Lästern am Anfang des neuen Jahrzehnts auch nicht so böse ausfallen. Das hat die Band dann nun auch wieder nicht verdient, zeigt dieses Beispiel doch auch, dass die Hype-Maschine noch lange nicht tot ist.
Zunächst muss ich dann hiermit auch einräumen, dass ich ein Opfer dieser Hype-Maschine geworden bin, denn ich habe mir das Debüt von The XX gerade vor wenige Wochen erst gekauft. Warum? Zum Beispiel, weil es in fast jedem Jahresend-Poll als DAS Album des Jahres gefeiert wurde und ich die Band vorher nur dem Namen nach wahrgenommen habe, da scheinbar noch nicht alle Lobeshymnen zu mir durchkamen.
Nun dachte ich in meiner fast 40-jährigen Naivität, dass doch nicht alle Musikliebhaber falsch liegen können, wenn sie eine Band derart loben. Klar, “naiv” klingt in diesem Zusammenhang fast noch zu lieb und beim Impulskauf tat das schön reduzierte Cover auch ein übriges.
Voller Erwartung ging es dann nach Hause und das Album gleich in den Player. Einmal gehört, ein zweites Mal und ein drittes Mal und was soll ich sagen – es passierte NICHTS!
Keine Angst, dies wird jetzt nicht die ungerechte Litanei über ein schlechtes Album, denn es ist beileibe nicht schlecht, nur ist es recht nett und belanglos. Der Vorteil von Alben, die nett und belanglos sind, liegt immerhin auf der Hand, denn man kann sich diese kaum überhören, da sie nicht hängen bleiben und auch nicht wehtun und genau das ist es, was die Leute heute wohl so wollen – dass ihnen keiner wehtut!
Ich bin da aber anders, denn ich erwarte von einem derart hochgelobten Album, dass es mich irgendwo emotional berührt und genau das tut es keine einzige Minute. Wie in meiner Bestenliste 2009 schon erwähnt, gab es nicht sehr viele Alben, die mich emotional berührt haben, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass das 2010 besser wird und höre voller Melancholie gerade das neue EELS-Album “End Times”. (Young Turks)
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