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Veröffentlichung: 11.11.2011


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Die besten Alben des Jahres!



So, es ist wieder soweit, meine “besten Alben des Jahres” zu verkünden, in der Hoffnung, dass es den einen oder anderen interessieren mag. Wenn ich mich recht erinnere, fiel es mir im letzten Jahr schon nicht leicht und ich beschrieb 2010 als ein durchschnittliches Musikjahr. Dies als Maßstab genommen, gilt das noch viel mehr für das Jahr 2011, denn ich habe ewig gebraucht, um mich für meine Bestenliste zu entscheiden und so sind hier 3-4 Alben gelandet, die ich in einem wirklich starken Jahr sicher nicht dabei gehabt hätte.

Natürlich sind die neuen Alben der Fleet Foxes oder der Black Keys zum Beispiel ziemlich klasse, aber leider können sie auch nicht wirklich mit den jeweiligen Vorgängern mithalten.

Sei es drum, immerhin sind dann doch noch 11 Alben zustande gekommen, die ich durchaus empfehlen kann, auch wenn drei dieser (Middle Brother, Typhoon, The Lonely Forest) bei uns noch nicht mal offiziell erschienen sind, welch Frevel!

Wie immer lasse ich mir ein bisschen Statistik nicht nehmen: 9 der 11 Alben stammen von amerikanischen Bands – übrigens “nur” 4 aus dem von mir doch so geliebten Nordwesten der USA – Ausnahmen bilden die Turtles (Deutschland) und natürlich die gute Frau Harvey. Zwei befinden sich auf einem Major-Label, d.h. “support the indies” hätte wieder groß geschrieben werden können. Es hat endlich mal wieder eine Frau mit einem Album geschafft, der Verfasser dieser Zeilen hat mit La Dispute auch mal wieder etwas härteres zu würdigen gewusst, es fehlt ein reines Singer/Songwriter-Album in dieser Liste und wie schon erwähnt, kommen die Europäer dieses Jahr noch kürzer.

So, hier nun endlich die Liste, wie immer in alphabetischer Reihenfolge und natürlich freue ich mich immer über Kommentare:

Black Keys, The – El Camino
Felice Brothers, The – Celebration. Florida
Fleet Foxes – Helplessness Blues
PJ Harvey – Let England Shake
La Dispute – Wildlife
The Lonely Forest – Arrows
Middle Brother – Middle Brother
Mister Heavenly – Out Of Love
Talking To Turtles – Oh, The Good Life
Typhoon – Hunger And Thirst
Waters – Out In The Light

Übrigens werde ich diese Alben dann natürlich in meiner nächsten “About Songs”-Sendung, am 11.01. um 23 Uhr, wieder auf www.byte.fm nochmals entsprechend würdigen.

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Wilco - The Whole Love



Was sind eigentlich sogenannte “Konsens-Bands”? Bands, die über jeden vermeintlichen Zweifel erhaben sind? Bands, denen der Erfolg recht gibt? Bands, über die ein Kritiker kein kritisches Wort zu schreiben sich traut?

Fakt ist, dass Wilco neben Radiohead zu den Konsens-Bands der letzten Jahre zählen, denn kritische Stimmen wird man mit der Lupe suchen müssen und jedes neue Album dieser Bands wird mit noch mehr Superlativen hochgelobt. Zugegeben, auch ich finde, dass “Ok Computer” ein ziemlich gutes Album ist, aber dieses liegt nun auch schon 14 Jahre hinter uns, aber die Behauptung, dass Radiohead seit diesem nichts Besseres mehr geschaffen haben, würde mich wohl an den Pranger stellen.

Nun also das neue Werk von Wilco, einer Band, deren “Hype” ich noch weniger nachvollziehen kann als den zu Radiohead…..und das obwohl ich ja schon ein paar Jahre bei dem von ihnen so verhassten Major verbracht habe. Bei “The Whole Love” geht es mir wie bei anderen Wilco-Alben auch. Weniges ist wirklich schlecht, aber auch weniges lässt mich mit Superlativen nur so um mich schmeißen. Wenn ich dann noch die ganzen Superkritiken in der üblichen Branchenpresse lese, wird mir fast schlecht und man wird das Gefühl nicht los, dass der arme Jeff Tweedy, der wirklich einen guten und trockenen Humor hat, hier als eine Art Guru verehrt wird. Das mag er nicht, aber alle mögen seine Musik….

“The Whole Love” ist ein grundsolides Wilco-Album im besten Sinne, d.h. wer Wilco liebt, wird auch dieses Album lieben, wer Wilco nicht ganz so doll mag, wird sie auch mit diesem Album nicht lieben lernen. Fakt ist, dass sie immer mehr wie in den “guten alten” 70er Jahren klingen und genau da wurden ja die meisten Wilco-Fans geboren. Das Songwriting ist erneut präzise und solide, aber es gibt halt auch noch immer keine Songs, bei denen man Gänsehaut bekommt oder weinen könnte und das erklärt auch, warum ich kein großer Wilco-Fan bin, denn mich MUSS Musik emotional berühren, aber soweit möchte Jeff Tweedy leider nicht gehen, weil er einfach von sich noch mehr preisgeben müsste und dafür ist er einfach nicht der Typ, da er eher dazu neigt, eine gewisse Distanz zu wahren und das höre ich seiner Musik auch immer wieder an.

Innerhalb der Rolling Stone – Redaktion gibt es zu jedem neuen Wilco-Album übrigens die Diskussion, die Band bzw. Jeff Tweedy endlich mit dem Cover zu ehren und irgendwie passt es da ins Bild, dass sie sich nun zu “The Whole Love” dazu durchringen konnten, allerdings nur für die Abonennten-Ausgabe und dieses “auf Nummer sicher gehen” ist ähnlich halbherzig wie die Musik der Band. (Anti)

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Middle Brother - Middle Brother



Vielleicht mag es dem einen oder anderen etwas vorschnell erscheinen, aber wenn es um die “Alben des Jahres” geht, zählt das von Middle Brother auf jeden Fall dazu. Bevor das Schwelgen los geht, sei zunächst der kleine Wehrmutstropfen erwähnt, denn leider ist dieses bei uns nicht erschienen und somit nur auf dem Importwege erhätlich, aber es lohnt sich!

Middle Brother ist so eine Art “Indie-Country-All-Star-Band” bestehend aus den drei Köpfen/Sängern John McCauley (DEER TICK), Taylor Goldsmith (DAWES) und Matthew Vasquez (DELTA SPIRIT). Wenn drei großartige Songwriter der neueren amerikanischen Folk-Country-Schule zusammen finden, muss das nicht gleich großartig sein, aber ihr Projekt Middle Brother zeigt bravourös, was uns Europäern musikalisch so sehr fehlt: emotionale, aus tiefstem Herzen entstandene und mit unglaublicher Intensität gesungene SONGS!

‘Daydreaming’ von John McCauley macht den Anfang und wenn mich Deer Tick live nie so recht überzeugen wollen, was vor allem am Alkohol gelegen haben mag, so ist sein Gesang einfach mal richtig dreckig und schön und schön dreckig. Das dem nicht nach stehende ‘Blue Eyes’ ist dann dem Frauenschwarm Matthew Vasquez vorbehalten, bevor Goldsmith zum ersten Mal reüssiert und trotz dem er nicht das Stimmvolumen der ersten beiden haben mag, seine eigene Art in wohltuender Weise beisteuert.

Der melancholische Blues von ‘Theater’ und das Paul Westerberg-Cover ‘Portland’ führen uns weiter auf diesem herrlichen Trip, der seine volle Kraft bei den von mir so sehr geliebten Nachmittagsbieren in der Sonne am prachtvollsten entfaltet. Natürlich handeln die Songs von enttäuschter und betrogener Liebe – “this live won’t tell you nothing, nothing but lies” – sowie den dunklen Seiten des Lebens und vielleicht mag ich die Musik so sehr, weil mein Leben doch etwas anders ist und ich gerne ein Stück vom Blueskuchen haben möchte…

‘Wilderness’ ist auch so ein Song, der fast leicht und beschwingt daherkommt, aber neben dem in anderer Form ebenfalls auf dem Dawes-Album enthaltenen ‘Million Dollar Bill’ die Höhepunkte von Taylor Goldsmith darstellen. Was rede ich nur?
Der größte Moment des Mr. Goldsmith heisst ‘Blood And Guts’ und zeigt was in diesem Mann steckt, auch wenn er die wenigsten Starallüren der drei mit sich trägt.

Davor steht aber noch ‘Someday’. wieder einer der ganz großen, dem Mainstream gar nicht so abgeneigten, Momente zu denen Matthew Vasquez fähig ist. Wer seine Band Delta Spirit nicht kennt, sollte sich umgehend das Debüt zulegen. ‘Mom And Dad’ gibt dann kurz vor Schluß noch einen Einblick in das Familienleben des Deer Tick-Sängers, der nicht nur das Reibeisen kann.

Leider gibt es mit ‘Middle Brother’ und ‘Me, Me, Me’ zwei verzichtbare Honky Tonk Songs, die eines der schönsten Alben des Jahres ein ganz kleines bisschen weniger herrlich erstrahlen lassen, aber dass drei so begnadete Songwriter zusammen gefunden haben und gleich 10 wahnsinnige Perlen erschaffen haben, lässt diese Sache zu einem Jammern auf sehr hohem Niveau verkommen. (Partisan Records)

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Bon Iver - Bon Iver



Nach gespanntem Warten ist ja nun vor ein paar Wochen das zweite Bon Iver – Album erschienen und es grenzt schon fast an ein Phänomen, wie viele Lorbeeren über dieses doch recht durchschnittliche Werk ausgeschüttet werden. Waren diese beim Debüt “For Emma, Forever Ago” noch völlig verdient, da es sich sehr wohl um ein sehr schönes und eigenständiges Kleinode handelte, so trifft das fürs Zweitwerk leider nicht zu.

Schon in den Albumtitel mag man mangelnde Kreativität hinein interpretieren und auch wenn einige Kritiker meinen, dass man diesem vor allem anhört, dass es einer Arbeit der gesamten Band entsprang, so ist das entweder der Nachteil oder einfach nicht ganz wahr, denn letztlich ist Bon Iver nun mal Justin Vernon, der sich für das Debüt noch alleine in eine Waldhütte zurück gezogen hat, um seinen Liebeskummer zu verarbeiten.

Da fällt mir folgende Frage ein: Warum ist bei vielen Songwritern die Geschichte den Menschen wichtiger als die Musik? Paradebeispiel ist da auch William Fitzsimmons, den der Mainstreammob euphorisch abfeiert, da seine Geschichte und der Rauschebart nun mal das Markante an ihm sind, die Songs dagegen relativ austauschbar.

Dagegen hat Justin Vernon alias Bon Iver schon viel mehr etwas wie einen eigenen Stil und die Atmosphäre des neuen Albums ist keine kühle, vielmehr strahlt es eine angenehme Schönheit aus und auch die Instrumentierung wie z.B. bei ‘Hinnom, Tx’ ist anders. Positiv lässt sich auch anmerken, dass es homogen ist und nicht nervt, d.h. ein Album, das man sich häufig anhören kann, nur leider bleibt da wenig hängen und genau das ist mein Hauptkritikpunkt: WO SIND DIE SONGS HIN?

Klar mag es nicht schick sein, Bon Iver oder William Fitzsimmons zu kritisieren, vielmehr sollte man sich freuen, dass derartige Musik überhaupt diese Erfolge feiern kann und natürlich lässt sich schwer in Zeilen fassen, warum man den einen Singer/Songwriter lieber mag als den anderen. Das Problem ist nur, dass die wirklich genialen Songwriter weniger ihre Geschichte in den Vordergrund rücken und der Sog der Melancholie oder Niedergeschlagenheit immer stärker wird. (4AD)

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Typhoon - Hunger And Thirst



So, nun muss ich mit Superlativen ein bisschen vorsichtig sein und bevor ich loslege sei kurz auf zwei Makel hingewiesen. Zum einen ist das vorliegende Album bereits im letzten Jahr erschienen, aktuell gibt es aber noch eine EP, zum anderen ist beides nicht in Europa erschienen, sondern nur in den USA, aber da gibt es ja heute Mittel und Wege…

Als ich in diesem Jahr mal wieder in Portland war, empfahl mir ein Kumpel (danke Ezra) diese wunderbare, lokale Band, die ich mir mal anhören sollte. Nicht jeden Tipp lege ich auf die berühmte Goldwaage, aber dieser war und ist Gold wert!

“Hunger And Thirst” heisst besagtes Album von Typhoon und es gibt wirklich nur wenige Alben, die ich großartiger finde. Hier stimmt einfach alles: GROSSE SONGS, TOLLER GESANG, WUNDERSCHÖNE STIMMUNGEN & INSTRUMENTIERUNG – in sich stimmig und Übergänge, bei denen einem der Mund offen stehen bleibt und sich jemand mal so richtig was gedacht hat. Wenn ich sie mal live sehen darf, was hier wohl kaum passieren wird, da Typhoon aus 12+ Mitgliedern besteht, sollten sie das Album am Stück in gleicher Reihenfolge spielen.

‘Starting Over (Bad Habits)’ leitet das Album wunderbar ein und bereitet langsam darauf vor, was da wohl kommen mag. ‘White Liars’ geht mir dann so nah, dass ich jedes Mal Gänsehaut bekomme, die fast das ganze Album anhält und ich kann kaum glauben, was der Gesang von Kyle Morton mit mir macht – “there’s a violence in everyone”. Dieser Mann muss ein Genie sein, denn neben seiner großartigen, warmen, melancholischen und nervtreffenden Stimme, spielt er Gitarre, Bass und Piano und hat alle Songs im Alleingang geschrieben…..

CPR / Claws Pt. 2’ schmiegt sich langsam an und führt in die Weiten der nordwest-amerikanischen Natur und ist ein Beleg dafür, dass Songs von Typhoon aus mehreren Wendungen bestehen, bei denen man sich ab und zu die Frage stellt, wie kommt man darauf. ‘Ghost Train’ fängt dann die exemplarische Vielstimmigkeit von Typhoon wunderbar ein, auch wenn Mortons Stimme über allem steht. Songs wie diese sind typisch für die Band, haben sie doch eine sehr spezielle und schleppende, aber nie träge, Stimmung und dann die geniale Überleitung in das “stürmische” ‘Body Of Love’ – vielleicht tut die kleine “Intermission” zur Hälfte des Albums ganz gut.

‘Happy People’ läutet dann halbsanft die zweite Hälfte ein und vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich die Musik von Typhoon noch nicht wirklich beschrieben habe, aber auch wenn man den einen oder Vergleich finden mag, so möchte ich das nicht, da Typhoon besser sind als alle bekannten Vergleiche – “we can always be happy, can we?”. Allerdings gibt es wenige Alben, bei denen die Bläser eine so tragende Rolle spielen, ohne auch nur annähernd nervig zu sein. ‘Old Haunts, New Cities’ ist dann mal wieder wirklich tief in die Seele schauend, bevor ein Song namens ‘Belly Of The Cavern’ kommt, für das ich kaum Worte finden kann. 7 Minuten, die ein Leben verändern können – wer diesen Song nicht fühlt, fühlt keine Musik – wer bei diesem Song nicht über sein Leben nachdenkt, lebt nicht – wer sagt, dass dieser Song nicht berührt, berührt nicht – wer wissen möchte, wie eine Mini-Oper jenseits der klassichen Musik klingt, ist hier gut aufgehoben. Wie viel Spannungsbogen man in einen Song packen kann, ist hier quasi exemplarisch dargestellt und mich macht es sehr traurig, dass derartige Songs nicht von Europäern geschrieben werden können, da sie zu viel denken und zu wenig fühlen. Noch trauriger macht es mich, dass ich nicht weiß, ob ich diese Band je live erleben darf.

Was soll nach diesem Song noch kommen? Darf nach diesem Song noch etwas kommen? Vielleicht nicht, aber wenn ihr ‘The Sickness Unto Death’ hört, wisst ihr, dass dieser Song das Album “Hunger And Thirst” beenden muss.

Dieses großartige Meisterwerk ist übrigens auf dem Portland-Label Tender Loving Empire erschienen, aber natürlich ist es nicht bloß ein Label, sondern eine Art Community, die auch eine Galerie und Plattenladen beinhaltet und sich zur Aufgabe gemacht hat, lokale Musik und Kunst zu fördern. So sind auch die wunderbaren Loch Lomond Teil dieser Familie.

Einzelne Songs als Höhepunkte heraus zu stellen, wäre fahrlässig, da dieses Album ein einziger Höhepunkt ist und eine der Perlen der Zeit, die es zu entdecken gilt – das Gefühl dieses Albums mit Begeisterung zu beschreiben, wäre untertrieben!
Kennt ihr das, dass es Alben gibt, bei denen man hofft, dass sie nur die Guten entdecken mögen, die paar, die sich wirklich für Musik begeistern, die, die sich vom Mainstream-Mob angewidert in einer anderen Welt bewegen? (Tender Loving Empire)

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