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Veröffentlichung: 22. August


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White Rabbits - It's Frightening



Vielleicht weiß es noch nicht jeder, aber irgendwie wird das Phänomen, dass das zweite Album einer Band oftmals schwächer ist als das Debüt so langsam aber sich zu einer Manie für mich. Natürlich gibt es wohlwollende Beispiele, die die Ausnahme von der Regel sind: Midlakes zweites Werk “The Trials Of Van Occupanther” war ein Geniestreich und Band Of Horses oder Wolf Parade konnten das Niveau des Debüts zumindest halten!

Ich bin nicht der erste, der sich mit dieser häufigen Tatsache beschäftigt und eine der sinnvolleren Erklärungen ist noch immer die, dass eine Band für das Debüt meist auch sehr viel mehr Zeit hat, dieses sogar das Elaborat mehrjährigen Songwritings und Ausprobierens ist, wohingegen die Zeit für den Nachfolger aufgrund von Promotion, Tourneen und einem von außen und/oder innen erzeugten Druck eher begrenzt ist.

Kommen wir nun zum zweiten Alben der NYer White Rabbits, deren Debüt “Fort Nightly” ich geliebt habe und dies sogar so enthusiastisch, dass ich sie unbedingt auf meinem eigenen Bonsai-Label haben wollte, was leider nicht geklappt hat. Hits wie ‘Kid On My Shoulders’, ‘The Plot’ und ‘Tourist Trap’ zeichnen sich durch unglaubliche Dynamik aus und auch wenn zwei Schlagzeuger gerade in Mode sind, so verkommen diese bei den White Rabbits nie zum reinen optischen Selbstzweck.

Leider gibt es mit dem Opener und der ersten Single ‘Percussion Gun’ nur noch einen Song auf dem neuen Album, der in der gleichen Liga wie die Songs des Debüts spielen und das ist nicht nur schade, sondern traurig. Die Instrumentierung ist zwar noch immer spannend, aber leider bleiben die Songs auch nach mehrmaligem Hören auf der Strecke. Jetzt haben sie mit dem Depeche Mode- und Nick Cave-Label Mute richtig Power im Rücken und die Medien, die das Debüt eher ignorierten, setzen zu Jubelstürmen an, aber bei mir hinterlassen sie einen faden Beigeschmack, den ich nicht richtig verarbeiten kann.

Dabei ist es gar nicht mal so, dass “It’s Frightening” selten gehört werden möchte, aber ein gewisser Grad der Banalität wird hier und da überschritten – ich kann nur hoffen, dass es ihren musikalischen Brüdern von Delta Spirit mit ihrem Zweitwerk anders ergeht. (Mute)

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Midlake - The Courage Of Others



Es ist ja nicht immer leicht mit den Erwartungen, die man an eine Band und ihren neuen Output hat und oftmals ist es leider so, dass diese Erwartungen dann enttäuscht werden, was aktuell wieder bei den neuen Alben von Spoon, White Rabbits, Get Well Soon oder auch Windmill dann auch eingetreten ist. Dabei sind das bestimmt keine schlechten Alben, nur hat der Vorgänger eine scheinbar zu große künstlerische Last auf die Schultern der Musiker gelegt.

Diese Befürchtung hatte ich selbstredend auch im Fall Midlake, deren zweites Album “The Trials Of Van Occupanther” zu meinen liebsten der letzten Jahre zählt, auf dem sogar noch Songs den wunderschönen Glanz anderer überstrahlten, was in Zeiten, in denen der Musikkonsument immer mehr einzelnen Songs bzw. Singles huldigt und das Album als solches vom Aussterben bedroht ist, durchaus hilfreich sein kann.

Dass der Nachfolger 3,5 Jahre benötigte und schon im Titel “The Courage Of Others” eine gewisse Unsicherheit erkennen lässt, führte nicht gerade zu weniger Skeptizismus, der allerdings, das sei hier schon erwähnt, völlig fehl am Platze war und mir das erste Album 2010 beschert, das mich in keinster Weise enttäuscht hat und am Jahresende in meiner Bestenliste schon einen Platz sicher hat.

Die Orientierung an längst vergessen geglaubte Musikgenres ist denn auch eine Konstante im Schaffen von Midlake, allerdings finden sich die Haupteinflüsse neben dem Americana der 70er nun vielmehr im englischen Folk der 60er und 70er Jahre und Bands wie Steeleye Span, Fairport Convention, Pentangle oder gar Barclay James Harvest. Dies macht sich sowohl in der Instrumentierung, d.h. keine Keyboards und Wiederentdeckung der Flöte, die sich wie ein roter Faden durch die Songs von Tim Smith zieht, als auch dem warmen, zeitlosen Sound bemerkbar. So könnte “The Courage Of Others” genauso vor 30 Jahren aufgenommen worden sein und doch kann man ihnen irgendwie nicht den Vorwurf reiner Retrogewandheit machen, denn Schönheit und großartige Songs in seltener Homogenität dargebracht können einfach nicht Retro sein, sondern immer irgendwie einem aktuellen Anspruch entspringen.

Diese Homogenität macht es noch schwerer als beim Vorgänger, einzelne Songs herauszustellen, weshalb ich darauf verzichte und es anderen überlasse, denn gerade in heutigen Zeiten, wo dem Album als solches eine Endlichkeit vorausgesagt wird, stimme ich in diesen Kanon des Niedergangs nicht ein und schwöre mit einigem Trotz, dass ich Midlake und ihr neues Werk “The Courage Of Others” immer am Stück hören werde, denn genau so entfaltet es seine einzigartige Magie, die mir wohlige Schauer über den Rücken schickt. (Bella Union)

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Spoon - Transference



Spoon wird von vielen immer als ein tragisches Beispiel beschrieben, dass nach all den Jahren doch endlich mal ein größeres Publikum verdient.
Das ist bestimmt nicht verkehrt, aber dieses Schicksal teilen sie doch wohl mit einigen anderen dutzend Bands. Außerdem lässt ihr Stellenwert in der Heimat USA es immerhin zu, dass sie von der Musik nicht schlecht leben können.

Nun also “Transference” und würde es sich hier um einen Newcomer handeln, so könnte ich jetzt viel Lob über diesen ausschütten – klingt das Album doch rau, erwartungsvoll und zum Teil wohl bewusst anfängerhaft. Bei einer Band, die es seit 15 Jahren gibt, muss die Wertung da aber ein bisschen eingehender erfolgen und etwas anders ausfallen.
Zunächst lässt der Opener ‘Before Destruction’ aufhorchen und lockt ein schon fast auf eine falsche Fährte, denn hier sind alle Spoon-Stärken und ihr ureigener Charme vorhanden. Diesen können sie im weiteren Verlauf des Albums aber leider nur noch bei der ersten Single ‘Written In Reverse’, dem treibend-bluesigen ‘I Saw The Light’ und ‘Got Nuffin’ kompensieren.

Andere Momente sind aber derartig banal und ideenlos geraten, als würden hier alte Demos oder gar die langweiligen Stereophonics (‘Out Go The Lights’) herhalten. Irgendwie schleicht sich ein Gefühl ein, dass die Band um den immer noch schön brüchig singenden Britt Daniel es selber am besten weiß, dass “Gimme Fiction” (2005) ihren musikalischen Höhepunkt darstellte und diese Einsicht führt im Falle “Transference” zum weitermachen, aber sicher nicht zu einem neuen Meisterwerk. (Anti)

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Get Well Soon - Vexations



Nach allen berechtigten Erfolgen und Lorbeeren das Debüt-Album “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” betreffend, geht es nun zu dem meist so schweren Nachfolgewerk. Warum dafür das etwas antiquierte englische Wort für Ärgernisse “Vexations” herhalten soll, entzieht sich meiner Kenntnis, aber vielleicht bringt ein gewisser Erfolg diese ja auch mit. Belassen wir es mit Spekulationen und wenden uns diesem einfach zu.

Ganz so einfach ist das Zuwenden dann aber nicht, denn habe ich bei dem Debüt das Intro noch als passend gelobt, so ist es hier schlicht nichtig und da mit ‘Seneca’s Silence’ und ‘We Are Free’ eher Durchschnittliches folgt, scheinen meine Zweifel nicht unberechtigt gewesen zu sein. Klar sind Get Well Soon hier über jeden künstlerischen Zweifel erhaben und “Vexations” ist zum Glück wieder ein Album, mit dem man sich länger auseinander setzen muss, aber bei aller textlichen und instrumentalen Qualität bleiben große Songs nur zu oft auf der Strecke.

Es mag etwas komisch klingen, aber für mich beginnt das Album erst so richtig mit ‘A Voice In The Louvre’, dem perfekten Einstieg in ein großes Album. Tragisch und melancholisch und doch Großes versprechend – diesen Attributen setzt das düsterste Stück ‘That Love’ wohl die dornige Krone auf und läutet gleichzeitig die Höhepunkte des Albums ein.

‘Aureate’ heisst dieser und erschlägt einen mit genau dem orchestralen Mut, der Get Well Soon gut tut – und die Drums klingen wirklich toll, wenn ich das mal so dahersagen darf. ‘We Are Ghosts’ schließt sich dem nahtlos an, treibt jedem halbwegs vernünftigen Musikfan an und ein Lächeln auf die Lippen und stellt doch Fragen: “Are We Human Or Are We Dynamite?” – vielleicht die Hymne für Atheisten – endet dieser Song doch mit der Feststellung “God Is Dead”.
Schöne Kopfbilder bietet ‘A Burial At Sea’ und wer sich jetzt sagt, dass die Musik von Get Well Soon prädestiniert ist für diverse wunderbare Filme, dem sei der Hinweis gegeben, dass es das Album auch in einer limitierten Buchfassung mit Bonus-CD “Songs For/From Films” gibt, die noch mal 8 Titel beinhaltet, u.a. ‘Busy Hope’ und ‘Good Friday’ die man schon vom Soundtrack zu “Palermo Shooting” kennt, und das David Bowie – Cover ‘I’m Deranged’.

Zurück zum eigentlichen Album, denn wir nähern uns dem Ende mit dem im positiven Sinne recht poppigen ‘Angry Young Man’, was wohl auch die erste Single ist, um “Vexations” mit dem Quasi-Opus ‘We Are The Roman Empire’ verklingen zu lassen. Schon selten, dass ich bei einem Album eine Hälfte um Längen besser finde als die andere, aber hier ist dem so und darüber habe ich mir jetzt lange genug den geschwollenen Kopf zerbrochen…

Konstantin Gropper alias Get Well Soon möchte manches Mal noch immer zu viel und wurde mit seiner ernsten Unlockerheit zum Freund aller Feuilletonisten, trotzdem ist seine Verkopfheit mehr als authentisch und steht ihm doch etwas im Wege, denn mit einer kleinen Prise amerikanischer Unbedarftheit das Songwriting betreffend kann das dritte Album zu seinem musikalisch größten Werk werden – die Luft ist noch da. (City Slang)

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Die besten Alben des Jahres!



Es ist wieder soweit – das Jahr nähert sich dem Ende und natürlich schmeißen alle wieder mit Bestenlisten um sich. Da möchte ich natürlich nicht zurückstehen und euch meine “Alben des Jahres” nicht vorenthalten. Waren es im letzten Jahr noch 15 (!), so ist es in diesem Jahr nicht ganz so reichhaltig und es fällt mir nicht schwer, nur 12 Alben ins Rennen zu schicken, denn 2009 wird für mich sicher nicht als das Jahr unglaublich vieler, toller Platten in die Musikgeschichte eingehen.

Wie immer lasse ich mir ein bisschen Statistik nicht nehmen: 9 der 12 Alben stammen von amerikanischen Bands & Künstlern, allerdings diesmal lediglich zwei aus meiner Lieblingsregion, dem Nordwesten der USA. 8 von 12 habe ich bereits live gesehen – da war die Quote im letzten Jahr wesentlich besser! – 2 UK-Bands haben es geschafft und ein Schwede.

So, hier nun endlich die Liste, wie immer in alphabetischer Reihenfolge und natürlich freue ich mich immer über Kommentare:

Blind Pilot – Three Rounds And A Sound
Casablancas, Julian – Phrazes For The Young
Grizzly Bear – Veckatimest
Kleinhenz, Björn – B.U.R.M.A.
Low Anthem, The – Oh My God, Charlie Darwin
Manchester Orchestra – Mean Everything To Nothing
Margot & The Nuclear So And So’s – Not Animal
Monsters Of Folk – Monsters Of Folk
Mt. St. Helens Vietnam Band – Mt. St. Helens Vietnam Band
Mumford & Sons – Sigh No More
Sea Wolf – White Water, White Bloom
White Lies – To Lose My Life

Übrigens könnt ihr morgen um 23 Uhr auf Byte FM – www.byte.fm – dabei sein, wenn ich diese Alben entsprechend mit je einem Song würdigen werde.

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