Charlie Cunningham – Lines

21. April 2017 um 12:07 von Sara | about albums | Kein Kommentar

Mit „Lines“ erschien am 27. Januar 2017 das langersehnte Debüt des britischen Songwriters Charlie Cunningham. Bislang mussten sich seine Fans mit ein paar EPs und diversen Live-Sessions Zufrieden geben. Da gab es „Outside Things“ (2014) mit dem großartig herzzerreißenden ,Lights Off’, „Breather“ (2015) mit dem gleichnamigen Track, dramatisch schön wie eine spanische Sommernacht und „Heights“ (2016) mit ‚While You Were Young’ dem lethargischen Soundtrack einer Generation.

Charlie Cunningham macht Folk – ohne Schnörkel, ohne Bart.
Am klarsten wird einem das live: Wenn der junge, unscheinbare Brite sich auf seinen Hocker setzt und anfängt zu spielen. Ich kannte ihn schon, als er als William Fitzsimmons Support auf die Bühne trat und das Publikum die gewohnte Supportskepsis an den Tag legte. Deshalb wunderte es mich nicht, welche Schockstarre durch den Raum ging, als er auf seine virtuose Art anfing, die Gitarre zu zupfen und seine glockenklare Stimme durch die Verstärker hallte.

Passenderweise trägt der Opener zu seinem Debut „Lines“ den Namen ‚An Opening’ und nimmt uns mit in bedrückte Gitarrenklänge sowie sanft untermalenden Streichern. Behutsam baut sich der Titel auf und kommt zu einem synthetischen Höhepunkt. „To see the whole thing is an opening. A glimpse into the world you try to hide. And you don’t think it’s happening.“ Die Frage, was uns wohl auf „Lines“ erwartet, stellt sich nicht mehr.

Besonders für Charlie Cunninghams Genre ist auch seine Spieltechnik.
Was man in ‚Born’ oder ‚Breather’ ahnt, ist Tatsache: Cunningham lebte eine Zeit in Spanien und lernte in der Flamenco-Hochburg Sevilla einiges an Riffs dazu. Seine Musik wird demnach nicht von üblichen Folk-Größen beeinflusst, sondern dem verstorbenen Großmeister der Flamenco-Gitarre Paco de Lucia sowie anderen bekannten Flamenco-Gitarristen wie Tomatito oder Diego del Morao.

„Lines“ ist ein Sammelsurium bereits veröffentlichter Meisterwerke und neuen Glanzstücken. In der Gänze ist alles trotzdem wahnsinnig stimmig. Da gibt es das fantastische ‚Minimum’, dessen Refrain „Everything a bit though. Tell ‚em what you know. But all that you know, though. The truth be told you need it more than you thought..“ fast wie ein Parlando und die Instrumentierung nahezu belanglos wirkt. Das darauffolgende ‚Answers’ wird dann gänzlich eingenommen von Cunninghams bedeutungsvoller Stimme.
Wenn bei ‚How Much’ das Cello einsetzt, also cirka in Sekunde 7, verlieren die sanft Beseelten unter uns schon kurz den Boden. Von Flamenco-Rhythmen ist hier nichts mehr zu hören. Sie werden abgelöst von überaus melancholischen Klavierpassagen und tiefen, schweren Streichern, begleitet vom Chor seiner Stimme.
‚Molino’ vereint all das. Mahlt leise Melancholie zu heißem Flamenco und bereitet vor auf die puristische Kunst Cunninghams, deepe Texte verdaulich zu verpacken, ein kleines Hors-d’œuvre, ein bedächtiger Seufzer zu den anbahnenden Titeln.

Trotz dessen: Nichts an „Lines“ ist aufgeregt. Die Einzelteile der Musik Cunninghams sind so bedacht verflochten, dass sich das Herz nie schwer anfühlt. Flamenco schmiegt sich an Folk und Synthesizerklänge, die Klavier- und Bläser-Elementen Leichtigkeit schenken. Ein sehr persönliches Album, geprägt von Cunninghams zurückhaltendem, authentischem Naturell.
Am Ende der Platte dürfen wir uns über ein neu gemischtes ‚While You Were Young’ freuen. Ein besseres Ende gäbe es auch nicht.
„It’s too late to go home so just stay. I hope we’ll all be old someday. Time is gonna come when the nights grow long. And you won’t know what’s missing, but you’ll know that it’s gone.“

Keine Kommentare zu “Charlie Cunningham – Lines”

Schreibe einen Kommentar
* Pflichtfeld

All About Songs :

About About Songs

About Radio

About Songs & Books

About Live