BIG THIEF + Katie von Schleicher – Molotow (Hamburg)

27. Oktober 2017 um 14:22 von Maria Kannewitz | about shows | Kein Kommentar

Da meine letzte Praktikumswoche bei DevilDuck Records nun endet, war es umso schöner in dieser Woche ein letztes Konzert in Hamburg zu besuchen.
Sozusagen zum Abschied an die Zeit als Praktikantin bei einem Hamburger Musiklabel.

Ehrlich gesagt, war mir der Name der Band Big Thief tatsächlich noch kein Begriff, geschweige denn der Name des Supports Katie von Schleicher. Doch ich sollte nicht enttäuscht werden. Stattdessen gab mir diese Tatsache bei der Beurteilung des Konzertes einen, wie ich finde, größeren Interpretationsfreiraum. Ich konnte die Musik erleben und mich mit ihr auseinandersetzen, ohne strenge Vergleiche zu vergangenen Konzerten der Künstler oder früheren Veröffentlichungen ziehen zu müssen – so, wie man es wohl automatisch macht, wenn man eine Band oder einen Künstler, dessen musikalische Laufbahn man seit geraumer Zeit verfolgt, auf einem Konzert live erlebt. Natürlich ist vorhandenes Hintergrundwissen niemals verwerflich. Doch wie oft passiert es schon, dass man eine Band, deren Name man erst kürzlich aufgeschnappt hat, wenige Tage später auf einem Konzert (um die Ecke) live sieht? Mir jedenfalls ist das so noch nicht oft passiert.

Umso spannender war es also, die New Yorker Bands Big Thief und Katie von Schleicher auf die Bühne kommen und ihre Musik spielen zu sehen.

Anfangs war ich etwas beunruhigt, dass nur so wenige Leute den Weg zu diesem Clubkonzert im Molotow gefunden hatten, doch ich wurde eines besseren belehrt. Mit etwas Verspätung, weil es Probleme mit der Kasse am Eingang gab, füllte sich nach und nach der Raum bis sich schätzungsweise um die 130 Leute, etwas beengt, den Platz vor der Bühne teilten. Katie von Schleicher als Support, machte mit dem Gitarristen Adam Brisbin den Anfang und verzauberte mich direkt mit der Magie ihres finsteren, eigensinnigen Sounds. Interessant war auch die Weise auf die Katie von Schleicher ihre Songs enden ließ. Anstatt sie langsam und sphärisch auslaufen zu lassen (wie es entsprechend des Genres sicherlich auch passend wäre), endeten die Songs, mitunter fast schon ruckartig auf ihrem Höhepunkt. Wie ich finde, eine gute und überraschende Taktik, um dem Hörer noch einmal die Kraft, die ein Song haben kann, zu vermitteln.

Nach knapp einer Stunde betraten dann Big Thief mit Sängerin Adrianne Lenker die Bühne und nach wenigen Songs war klar: die Intensität mit der Adrianne Lenker ihre persönlichen Erlebnisse lyrisch und musikalisch nach Außen trägt, haut selbst den Hörer in der letzten Reihe vom Barhocker. Nahezu zerbrechlich wirkte sie, als sie ihr Staunen über die Resonanz des Publikums mitteilte. Sinngemäß ließ sie dabei verlauten, wie sehr sie von der Stille, die nach dem Ende jedes Songs eintritt, fasziniert ist und wie dankbar sie für diese (unsere) Reaktion ist. Denn trivialerweise war die Stille kein Ausdruck von Unzufriedenheit, Ablehnung oder eines schlichtweg ätzenden Publikums. Es war ganz klar zu spüren, dass die Leute einfach angetan waren – von dem musikalischen Feingefühl und den ehrlichen (‚Pretty Things‘), mitunter sehr traurigen (‚Shark Smile‘) und aufwühlenden (‚Mythological Beauty‘) Texten. Umso schöner, dass Lenker dieses Verständnis gleich teilte, statt sich davon beirren zu lassen. Das zeigte sich auch an den zwei Zugaben, die Big Thief noch spielten, nachdem beim Verlassen der Bühne ein lang andauender Applaus aufkam.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Abend im Molotow aus vielerlei Hinsicht wirklich lohnenswert war. Ich lernte nicht nur zwei, mir nahezu unbekannte Indie Rock-Bands kennen, ich lernte ihre Musik auch zu schätzen und werde mich zweifelsohne dieser auch in Zukunft weiter bedienen. Ausdrucksstark und fesselnd sind ihre Songs nämlich auch ohne Live-Show.

 

 

 

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