Andy Shauf – Prinzenbar (Hamburg)

6. März 2017 um 13:08 von Saskia Böttjer | about shows | Kein Kommentar

Creative Saskatchewan/ Andy Shauf Facebook

Unprätentiös – aber dennoch mehr als beeindruckend. Es reicht schon, wenn Andy Shauf die Stimme erhebt damit alle gebannt seinen düsteren Geschichten lauschen.

Wo soll ich also mit dem Schwärmen anfangen: vielleicht erst einmal mit dem Künstler selbst, falls er jemandem noch nicht bekannt sein sollte. Andy Shauf ist ein zurückgezogener, sensibler Künstler, der mit seinen Songs eine eigene Welt erschafft. So reich sind nämlich seine geschriebenen Worte, dass sie bereits gelesen an Tiefe beeindrucken. Sein Augenmerk liegt also auf Textverständnis, weshalb er drum herum die Musik legt, so weich wie Watte, doch mitunter auch bedrohlich, eben passend zu seinen häufig hoffnungslosen oder im Fiasko endenden Versen – Freitod nur als Beispiel. Seine erste Sammlung dieser Werte veröffentlichte er bereits 2012 auf „The Bearer of Bad News“ in seinem Heimatland Kanada. Aus Kostengründen spielte er es alleine im Keller seiner Eltern ein – und wenn man sich das Album zu Gute führt, ist man von dem Arrangement beeindruckt, das er da DIY vollbracht hat. Die Klarinette hatte er sich in weniger als zwölf! Monaten selbst beigebracht, die mittlerweile als sein Markenzeichen gilt.

Deshalb hat Shauf sie nun zum Glück auch in sein Live-Seit eingebaut, mit dem er bis heute sein aktuelles Album „The Magician“ bespielt. Gleich zwei Klarinettisten standen gestern am vorderen Rand der Bühne, rechts von Shauf an der Gitarre. Dahinter der Schlagzeuger sowie ein Bassist, der bei den Refrain Harmonien unterstützte.

Nicht nur auf der Bühne hat er also ein wenig aufgefahren, auch davor standen die Besucher eng an eng – das Konzert war ausverkauft. Gut so, denn endlich bekommt Andy Shauf die Anerkennung, die diesem so begabten Künstler gebührt – vor zwei Jahren spielte der Kanadier noch vor „5 people, which was nice“, sagte er gestern. „But this is nice, too“ – bescheidener Mensch wie er ist.

„Nice“ war dann aber untertrieben – die Prinzenbar bot seinem melancholischem Chamber-Pop eine ehrwürdige Kulisse. Leicht beleuchtet, konnte ich Shauf von Beginn an nur gebannt anstarren und zuhören. Seine zurückhaltende Art, das musikalische Können, dazu die sanfte Stimme haben aber nicht nur mich tief berührt. Die Prinzenbar lauschte so gebannt, dass Shauf und Band zwischendurch ein wenig irritiert waren. Der Enttäuschung über die Ansage des finalen Songs folgte dann Jubel, als die ersten Klänge von ‚The Magician‘ ertönten. Kein Wunder, dass nach einem seiner besten Songs der Beifall nach Verlassen der Bühne nicht erlosch, so dass der Wunsch nach einer Zugabe befolgt wurde.

Und was für eine – bereits bei den ersten Klängen des über acht minütigen ‚Wendell Walker‘ kroch mir eine Gänsehaut die Arme hoch. Dieses ergriffene Gefühl hielt bis nach Hause und den darauf folgenden Morgen an. Wer also auf ein Andy Shauf – Konzert geht, darf eben keine gute Laune nebst platten Songs erwarten, sondern hochwertige Kunst die lange wirkt. Dafür steht er ja mittlerweile mit seinem Namen.

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