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„YOUNGBLOODS“ : Lost Name

7. April 2017 um 15:00 von Sara | about blog, Allgemein | Kein Kommentar

Über das Konzept von „About Songs Youngbloods“ wissen spätestens seit dem letzten Blogeintrag ja nun alle Bescheid. Nachdem wir unsere gleichnamige Tour erfolgreich über die Bühne gebracht haben, gehen wir nun einen Schritt weiter. In der „Youngbloods“ – Kolumne wollen wir euch in unregelmäßigen Abständen neue, „junge“ und natürlich großartige Künstler vorstellen.

Im ersten Teil unserer Kolumne möchten wir euch den in München lebenden Lost Name näher bringen. Vielleicht kein richtiger Newcomer mehr, ist er doch schon 2014 neben Jakob Hummel und Black Mistake Teil der „Youngbloods Tour“ gewesen. Am vergangenen Freitag durften wir nun auch seinem neuen Album „Silent Friend“ lauschen, dass am 17 März erschienen ist. Im „about songs & books“ performte er in Wohnzimmer-Atmosphäre eine Stunde neues und älteres seines Repertoires.

Seine Kunst beschreibt Lost Name aka Andi selbst mit den Worten: „lost name is a project located everywhere, existing forever and never ending…“ Sagt euch jetzt nix? Dafür sind wir ja da:

Lost Name vergisst beim Musik machen gerne mal alles um sich herum – auch seinen Namen, aber Namen sind bekanntermaßen nur Schall und Rauch. In eben diesem verliert der Zuhörer sich nach wenigen Minuten. Nachdem man beeindruckt feststellt, welche mitreißende Stimmung ein einziger Mensch mit einer Gitarre und einem Loopgerät aufbauen kann, bleiben nicht nur tiefgehende Sounds, sondern auch tiefe Lyrics: „Andi verbindet klassische Gitarrenläufe mit experimentellem Antifolk und verdichtet Geräusche, bis ein Gefühl hörbar wird.“ Konkreter ist Lost Name ein klassisch ausgebildeter Musiker, der nicht vor Experimentierfreude zurückschreckt und Schicht um Schicht Loops übereinander türmt, bis kleine Meisterwerke wie ‚The Libertin Song‘ (dem Opener des Debüts) entstehen. Beim darauf folgenden Song ‚Jona‘ möchten sich die Füße schon wie von selbst ein bisschen bewegen und dieser Ansporn zieht sich unerschrocken und sanft durch sein Album “Silent Friend“. Seine Songs reichen von tiefer Melancholie zu lebensbejahender, motivierender Euphorie. ‚Bullet‘ wäre ein Beispiel für ersteres: „I don’t wanna lose control, I don’t wanna feel. So take back what you said cause I don’t wanna hear.“ Einer der großartigsten Songs ist ‚Total Eclipse‘, ein Song, der sich unsäglich aufbaut, sich düster und umfangreich entfaltet und mit gedämpften Bläsern schüchtern verschwindet. Wow.

„Where the nameless in your mind always searching for someone to find.“

Der Grund warum man Lost Name auch mal live sehen sollte, ist zweifellos seine spezielle Gitarrenspieltechnik und seine sympathische, fast zurückhaltende Art. Zurückhaltend ist er beim Spielen und Singen allerdings ganz und gar nicht.

Mit dem Titel ‚Skjolden‘ beendet er sein fantastisches Konzert in Hamburg genauso wie sein Album. Anfangs erklärte er zwar kurz, dass er noch nicht so geübt im Ansagen machen sei (was wir umso entzückender fanden), nun wollte er uns aber die kleine Anekdote zum Titel nicht vorenthalten. Bei der Namenswahl des wunderschönen Stücks, half ihm seine Schwester. Die bittersüßen Gitarren-Riffs und der Gänsehaut erweckende Chor „It’s all for you“ lässt erahnen, dass Lost Name schon mehr verloren hat als seinen Namen. Skjolden ist eine kleine Ortschaft in Norwegen, die man viele Jahre nur über eine Wasserstraße erreichen konnte. Genauer wurde diese Wasserstraße 1911 von dem Wiener Philosophen Ludwig Wittgenstein genutzt, um unbemerkt seinen Geliebten in einem kleinen Ferienhäuschen zu empfangen. „And I was hard to find only this could bring me home. Now I’m standing at your side we will never learn to grow.“ Spätestens nach diesem Ende, gab es niemanden mehr, der nicht entweder Herzchen oder Tränchen in den Augen hatte.

Lost Name hat uns einen stillen Freund geschenkt, der unbedingt auf den Platteneller muss!

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