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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 43 "Popkomm 2008"



In der letzten Woche begab ich mich zum 15. Mal (kleines Geprahle…) auf die Branchenmesse “Popkomm” und ich kenne viele Leute, die einfach generell die populistische Meinung vertreten, dass “die Popkomm doch scheiße ist”. Diesem kann und möchte ich mich per se nicht anschließen, denn zum einen ist diese Pauschalierung doch etwas platt und zum anderen sollte jeder sich selbst überlegen, wie er seinen Besuch gestaltet, denn das eine oder andere Treffen vereinbaren, mit Freunden essen gehen und sich abends noch Bands anschauen, klingt doch gar nicht schlecht, oder?

Nun also 2008 und anfangen möchte ich mal mit dem Musikprogramm, denn dieses sollte ja irgendwie auch im Vordergrund stehen. Was sich in den letzten Jahren bereits angedeutet hat, fand in diesem Jahr seinen negativen Höhepunkt und so stelle ich fest, dass das Reeperbahnfestival von der Auswahl der Bands schon jetzt einen großen Schritt vor der Popkomm liegt. Vielleicht hängt damit auch der Fakt zusammen, dass nur wenige Konzerte richtig voll waren, man denke da nur an den unsäglichen Visions-Abend, aber Bands wie Ghost Of Tom Joad, Sport, Herrenmagazin oder Tomte sind ein Genickschlag für jeden, der Überraschungen mag. Leider war auch der City Slang-Abend eher mittelprächtig besucht und ich durfte feststellen, dass Port O’Brien auf Platte besser sind, O’Death eine prollige US-Folk-Kapelle mit recht begrenztem Können und Get Well Soon live den Stock im Arsch einfach nicht los werden.

Jetzt noch kurz zur Messe, denn diese Trieb mir Tränen der Melancholie ins Gesicht. Ich bin bestimmt kein Mensch, der überfüllte Veranstaltungen mag, aber dass ich gefühlte 4.000 qm nur für mich hatte, war des Guten einfach zu viel. Klar, ich war am Freitag da und Donnerstag ist meistens mehr los, aber mir haben Leute bestätigt, dass es da zwar besser, aber noch lange nicht gut aussah, was die Besucherzahl angeht. Da ich Teil dieser Branche bin, liegt mir jegliche Schadenfreude fern und die einsamen Menschen an ihren Ständen fragen sich bestimmt, warum sie das machen und ob es im nächsten Jahr nochmals erfolgen soll.

Darum eine kleine Bitte an die Popkomm-Betreiber: Denkt bitte mal über konzeptionelle Veränderungen nach! Klar ist die Entwicklung, dass die größten Stände den Export-Offices aus Finnland, Österreich, Schweden, Holland, etc. gehören, nicht neu und es ist auch toll, wenn sich “viele” Menschen aus diesen Ländern in Berlin einfinden, aber die hiesige Musikszene war kaum zu sehen und Indie-Labels noch viel weniger. Tapete und Southern müssen sich im bescheuerten “Label Camp” sehr einsam vorgekommen sein, oder?

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Cold War Kids - Loyalty To Loyalty



Mit dem zweiten Album ist es ja immer so eine Sache, denn die Anfangseuphorie nach dem Entdecken einer neuen Band hat sich etwas gelegt, der viel zitierte “Novelty”-Effekt relativiert und so ist Vorverurteilung oftmals die Folge.

Das mag vielleicht auch bei dem neuen Album der Cold War Kids zunächst der Fall gewesen sein, aber es ist grob fahrlässig, sich nicht näher und öfter mit ‘Loyalty To Loyalty’ zu befassen, bevor man ein Urteil fällt. Geblieben ist zunächst einmal der wirklich eigene Stil der Band, der herzergreifende Gesang Nathan Willetts sowie Songs, die nie auf ausgetrampelten Pfaden wandern.

Gleich der Opener ‘Against Privacy’ scheint sich im übertragenden Sinne mit der Finanzkrise der USA beschäftigen – “we don’t gamble, we don’t do the stock exchange”, aber hier nun eine ökonomische Spürnase zu erwarten, wäre doch zu viel der Interpretation. Musikalisch nehmen sie uns gleich wieder mit in den Süden ihres Landes und das Schlagzeug klingt noch besser und wärmer als auf dem Debüt.

Klar muss man den schrägen, auf Konventionen verzichtenden, Gesang mögen, denn sonst wird man sich den Cold War Kids nur schwer öffnen können. Dann aber nehmen sie einen mit auf ihren sehr emotionalen Trip durch Songs wie ‘Mexican Dogs’ und ‘Every Valley Is Not A Lake’ und irgendwie bleibt ein sandiger Geschmack im Mund und dieser entstammt nicht dem reinen ihrer Heimat Long Beach, sondern eher dem rauen fast verlassener Städte. ‘Something Is Not Right With Me’ folgt dann auch als erste Single, aber nach unseren Maßstäben verwundert diese Wahl doch eher, denn wer könnte sich diesen eruptiven Ausbruch schon in deutschen Radios vorstellen?

Ähnlich emotional geht die Reise weiter, textlich steckt der Teufel bekanntlich im Detail (‘Welcome To THe Occupation’) und immer wieder sorgen Percussion und Drums für überraschende Momente, die schönen Fotos im Booklet wiegen das erneut eher schlechte Cover auf und mit ‘Golden Gate Jumpers’ wird zum ersten Mal das Tempo etwas gezügelt, wenn auch nicht die Dramatik, denn immerhin geht es hier um die Vielzahl an Selbstmördern auf dem berühmten Wahrzeichen von San Francisco. Auch bei dem traurigen ‘Every Man I Fall For’ und ‘Dreams Old Men Dream’ zeigt sich die Einzigartigkeit der Cold War Kids, die in einem ganz eigenen Kosmos zu leben scheinen, indem sie von ihrer musikalischen Umwelt nicht all zu viel mitbekommen.

“Loyalty To Loyalty” ist erneut ein großartiges Album geworden, das völlig eigenständig neben dem Debüt bestehen kann. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Cold War Kids zu den besten Live-Bands zählen und dies auch auf ihrer Tour im November erneut beweisen werden. Viel Spaß! (V2)

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