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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 34 „Kunst ohne Leid?“



Klar ist das Thema diesmal kein neues und sicher etwas, über das man recht kontrovers diskutieren könnte, was hier zum Teil sicherlich den Rahmen sprengen würde. Zunächst einmal sein festgestellt, dass das neue Album von Nada Surf äußerst schwachbrüstig daherkommt, wenn man von den ersten beiden Songs mal absieht. Warum ist das so? Nimmt man sich diverse Interviews mit Sänger/Gitarrist Matthew Caws vor, so zieht sich seine gefundene Liebe und die damit verbundene Zufriedenheit wie ein roter Faden durch diese und so kommt man schnell auf den Gedanken, dass der Künstler hier vielleicht nicht mehr genügend leidet, um Songs wie auf dem Album „Let Go“ zu schreiben.

Der amerikanische Schriftsteller Joey Goebel hat über dieses Phänomen ein ganzes Buch geschrieben, dass passenderweise „Torture The Artist“ (auf deutsch „Vincent“) heißt und mir und meiner These recht gibt. Vielleicht sollte man Matthew Caws, wie dem talentiertesten Schreiber im Buch, auch einen Manager an die Hand geben, dessen einzige Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass es dem Künstler möglichst schlecht geht und ihm jeglichen Frohsinn im Keim ersticken.

Klar mag es etwas ungerecht erscheinen, hier das neue Nada Surf – Album an den Pranger zu stellen, denn diese Band gehört jawohl zu den wirklich guten Bands und es gibt hunderte Bands, die hier in den Dreck zu ziehen, mehr Sinn machen würde. Allerdings sind diese Bands es meist gar nicht wert, dass man sie kritisiert und so trifft es dann halt die Guten.

Künstler sind Künstler, weil sie anders leben, denken und handeln und so irgendwie auf einem anderen Planeten leben und sich im besten Falle von weltlichen Spießerthemen fernhalten sollten, damit sie uns mit ihrer aus Melancholie und Einsamkeit geborenen Kunst erfreuen können. Tritt jetzt aber die Liebe des Lebens ins Leben des Künstlers, so sei ihm das zum Teil gegönnt, führt meist aber nicht mehr zu großen Werken und so frage ich mich, ob er in der Zeit des Glücklichseins überhaupt neue Songs schreiben sollte oder nicht lieber eine Auszeit nimmt, bis dieses Glück vorübergeht oder man aus dem Unglück einer Beziehung wieder neue Kraft schöpft. Das mag jetzt etwas hart klingen und bestimmt gibt es auch das eine oder andere Gegenbeispiel, aber für die Musik, die mir am Herzen liegt, spielt das Leid eine tragende Rolle oder wer kann sich Musik eines glücklichen Elliott Smith, Jeff Buckley, Conor Oberst oder Jason Molina vorstellen?

Was ist nun die Quintessenz? Dürfen Künstler nicht mehr lieben bzw. nur dann, wenn sie gerade keine neuen Songs schreiben? Können essentielle Alben vielleicht doch aus dem Glück des Künstlers entstehen? Nick Cave zum Beispiel scheint recht glücklich zu sein, hat Bürozeiten, in denen er sich an den Schreibtisch setzt und Songs schreibt und selten wirft man ihm vor, dass seine Songs zu positiv daherkommen. oder hat er früher so sehr gelitten, dass es für ein ganzes Musikerleben reicht?

Zufriedenheit gleichS? Normales Leben gleich normale Songs? Sicherheit gleich Durchschnitt? Warum gibt es in Deutschland so wenige gute Songwriter? Leiden wir Mittelständler alle viel zu wenig, um große Kunst zu schaffen? Oder haben wir einfach nur Angst vor Melancholie und kaschieren den mangelnden Anspruch des deutschen Publikums damit, dass dieses Volk vor allem musikalischen Dreck in Massen kauft?

Ich mag den Gedanken, dass Künstler leiden und mich durch ihre Emotionen und Musik zu einem gewissen Teil an ihrem Leid teilhaben lassen. geht es mir dann besser? Mitnichten, aber so entstehen nun mal große Songs!

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