Krachkeks-Kolumne Folge 32 "quatschen"
veröffentlicht am 11. Februar 2008 von Jörg
Wer kennt sie nicht, die Situationen auf Konzerten, bei denen es einfach mal besser ist, einfach zu schweigen. Zum einen, um den Künstlern den gebührenden Respekt entgegen zu bringen, zum anderen, um sich selbst in den schönen Momenten der Ruhe und Melancholie zu verlieren? Diese einmaligen Oasen der Ruhe, obwohl man in einem Heer von Menschen steht, entweder vor Bands, die eh dem ruhigeren Sound fröhnen oder einfach Stille, die zwischen den Songs entsteht, wo kein Sänger meint, er müsste jetzt blöde Ansagen an das Publikum richten, damit diese irgendwie manchmal auch peinliche Stille überbrückt wird.
Leider gibt es vor allem in Deutschland das Phänomen, dass diese Momente einfach durchbrochen werden und mir fast das Herz stehen zu bleiben scheint. gestern spielten siva. aus Berlin in Hamburg und Sänger andres sprach nicht nur mir aus dem Herzen, als er diese leisen Momente zwischen den Songs als durchaus angenehme bezeichnete und es ihn in keinster Weise stört, wenn das Publikum ebenso reagiert, er findet das nicht peinlich, sondern im Gegenteil verursacht das doch auch eine intime Art der Verbundenheit.
Nun gibt es aber immer wieder Menschen, denen diese Ruhe peinlich zu sein scheint oder noch viel schlimmer, die meinen, dass man die derartigen Momente für belangloseste Konversation nutzen sollte. Leute, ihr unterliegt da einem historischen Irrtum, denn nicht nur liegt in der Ruhe die Kraft, sondern im Reden, vor allem während Künstler ihr Innerstes nach außen tragen, liegt Irrtum und Ignoranz. Klar ist dies keine neue Entwicklung, auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass sich Menschen heute noch weniger auf etwas, also auch auf Musik, konzentrieren können, aber immer wieder gibt es diese Konzerte, wo man mit dem Künstler fühlt, zum Beispiel, wenn er so genervt erscheint, dass er das Konzert einfach abbricht, was ich zumindest bei Conor Oberst und Bright Eyes schon erleben durfte. Diesen Künstlern kann ich auch keinen Vorwurf machen, denn wer quatschen will, kann das ja tun, aber woanders. Der Wilco-Chef Jeff Tweedy packt dies schon ganz anders an, indem er auf Solo-Akustik-Konzerten schon in der ersten Ansage kundtut, dass er während des zeitlich überschaubaren Konzertes um Ruhe bittet und dass außerdem keinerlei Getränke während dieser Zeit ausgeschenkt werden.
Das mag der eine oder andere etwas spießig finden, mir persönlich spricht er damit aus der Seele und wenn man die minderbemittelten Menschen nicht auf eine derartige Art klarmacht, dass man das ernst meint, ignoriert es eh jeder. Doppelstunden in der Schule waren ja für viele Schüler schon absolute Folter und da verwundert es wenig, wenn sie bei einem Konzert auch nicht still sein können, aber die Schule war doch was anderes und sogar umsonst. Wie kann man nur Geld für ein Konzert ausgeben und die ganze Zeit labern?
Nun zeichnet sich eine bestimmte Spezies von Menschen besonders verantwortlich für das Quatschen, was sicher nicht nur für Konzerte gilt, aber nur um diese geht es mir hier ja. Diesen Menschen hat man das Attribut „Frauen“ aufgedrückt und auch wenn sich hier bestimmt nicht alle angesprochen fühlen sollten, so zumindest doch einige, denn dieser Makel ist bei Frauen nun mal wesentlich deutlicher ausgeprägt als bei uns Männern. Klar mögen mir viele jetzt Chauvinismus unterstellen und dem möchte ich auch gar nicht völlig widersprechen, aber ich kokettiere eher mit diesem, als das ich das wirklich ernst meine. Nur interessiert es mich einen Scheiß, dass sich zwei dieser Geschöpfe während des Konzertes darüber unterhalten, dass die eine zum Studium nach Münster muss und darauf keinen Bock hat. Dann mach es halt nicht, du dumme Gans!
Uns Musikfans aber damit den Spass, die Melancholie und letztlich das ganze Leben zu zerstören, kann es doch aber nicht sein. Es gibt sicher genug Menschen, und nicht nur Frauen, in diesem Lande, die Musik einfach nicht zu würdigen wissen, aber warum in Teufels Namen finden sich diese dann auf Konzerten ein? Es ist mir ein Rätsel, warum sie für ein Konzert Geld ausgeben, die ganze Zeit nur quatschen, wenn sie doch einfach in eine Bar gehen könnten, kein Eintritt zahlen müssen und ihre Stimme meist noch etwas schonen.
Sind sie vielleicht von einer bösen Macht geschickt worden, um uns Musikenthusiasten den Musikdämon auszutreiben?
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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The Helio Sequence - Keep Your Eyes Ahead
veröffentlicht am 8. Februar 2008 von Jörg
Modest Mouse, The Shins, Menomena, Timesbold, The Decemberists, The Thermals – diese Liste mit großartigen Bands aus Portland liesse sich noch um zahlreiche Namen ergänzen und wer schon mal in Portland war, fragt sich, wo die denn alle wohnen, denn Portland wird nicht umsonst als die kleine Schwester von Seattle bezeichnet, aber was in dieser Stadt zur Zeit an musikalischem Potential geboren wird, kann locker mit Seattle mithalten.
Nun also das Duo The Helio Sequence, das mit “Keep Your Eyes Ahead” bereits ihr viertes Album über Sub Pop veröffentlicht und ein unprätentiöses noch dazu, denn ihre Musik ist eher heterogen und biedert sich nicht im entferntesten bestimmten Trends an, aber das ist ja auch meist die Stärke von Bands aus dem Nordwesten der USA.
Schon das Cover suggeriert ihre Liebe zur Schönheit von Melodien, auch wenn man sich etwas an uralte Prog-Rocker erinnert fühlt, was für die Musik zum Glück nicht gilt. Kategorien spielen für The Helio Sequence keine Rolle, was schon die Bands zeigen, mit denen sie in den letzten Jahren auf Tour waren: Modest Mouse, Blonde Redhead, Kings Of Leon, The Secret Machines – addiert man dazu noch die Künstler, für die Mastering-Legende Greg Calbi seine Goldfinger im Spiel hatte (Interpol, Paul Simon, Iron & Wine) bekommt man einen recht guten Einblick in die Musik des Duos bestehend aus Brandon Summers und Benjamin Weikel.
Schon der Opener ‘Lately’ ist eine Positiv-Hymne an alle Singles dieser Welt, gefolgt von dem wunderbaren Folk-Pop von ‘Can`t Say No’, der vielleicht am ehesten an die Shins erinnert. Auch im weiteren Verlauf des Albums wird klar, das sich The Helio Sequence dem Pop in keinster Weise entziehen wollen, ihn vielmehr als roten Faden zu nutzen wissen. Dies gerne mal mit opulentem Keyboard-Teppich, als 80er Wave-Pop in dem Titelstück ‘Keep Your Eyes Ahead’, als reduzierte Akustik-Perlen (‘Shed Your Love’, ‘Broken Afternoon’) oder als Mitsing-Hit in ‘Hallelujah’. Zum Abschluß gibt es dann mit ‘No Regrets’ noch eine Tom Waits-Reminiszenz…
“Keep Your Eyes Ahead” ist ein wunderbares Album und der bisherige Höhepunkt im Schaffen von The Helio Sequence. Allerdings wird die Band mit dem Problem zu kämpfen haben, dass sie nicht so richtig zu fassen sind. Das macht das Album zwar sehr spannend und nie langweilig, aber wenn etwas nicht in die Schublade passt, wird es oftmals zu Unrecht als sperrig empfunden. (Sub Pop)
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