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Veröffentlichung: 22. August


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Ken Stringfellow & Subterfuge - Grüner Jäger (Hamburg)



Ist das nicht ein schönes Poster? Ca. 1,7 Millionen Hamburger haben gestern schon wieder ein recht legendäres Konzert verpasst, so dass sich nur so 60 Leute im Grünen Jäger einfanden, um dem zweiten Ken Stringellow – Konzert nach 5 (!) Jahren beizuwohnen. Immerhin hatte sich das Publikum im Vergleich zur Tanzhalle (RIP) immerhin verzehnfacht.

Klar haben weder die Düsseldorfer Subterfuge, noch Ken Stringfellow zur Zeit neue Alben veröffentlicht, aber die Idee, gemeinsam Songs beider Bands zu präsentieren, entstand halt einfach mal so.

Den Anfang machten Subterfuge mit drei Songs, denen dann drei von Mr. Stringfellow folgten, die aber gemeinsam kredenzt wurden. Dieser Turnus wurde dann so gut wie den ganzen Abend durchgehalten. Subterfuge machten ihre Sache dann eigentlich ganz gut, auch wenn man immer das Gefühl hatte, dass ihre Sets viel länger waren, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist…

Ken Stringfellow spielte dann natürlich einen Querschnitt seines doch recht reichhaltigen Schaffens: Solo-Songs, besonders von seinem großartigen Album “Soft Commands” – ‘Known Diamond ist noch immer ein geniales Stück Musik – sowie Songs der Alt-Legende, die keiner so richtig kennt: Big Star und natürlich von seiner Hauptband Posies, auch wenn hier ein Jon Auer an seiner Seite etwas fehlte.

Das Publikum war sehr gemischt und obwohl Subterfuge nicht gerade Goldkettchenmusik machen, waren doch einige Schicksen aus dem grauenhaften Düsseldorf am Start, die vor allem durch lautes Quatschen und der Tatsache auffielen, dass sie jeden Satz von Stringfellow mit lautem Lachen begleiteten, damit auch jedem klar war, dass sie dem Englischen mächtig sind – wie armselig!

Ein bisschen weniger Subterfuge und ein bisschen mehr Ken Stringfellow hätte dem schönen Abend noch viel schöner werden lassen, denn an die Qualität der Songs und des Gesangs des in Frankreich lebenden Stringfellows kamen die Deutschen doch bei weitem nicht ran. Oft hat er auch gleich gar kein Mikrofon für seinen Gesang gebraucht, was die Musikliebhaber im Publikum natürlich noch mehr in seinen Bann zog. Überhaupt war die Atmosphäre sehr intim, denn wenn er nicht gerade am Keyboard seine Songs spielte, stand der ca. 20 Zentimeter vom Publikum entfernt.

Wie üblich fand der oftmals etwas tollpatschig wirkende Ken dann kein wirkliches Ende, was zum einen an seinem Charakter liegt, zum anderen an der Tatsache, dass bei Bands wie R.E.M., wo er ja auch spielt, andere das Ende bestimmen. So hauchte er den letzten Song ins Restpublikum und wir machten uns beseelt, müde und auf eine etwas bessere Musikwelt hoffend auf den Heimweg.

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The Good Life - Knust (Hamburg)



Schon länger gab es hier keine Live-Kritik mehr zu lesen, aber ich kann euch sagen, dass der Rest-November dies mit Sicherheit ändern wird, da ich meinen alten, geschundenen Körper in den nächsten Tagen zu vielen sehr schönen Konzerten schleppen werde.

Nachdem das Konzert von The Good Life zunächst kurzfristig abgesagt war, hat es Tim Kasher doch noch rechtzeitig geschafft. Aufgrund eines Todesfalls musste er nach Boston, so dass die Show in Utrecht am Vortag ausfallen musste.

Richtig erholt sah er dann auch nicht aus, aber vielleicht lag dies auch daran, dass die stets bemühte Hamburger Vorband Emmy Moll einfach ohne jegliches Charisma agierte und somit eine ungewünschte Langweile aufkommen ließ. So war der Anfang von The Good Life dann auch etwas holprig, aber wahrscheinlich auch nur, damit sie und besonders Frontmann Kasher sich von Song zu Song steigern konnten.

Die Show war bestimmt nicht perfekt, aber das machte sie perfekt, denn Tim Kasher ließ uns an seinen Gefühlen teilhaben, kehrte sein Innerstes nach Außen und zeigte, wie großartig emotional es ist, wenn dies geschieht. Schnell merkt man auch, dass der Name The Good Life nicht so richtig viel mit der Musik zu tun hat, sondern eher als mangelnder Kreativität einfach dem Nummernschild des Heimat-Staates Nebraska entnommen wurde.

The Good Life stehen hier stellvertretend für andere US-Bands gleicher Intensität wie zum Beispiel Okkervil River, Kid Dakota oder Band Of Horses, die genau das haben, was die meisten europäischen Bands sich wünschten: Charisma, Intensität und vor allem Authentitzität!!! Hier stehen keine Image-Künstler aus England auf der Bühne, die sich erstmal drei Jahre Gedanken machen, was für Klamotten sie tragen sollen und welcher Sound doch gerade angesagt sein könnte, sondern Menschen, deren Musik aus tiefster Seele kommt und die gar nicht so recht glauben mögen, dass dies ein Publikum nicht nur interessieren, sondern auch begeistern kann.

Natürlich gaben The Good Life einen Querschnitt aus ihren bisherigen vier Alben, auch wenn dem einen oder anderen das Meisterwerk “Album Of The Year” fast noch mit zu wenigen Songs bedacht wurde. Dies stimmt aber nicht, denn im Laufe des zweistündigen Sets kamen dann doch viele der Songs vor und den Abschluß bildete dann das 9-minütige ‘Inmates’, das Kasher entschuldigend ankündigte, da es der einzige noch übrige Song war, denn sie geübt hatten.

Auch wenn ich in diesem Jahr schon 80 bestimmt nicht nut gute Konzerte erleben durfte, so fiel dieses The Good Life – Erlebnis in die Kategorie genial und ich durfte mal wieder erleben, was es heißt, Musik wirklich zu fühlen, was doch vielen Menschen da draußen völlig fremd zu sein scheint.

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Britta Persson - Top Quality Bones And A Little Terrorist



Zunächst sollte man mutig sein und sich nicht vom doch recht schlechten Cover des Albums abschrecken lassen, denn auch wenn dieses noch so billig erscheint, so ist es die Musik bestimmt nicht.

“Top Quality Bones And A Little Terrorist” ist das Debüt-Album von Britta Persson aus Stockholm und wurde mit Hilfe halbwegs illustrer Gäste wie Kristofer Aström, Per Nordmark (Fireside) und Mattias Friberg (Logh) eingespielt. Wie bei schwedischen Songwriterinnen üblich, passt auch dieses Album sehr gut zur viel bemühten Melancholie des Herbstes.

Zu den Pluspunkten zählt vor allem die leichte Brüchigkeit in ihrem Gesang und die Selbstverständlichkeit mit der sie tolle Songs wie den Opener ‘Winter Tour’ oder ‘Low Or Wine’ kredenzt, gerade auch weil sie immer etwas schräg anmuten, dabei aber nicht an das “Irre” von Coco Rosie heranreichen.

Zu den Minuspunkten dagegen – wo Licht ist, ist schließlich auch Schatten, oder? – die Tatsache, dass die wirklich guten Songs doch noch etwas in der Minderheit sind, so dass “Top Quality Bones And A Little Terrorist” zwar ein atmosphärisch wirklich schönes Album ist, die Qualität der Songs da aber in vielen Fällen nicht so ganz mithalten kann. (Make My Day Records)

Britta Persson

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Maritime - Heresy and the Hotel Choir



Der Sympath Davey von Bohlen und seine Maritime-Mannen legen mit “Heresy and the Hotel Choir” bereits ihr drittes Album vor und Davey wird doch noch immer als Ex-Sänger der verblichenen The Promise Ring bezeichnet. Warum dies immer wieder erwähnt wird, liegt an der Intensität, die diese Band und besonders ihr Überwerk “Wood/Water” ausmachte.

Ganz können Maritime dieser Vergangenheit nicht gerecht werden. Vielmehr spielt bei ihnen die Leichtigkeit der Songs eine entscheidende Rolle, aber diese ist halt auch ab und zu etwas zu leichtgewichtig. Das mag jetzt etwas kritisch klingen, ist aber bestimmt nicht die Suche nach dem Haar in der sonst lecker mundenden Suppe, denn den Geschmack dieser wird man nicht überdrüssig .

Der Opener ‘Guns Of Navarone’ zählt gleich zu den stärksten Momenten und erreicht mit “Leichtigkeit” die besten Momente der Vorgänger-Alben “We, The Vehicles” und “Glass Floor” und birgt die Hoffnung, dass sie hier den nötigen Schritt nach vorne machen. Dieser wird dann mit dem nachfolgenden ‘With Holes For Thumb Sized Birds’ aber schon wieder relativiert, irgendwie gut, aber doch nicht genial.

Der Gesang und die Texte Davey van Bohlens zeigen, dass er das Potential für die erste Liga hat. Songs wie der erwähnte Opener, ‘For Science Fiction’ oder ‘Pearl’ unterstützen diese These. Aber dann gibt es auch wieder nur gute Songs, die hier und da einer gewissen Banalität anheim fallen, auch wenn im Gegensatz zu den Vorgängern der Rockcharakter einzelner Songs schon mehr an The Promise Ring erinnern lässt.

“Heresy and the Hotel Choir” ist beileibe kein Schritt zurück und mindestens ebenbürtig mit dem bisherigen Schaffen von Maritime, allerdings spielen The Shins, Nada Surf oder Death Cab For Cutie vom Songwriting her einfach noch eine Liga höher. (Grand Hotel van Cleef)

Maritime

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Krachkeks-Kolumne Folge 29 "Eagles bei Wal-Mart"



Vielleicht hat es noch nicht jeder gewußt, aber die legendären Eagles haben nun nach 28 Jahren ihr erstes Studio-Album veröffentlicht, um das es hier aber nicht gehen soll, denn musikalisch bekommt der konservative Eagles-Fan das, was er verdient und die Zeit scheint stehengeblieben zu sein.

Vielmehr geht es hier um die Tatsache, dass US-Bürger das neue Album “Long Road Out Of Eden” wörtlich nehmen müssen, denn sie können es nur beim bösen Wal-Mart kaufen. Ein Witz? Nein, denn die Wal-Marter haben sich gesagt, was Starbucks kann, können wir schon lange. Nun mag der geneigte Europäer denken, dass sich doch wohl kaum noch jemand für die Rockopas um Glenn Frey und Don Henley interessiert, aber auch das ist ein Irrtum. Immerhin gehört ihr “Greatest Hits”-Album noch immer zu den meistverkauften Alben aller Zeiten!

Den Durchschnitts-Eagles-Fan vermute ich jetzt mal bei 52 Jahren und sehr männlich. Diesem Umstand kann man entnehmen, dass sich selbst im Musikland USA eher selten 50-jährige Cowboys in Plattenläden verlaufen. Auch ist es nicht mehr so, dass sie sich ihr Essen selber schießen, sondern zu einer Stelle gehen, wo sie einfach alles (!) bekommen: Wal-Mart

Das ist eine recht traurige Nachricht für Musikliebhaber, aber da diese Coleur ja eh vom Aussterben bedroht ist, ist das wohl der berühmte Lauf der Zeit. Ob diese Verkaufsvariante erfolgreich ist? Kann man so sagen, denn 700.000 verkaufte Alben in einer Woche bedeutet eines der bestverkauften Alben des Jahres!!!

Ist schon toll, dass man heute alles in einem Laden bekommt und vielleicht sieht die Zukunft so aus, dass man in diesen “Wollmärkten” dann auch bald übernachten kann oder gleich ganz lebt und sich das Steak ungebraten gleich aus der Truhe auf den Teller holt.

Mein Traum, ein Aufstand der Nischen gegen diesen Mainstream-Mob, habe ich schon oftmals heraufbeschworen, allein der Glaube fehlt mir. Wie sollen wir denn unseren Kindern und Enkeln erzählen, wo wir früher unsere Musik gekauft haben?

Glücklicherweise lebe ich in Hamburg und gegenüber von meinem Büro hat der Wal-Mart vor kurzem geschlossen…

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