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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 28 "Madonna"



Dass Madonna wenig mit Musik zu tun hat, ist nicht wirklich neu, denn eigentlich besteht diese Dame aus dem sich ständig neu erfinden können, um von der Musik, die sie ja eh nicht selber schreibt, abzulenken.

Nun ist sie wieder mal in den Medien und für diejenigen, die das noch nicht gelesen haben, sei gesagt, dass sie gerade einen “Multi-Millionen-Deal” mit Live Nation abgeschlossen hat. Wer Live Nation ist? Live Nation ist der schlappe Marktführer im weltweiten Konzertgeschäft, der sich jetzt anschickt, auch als Label zu fungieren, was Warner in diesem Fall nicht wirklich Spaß machen wird.

Klar überrascht es auf der anderen Seite auch nicht wirklich, gilt Madonna doch als knallharte Geschäftsfrau, bei der das Geschäft weit vor der Kunst kommt und man kann ihr kurz vor der musikalischen Rente nur ein bisschen übel nehmen, dass sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen möchte. So viele Schäfchen gibt es doch aber gar nicht….

Was reitet denn nun eigentlich einen Konzern wie Live Nation, sich derartige Künstler unter den Nagel zu reißen? Wie wir alle seit Jahren wissen, ist vor allem das Label-Business stark defizitär und mitnichten die Zukunft der Musikbranche, so dass die Attraktivität doch stark gelitten hat. Aus Madonnas Sicht ist der Schritt schon nachvollziehbar, denn Warner wird sie nicht mehr mit Geld zuschütten, da die letzten Alben relative Flops waren und nie und nimmer die Vorschüsse eingespielt haben. Klar hält man sich so eine Künstlerin dann mal aus Prestige-Gründen, auch wenn sich das nicht rechnet, aber in diesem Fall hätte man das vermeintliche Prestige dann so teuer bezahlen müssen wie noch nie.

Aus der Sicht von Live Nation kann es eigentlich nur darum gehen, sich die Künstlerin noch stärker auf den Bauch zu binden. Außerdem fällt ein lästiger Partner mit dem Label weg, da man nun auch keinerlei Diskussionen oder gar Absprachen mehr treffen muss. Es gibt sicher einige Veranstalter, die schon versucht haben, ein eigenes Label zu betreiben, aber bisher immer gescheitert sind. Das wiederum liegt hauptsächlich daran, dass Veranstalter gerne jegliches Risiko vermeiden und gar nicht genau wußten, was denn die Labels für Arbeit und Geld in den Aufbau eines Künstlers stecken.

Nun glaube ich kaum, dass ein Konzern wie Live Nation den Aufbau neuer Künstler betreiben möchte, denn so blöd sind selbst die nicht. Vielmehr betreiben sie lieber den Abbau von Künstlern, eine Art Restverwertung wie im Fall Madonna und da die Anzahl ihrer ohnehin recht rar gesäten Konzerte in Zukunft bestimmt nicht mehr zunehmen wird, veröffentlicht man halt zumindest ihre Alben. Wir dürfen schon gespannt sein, welchen “Trend” Madonna als nächstes generiert, um ihre schlappe Musik unter das doofe Volk zu bringen.

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The Good Life - Help Wanted Nights



Das fröhliche Wechselspiel neuer Alben von Tim Kashers beiden Babies Cursive und The Good Life nimmt weiter seinen Lauf. Klar darf man The Good Life aus künstlerischer Sicht nicht als “Nebenprojekt” bezeichnen, aber Fakt ist auch, dass Cursive in den USA einen ganz anderen Stellenwert haben als hier und in finanzieller Hinsicht ist das dann mit dem “Nebenprojekt” gar nicht mehr so falsch.

The Good Life aber bloß als eine ruhigere Version von Cursive zu bezeichnen, trifft den sprichwörtlichen Nagel nicht wirklich auf den Kopf, auch wenn der geniale Gesang Kashers natürlich bei beiden Bands nicht ganz unwichtig ist…

“Help Wanted Nights” ist nun bereits das vierte Album von The Good Life und konnten sie sich bisher immer steigern – das Debüt zählt sicherlich zum am wenigsten starken Album, aber schon das Zweitwerk “Black Out” hatte Grosses zu bieten und “Album Of The Year” aus dem Jahre 2004 hieß nicht nur so, sondern zählte auch zu den musikalischen Gipfeln des Jahres – so wird man das Gefühl nicht los, dass hier nun ein kleiner Rückschritt erreicht ist.

Dabei sind The Good Life natürlich weit davon entfernt, faule Äpfel im Albumkorb zu haben, aber leider sind einige Äpfel etwas wässerig und geschmacksneutral. Vielleicht ist dies auch einer neuen Entspanntheit geschuldet, die sich in dem fast schon bluesigen Beginn des Albums ausdrückt. Der Opener ist dann gleich etwas fade, wogegen ‘A Little Bit More’ vielleicht etwas sauer ist, aber zu den reichhaltig schmeckenden Äpfeln zählt. So ziehen sich gute Songs wie ‘Heartbroke’ oder ‘Your Share Of Men’ weiter durchs Album, aber irgendwie kommen diese Songs nicht an ‘Under A Honeymoon’, ‘You’re Not You’, ‘Lovers Need Lawyers’ oder ‘A New Friend’ des letzten Albums heran.

Auch wenn die Texte jetzt nicht durchweg positiv sind, so sind die Äpfel auf “Help Wanted Nights” grundsätzlich etwas roter und leichter verdaulich und nicht giftgrün. Meistens sind die grünen Äpfel sauerer und wenn sie nicht rund wären, würden sie auch mehr Ecken und Kanten haben.

Vielleicht ist es aber auch zuviel verlangt, dass sich eine Band ständig von Album zu Album verbessert, denn bei “Album Of The Year” gibt es halt nichts mehr zu verbessern und daher sollte man hier auch mal froh sein, dass der Nachfolger “Help Wanted Nights” ein wirklich gutes Album ist, das nur nicht an den Höhepunkt des The Good Life – Schaffens heranreicht. (Saddle Creek)

hier bitte hingehen:
16.11. Hamburg – Knust; 18.11. Berlin – Tacheles; 19.11. Giessen – MuK; 20.11. Leipzig – Nato; 21.11. Wien – WUK; 22.11. München – Hansa; 23.11. Geislingen – Rätchenmühle; 24.11. Sursee – Kulturwerk 118; 25.11. Winterthur – Kraftwerk; 26.11. Frankfurt – Brotfabrik;

The Good Life

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Krachkekskolumne Folge 27 "Unwissen"



Natürlich mag es etwas grenzwertig anmuten, sich über Kommentare und Leserbriefe in Tageszeitungen aufzuregen, aber auch wenn das Ignorieren dieser manches Mal gesünder ist, so stecken unter meiner Haut nun mal Emotionen und Gefühle und wenn diese mit unwissenden Füssen getreten werden, rege ich mich auch auf.

Worum geht es hier eigentlich? Ein Kommentar in einer Hamburger Tageszeitung der letzten Tage meinte, sich mal dem Niedergang der Musikbranche annehmen zu müssen und neben mehr als banalem Einerlei stellte er der Musikbranche die Rettung in Aussicht. Dieser intelligente Mensch ist auf die fast schon geniale Idee gekommen, dass es ja seit Einführung der CD keinen neuen Massentonträger gegeben hat und eine technische Neuerung hier doch wohl alle Probleme lösen würde.

Dies möchte ich hier arroganter Weise auch gar nicht diskutieren, denn FAKT ist nun mal leider, dass der physische Tonträger auf lange Sicht entweder ganz ausstirbt oder nur noch als Nischenprodukt gefragt ist. Das Rufen nach einem neuen Tonträgerformat ist somit naiv, überflüssig und fern jeder Realität und der Wunsch, dass sich dann bei einem neuen Format die Konsumenten all ihre alten CDs nun nochmals in “remasterter” Version holen, hat zwar schon mal von Vinyl auf CD funktioniert, ist aber im digitalen Zeitalter nur noch als weltfremd zu bezeichnen.

Mich juckte es natürlich sehr in den Fingern, da mal einen dieser beknackten Leserbriefe zu schreiben, aber würde mich jemand dieser Mainstream-Mob-Leser überhaupt verstehen oder hauen sie mir ihre Unwissenheit nicht noch viel “doller” um die Ohren? Von wegen “schlafende Hunde wecken” und so?

Ich entschied mich dagegen und sparte meine Kraft für diese Kolumne, aber am nächsten Tag war tatsächlich ein Leserbrief zu diesem Thema abgedruckt. Diesen auch nur annäherned wörtlich wiederzugeben, kommt aber nicht in Frage, denn dafür war die Sprache doch etwas zu einfach. Tenor dieses Halbhirnes war aber das Kundtun seines mangelnden Mitleids für die Musikbranche, den ich auch nachvollziehen kann, aber mit einer Argumentation, die mir die Zornesröte ins Gesicht schlug und ich mich seitdem wieder mit der Frage beschäftige, ob ich nicht doch noch Profi-Killer werden soll.

Dieser Schreiber war nämlich von der argumentativen Einfalt “die da oben stecken sich die Taschen voll und wir armen Leute bekommen nichts ab” – “nichts” wäre für diesen Menschen dabei aus meiner Sicht aber noch viel zu viel, denn “die Plattenfirmen nutzen die Künstler doch eh nur aus, um Profit zu machen” und ähnliche Klischees mögen in Einzelfällen mal richtig gewesen sein, aber wem es ausschließlich um Profit geht, ist in der Musikbranche seit geraumer Zeit völlig fehl am Platz. Wer hat bloß noch so ein flaches Gedankengut?

Ich hoffe nicht viele, glaube aber eher daran, dass die “Media-Marktisierung” mittlerweile zu weit fortgeschritten ist, als dass das Gute obsiegen wird. Vielmehr werden ihm da draußen bestimmt die meisten Menschen noch zustimmen, denn da draußen kennt man keine Indie-Labels, man kennt keine kleinen Live-Clubs, man kennt keine Bands wie Modest Mouse, White Rabbits oder Okkervil River, man liest keine Bücher, man liest lieber, wie ich in diesem Fall auch…, Tageszeitungskommentare von Hauptschülern, die von der Materie zum ersten Mal gehört zu haben scheinen.

Vielleicht sollte ich mich auch einfach mal bei einem Modemagazin bewerben, um von etwas zu schreiben, von dem ich keine Ahnung habe, denn wahrscheinlich steckt darin gerade der Sinn und diese haltlosen, von Halbhirnen geschriebenen Kommentare sind dazu da, dass ein Dummbrot einen Leserbrief schreibt und Menschen wie ich mich dann darüber aufregen und der Chefredakteur sich vor Lachen nicht mehr auf dem Stuhl halten kann.

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Gravenhurst - The Western Lands



Natürlich lädt die Kombination von Gravenhurst und dunklen Herbsttagen zu einer Aneinanderreihung unzähliger Klischees geradezu ein. Da ich nun aber nicht der größte Romantiker bin, kann man sich diese nicht unschönen Herbstbeschreibungen in vielen anderen Kritiken holen und entsprechende Bilder an die Wand hängen.

Die Briten Gravenhurst haben mit “The Western Lands” gerade ihr drittes Album veröffentlicht und schlagen vor allem im Vergleich zum fast schon rockigen Vorgänger “Fire In Distant Buildings” einen weitaus ruhigeren Weg ein, wenn man vom etwas aus der Rolle fallenden ‘Hollow Men’ mal absieht. Dieser Song erinnert mit seinen britischen Postrockgitarren sehr an die Escapologists und gehört sicher nicht zu den schwächeren Momenten des Albums.

Das Treibende wird im Anschluß aber sofort wieder aus der Musik genommen und mit dem ruhig-folkigen ‘Song Among The Pine’ fühlt man sich schon fast in die guten, alten Barclay James Harvest-Zeiten zu ‘Octoberon’ 1976 zurückversetzt. Ja, ich weiß, dass BJH nie wirklich als cool galten und hole hiermit eine meiner Leichen aus dem Keller.

“The Western Lands” lebt natürlich von großartig-melancholischen Songs wie dem Opener ‘Saints’ oder dem genialen ‘Trust’ sowie dem Fairport Convention – Cover ‘Farewell, Farewell’, aber Gravenhurst haben etwas, das nicht sehr viele Bands ihr Eigen nennen können: ATMOSPHÄRE – diese durchzieht das gesamte Album in sehr eigenständiger Intenstität und Homogenität. Eine ähnliche, etwas kühlere Atmosphäre haben auch die New Yorker von Calla, aber sonst gibt es wohl wenige Bands, die diese individuelle Sound-Ausstrahlung haben.

Genau da liegt die Stärke von Gravenhurst, die es aber nicht wie Mum oder Sigur Ròs bei blosser Atmosphäre belassen, sondern diese Atmosphäre auch durch wahrhaft tolle Songs zu einem GROSSEN Album werden lassen. (Warp)

Gravenhurst werden uns auch für ein paar ausgewählte Shows in ihren Bann ziehen:
21.11. Stuttgart – Schocken; 22.11. Hamburg – Molotow; 24.11. Köln – Gebäude 9; 26.11. München – Atomic Cafè; 27.11. Berlin – Lido

Gravenhurst

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Reeperbahnfestival



Eigentlich wäre es ja mal wieder Zeit für eine “Krachkekskolumne” und vielleicht hätte der eine oder andere das Thema “Reeperbahnfestival” auch gerne da eingeordnet gesehen. Da es aus meiner Sicht aber viel zu wenig Negatives zu sagen gibt, ist das auch kein Anlaß, um richtig Krach zu machen.

Nun also zum Reeperbahnfestival Part II und als Vorab-Resümee sei gesagt, dass die Kinderkrankheiten des ersten Jahres zu einem sehr großen Teil ausgemerzt wurden. So kosteten die 3-Tages-Tickets mit 56 € rund 30% weniger, die Anzahl der Clubs sowie die der Bands wurde etwas reduziert, wodurch die musikalische Ausrichtung homogener wurde. Der Zeitplan wurde meist sehr genau eingehalten, was vielleicht hier und da als “spießig” empfunden wurde, für ein derartiges Festival aber notwendig und sinnvoll ist, da sich Musikfans wie ich ja einen exakten Timetable ausarbeiten und diesen möchte man ja nicht bei der ersten Band über den Haufen schmeißen. Für diese positiven Aspekte schon mal ein großes LOB an die Veranstalter.

Ein kleiner Wehrmutstropfen ist sicherlich das Wetter gewesen, wofür die Veranstalter dann aber ja nur sekundär verantwortlich zu machen sind. Den Konzertgänger an sich hat es zwar gestört, aber nicht gehindert, den Konzertgänger, der sich auch für Poster interessiert allerdings schon. Gab es “Flatstock” im letzten Jahr noch im Zelt, so waren die wenigen Teilnehmer diesmal an einzelnen Ständen unter freiem Himmel zu finden und wer kauft sich schon ein Poster im strömenden Regen?

Wünschenswert wäre hier, den Freitag und Samstag auf dem Spielbudenplatz einfach für ein Programm zu nutzen, das nachmittags schon beginnt mit Musik auf den Bühnen, so dass neben “Flatstock” vielleicht auch noch die eine oder andere Idee, z.B. eine Fotoausstellung, davon profitieren kann.

Das Wichtigste sollte aber natürlich die Musik sein und das Programm gefiel mir schon mal wesentlich besser als im letzten Jahr. Klar ist aber auch, dass man sich mit dem Vorbild SXSW in Austin nicht messen kann. Die Qualität der Bands ist in den USA einfach wesentlich größer und natürlich kann man nicht mal eben 100 US-Bands einfliegen, um in kleinen oder mittleren Clubs zu spielen. So müssen wir nun mal mit sehr vielen skandinavischen Künstlern Vorlieb nehmen und diese sind ja nicht immer der Kreativität letzter Schluß. Dass es aber auch sehr gute Bands gibt, zweifel ich bestimmt nicht an und in diesem Jahr konnten Anna Ternheim, Friska Viljor, Murder, Shout Out Louds oder die Figurines überzeugen.

Die Auswahl der 131 Bands kann sicher weiterhin verbessert werden, aber wenn ich höre, dass einige schon nach “großen Headlinern” rufen, so kann ich dem nur ein lautes NEIN entgegen schreien, denn zum einen würde das finanziell den Rahmen sprengen und zum anderen hat dann jemand das Konzept des Reepernbahnfestivals nicht verstanden. Es geht darum, beonders neueren Indie-Bands ein Forum zu geben und sie der musikbegeisterten (!) Öffentlichkeit vorzustellen. Dies sollte mit einigen etablierteren Bands angereichert werden, aber Konzerte großer Bands gibt es ja schließlich genug und haben in diesem Zusammenhang auch nichts zu suchen.

Nochmals sei gesagt, dass das Reeperbahnfestival schon im zweiten Jahr von den Musikfans angenommen wird und somit ein Standing erreicht hat, wie man es sich vielleicht erhofft, aber kaum erwarten konnte. Bestimmt gibt es auch noch Kritikpunkte, aber festhalten sollten wir die positive Entwicklung und die große Freude auf 2008.

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