Tegan and Sara - The Con
veröffentlicht am 17. August 2007 von Jörg
Die kanadischen Zwillinge sind wieder da, auch wenn sie hierzulande noch immer eine Art Geheimtipp sind. Vielleicht wird sich das ja mit ihrem bereits 5. Album “The Con” ändern, denn in den USA und Kanada spielen sie schon länger in ausverkauften Clubs, was neben den Songs vor allem ihrem Charme zu verdanken ist.
Dieser Charme überträgt sich nämlich sofort auf das Publikum und so möchte man die süßen Zwillinge einfach mit nach Hause nehmen. Bei ihrem ersten Deutschland-Auftritt in Hamburg vor einigen Jahren sagten sie, dass sie eigentlich eh viel lieber reden als Songs zu spielen und auch wenn sie das bestimmt nicht ganz ernst meinten, so zeigt es doch, dass sie das Leben versuchen, mit einer gewissen Lockerheit zu nehmen.
Das merkt man ihrem bisher besten Album “The Con” dann auch an, was nicht zuletzt am Geruch des Nordwestens der USA liegt, denn in Portland wurde das Album von niemand geringerem als Chris Walla produziert. Chris Walla ist halt nicht nur Produzent (u.a. The Decemberists, Nada Surf, The Long Winters, The Thermals, Hot Hot Heat) – also viele meiner liebsten Bands – sondern auch Gitarrist von Death Cab For Cutie. Alles was er macht, lebt von einem warmen und entspannten Sound und dies scheint sich auch auf Tegan & Sara übertragen zu haben. Die Drums wurden von DCFC-Drummer Jason McGerr eingespielt und Hunter (AFI) sowie Matt Sharp (The Rentals) teilen sich die Bass-Arbeit.
Dieser illustre Kreis führte aber nicht dazu, dass sich der Stil von Tegan & Sara nun groß verändert hätte. Vielmehr sind ihre Songs noch besser geworden, verlieren aber nie ihre sprichwörtliche Leichtigkeit, was die erste Single ‘Back In Your Head’ oder der Quasi-Opener ‘Relief Next To Me’ bestätigen. Der Titelsong darf mal richtig rocken und mit ‘Are You Ten Years Ago’ zeigen sie, dass sie sich auch elektronischen Elementen nicht verschließen. Die Texte sind wieder großartig, d.h. originell, melancholisch und ehrlich und stehen dabei doch irgendwie im Kontrast zu den doch recht fröhlich wirkenden Songs und Stimmen der beiden.
Die etwas merkwürdige Veröffentlichungspolitik sollte hier noch kurz erwähnt werden, denn eigentlich sind Tegan & Sara jetzt wieder bei Warner, aber hier in Deutschland kümmert sich keiner so richtig darum und das, obwohl die Tour doch sogar vor der Tür steht:
19.08. Erfurt – Highfield Festival, 21.08. Hamburg – Knust, 24.08. Berlin – Columbia Club, 25.08. Köln – Stadtgarten, 26.08. München – Ampere
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Windmill - Puddle City Racing Lights
veröffentlicht am 10. August 2007 von Jörg
Es ist einfach schön, über Platten schreiben zu können, ohne irgendwelchen Aktualitätsmotiven genügen zu wollen. Das soll jetzt zwar nicht heißen, dass hier das Debüt der Doors besprochen werden soll, aber dass es auch mal ein Album wie das von Windmill sein darf, das bereits vor drei Monaten erschienen ist.
Windmill besteht eigentlich nur aus Matthew Thomas Dillon, der auf seinem Debüt “Puddle Ciry Racing Lights” aber durch diverse Musiker unterstützt wird, damit er sich nicht gar so einsam fühlt. Leider war er bisher meines Wissens noch nicht auf Deutschland-Tour, denn mich würde schon interessieren, was für eine Figur der 26-jährige Engländer macht.
Wenn man Windmill das erste Mal hört, fällt es schwer, sich keine Gedanken über den Gesang zu machen. Wer den Gesang von Wayne Coyne (The Flaming Lips), Ben Bridwell (Band Of Horses) oder Alec Ounworths (Clap Your Hands And Say Yeah) nicht mögen sollte, für zu extrem befindet oder einfach nur nervig, der braucht nämlich gar nicht weiter zu lesen, da der Gesang von Dillon den der Genannten nämlich noch auf eine extremere Stufe stellt. In der englischen Presse wurde dieser Gesang auch mit “Neil Young auf Helium” beschrieben, was es ziemlich gut trifft.
Hat man diese Hürde erstmal genommen bzw. sich in diesen Gesang verliebt, so eröffnen sich auf “Puddle City Racing Lights” großartige Songs und wunderschön melancholische Melodien, die durch eine Instrumentierung getragen werden, wie sie besser nicht sein kann: Das alles beherrschende Klavier, das Dillon natürlich selber spielt, und die manchmal geradezu bombastischen Drums sind die Grundlage, die dann ab und zu von weiblichen Backing Vocals, einer Trompete, dem Tambourine oder auch Streichern vorzüglich und mehr als passend ergänzt werden.
Natürlich könnte man jetzt noch einige Songs gesondert erwähnen und beschreiben, aber es gibt auf “Puddle City Racing Lights” keinen schwächeren Song, vielmehr kommt das Album einem homogenem Fluß gleich, der viel eher im Nordwesten der USA zu finden ist als in der Heimat von Windmill. (Grönland)
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Haldern-Pop-Festival 2007
veröffentlicht am 6. August 2007 von Jörg
Vorab sei für alle Erbsenzähler erwähnt, dass der nun folgende Bericht natürlich rein subjektiv ist und ihr viele Bands vermissen werdet, da ich in meinem Alter nun mal nicht alle Bands sehen kann… Mich aber lange auch nicht alle Bands interessieren.
Generell gab es in diesem Jahr recht viel Kritik am vielleicht nicht ganz so tollen Line-Up, was nicht zuletzt auch an einigen Absagen lag, aber erstens war es trotzdem gut und zweitens lachte nach drei Jahren des Regens mal wieder die Sonne vom Himmel und das ist doch auch schon was, oder?
Nach einer richtig langen Fahrt von Hamburg nach Haldern, deren Höhepunkt ein über zwei Stunden dauernder Stau mit kleiner Autobahntotalsperrung (schönes Wort) war, ging es verschwitzt und leicht genervt auf zum Festival, wo uns gerade Polarkreis 18 empfingen. “Für eine deutsche Band gar nicht so schlecht” mag etwas arrogant klingen, entspricht aber meiner Meinung und vor allem brauchte ich erstmal etwas Schatten und Bier. Paul Steel und The View machten deutlich, dass das Line-Up vor allem am Freitag doch eher schwach war.
Die vor zwei Jahren im Zelt gefeierten The Magic Numbers stellten dann für viele ein erstes Highlight da, auch wenn sie bei mir über Sympathie hinaus doch wenig ausrichten konnten, da sie auf Dauer dann doch etwas zu nett sind. Ihr zweites Album halte ich auch für wesentlich schwächer als das erste und so war der Zeltauftritt dann doch auch der bessere. Spiritualized kredenzten uns dann einen wirklich guten Akustik-Set mit tollen Streichern und Backing-Sängerinnen und ich kann gar nicht so richtig nachvollziehen, warum viele sie als langweilig bezeichneten. Klar ist ein Akustik-Set auf einem Festival immer etwas schwierig, aber wenn nicht beim Haldern, wo dann? Tolle Songs haben sie ja außerdem auch.
Das kann man wiederum von den Waterboys auch sagen, nur spielen sie halt nicht nur ihre älteren Pop-Hits, sondern verständlicherweise auch viel Neues, was einfach kein Mensch mehr braucht. Ihre Bühnen-Performance erinnert ziemlich stark an Alt-Rock, da die Bewegungen doch etwas zäh anmuten.
Abschließend gab es dann noch mit Patrick Watson und vor allem The Electric Soft Parade zwei Highlights im wunderschönen Zelt, bevor ich der Müdigkeit Tribut zollen musste. Zwar bin ich noch nicht mit dem neuen Album der Electric Soft Parade vertraut, aber trotzdem kamen die Songs bei mir gut an und ihren besten Song ‘Lose Yr Frown’ gab es ja auch.
Samstag
Mit Navel und Serena Maneesh begann der Samstag nicht so wirklich toll und natürlich waren auch noch gar nicht so viele Leute am Start. Das sollte sich bei den Schweden von friska viljor zum Glück ändern, die uns endlich das nötige Festival-Lächeln auf die Gesichter zauberten und etwas erstaunt waren, dass immer mehr Leute ihre Songs mitsingen. Einen weiteren Kommentar verkneife ich mir aus Befangenheitsgründen.
Voxtrott aus Austin, Texas, eine der wieder recht rar gesäten US-Bands, fingen dann richtig gut an und spielten Songs ihres guten Debüt-Albums und ihrer besseren EPs. Allerdings wurden sie nach ca. 20 Minuten immer beliebiger und langweiliger. Das geht aber leider heute immer mehr Bands so, die zwar oftmals bei einem kurzen Gig überzeugen können, aber einfach keinen Spannungsbogen über einen längeren Zeitraum halten können. Vielleicht mal ein Thema für die “Krachkeks-Kolumne”.
Neben friska viljor gab es an diesem Tag noch drei weitere Schwedenhappen und so übernahm im Anschluß das Duo Johnossi den Staffelstab. Was sie zu zweit für eine Energie und Power auf die Bühne bringen, ist aller Ehren wert und so zählen sie auf jeden Fall zu den Gewinnern des Festivals. Neben den hinlämglich bekannten Songs ihres ersten Albums, gab es immerhin auch einen neuen Song zu hören, der ziemlich überzeigend war. Zum Ende ihres Sets hatten sie zwar auch ein kleines “Spannungsbogen”-Problem, aber das war gar nicht schlimm.
Malajube und Architectures in Helsinki fielen für mich dann etwas ab und zum Teil auch aus, auch wenn erstere bestimmt keine schlechte Band ist. Dann übernahmen wieder die Schweden: Loney, Dear klingen im positivsten Sinne amerikanisch und wurden ihren Vorschußlorbeeren mehr als gerecht und zu den Shout Out Louds braucht man ja nicht mehr viele Worte zu verlieren, da dies schon zur Genüge getan wurde. Dies zum Teil völlig zu Recht, zu einem anderen Teil aber auch etwas zu viel, denn ihr doch sehr nett-positiver Pop macht zwar Spaß, rührt mich emotional aber jetzt auch nicht zu Tränen.
Den Abschluß machte dann der Hamburger Jan Delay, was viele im Vorfeld natürlich sehr kritisch und auch als völlige Fehlbesetzung abgetan haben. Auch wenn ich die Musik nicht wirklich mag, so hat er sich doch an diesem Abend wirklichen RESPEKT verdient. Er hatte die Menge im Griff und diese wollte mal so richtig abtanzen, was sie dann auch tat. Als Performer ist er eine Klasse für sich und die eine oder andere Band sollte sich da schon mal eine Prise abgucken….
Alles in allem fand ich das Halder Festival in diesem Jahr ziemlich gut, auch wenn die ganz großen Highlights etwas rar gesät waren und ich mir im nächsten Jahr die eine oder andere US-Band à la The Shins, Arcade Fire, Band Of Horses, Rogue Wave, Wolf Parade oder My Morning Jacket wünschen würde. Das Wetter darf natürlich wiederkommen!
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