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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 17 "das zweite Album"



Wer kennt es nicht? Da ist man beigeistert von einer neuen Band und liebt ihr Debütalbum über alles, hört es Tag für Tag und kann gar nicht mehr davon loskommen. Klar ist die Gespanntheit beim Warten auf den Nachfolger dann auch kaum noch zu überbieten und was kommt dann, wenn das neue Album, der Nachfolger, dann endlich erscheint? In den meisten Fällen macht sich Enttäuschung breit.

Aus aktuellem Anlaß sollen hier die neuen Werke oder Alben von Bands wie THE KILLERS, MAXIMO PARK und KAISER CHIEFS herhalten, denn bei allen drei Nachfolgealben von sehr erfolgreichen und wirklich guten Debüts stellt sich mir die Frage, warum sie bei weitem nicht an das Debüt heranreichen können?

Sicher mögen bis zu einem gewissen Grade Dinge wie Druck, Erwartungshaltung, wenig Zeit, Meinungsverschiedenheiten in der Band, etc. eine nicht unwesentliche Rolle spielen, aber einem wahren Künstler können all diese Dinge doch recht egal sein und schließlich haben alle diese Bands einen Manager, der sie von derartig weltlichen Einflüssen befreien soll, oder?

Nun ist es ja nicht so, dass mit “Our Earthly Pleasures” (MAXIMO PARK), “Yours Truly, Angry Mob” (KAISER CHIEFS) und “Sam`s Town” (THE KILLERS) drei wirklich grauenhafte Alben das Licht der Welt erblickt hätten, nur können sie alle das Niveau des Vorgängers nicht halten und driften sehr in eine Mittelmäßigkeit ab, die dann viel Enttäuschung zurücklässt. Dabei spreche ich jetzt natürlich nicht von kommerziellen Misserfolgen, denn in der Regel werden diese Alben auch sehr erfolgreich sein und mit einem erheblich größeren Marketingaufwand evtl. sogar an die Verkaufszahlen des Debüts anknüpfen können, aber musikalisch können sie das beileibe nicht.

Sicher sind die Bands bei Bekanntwerden sehr viel auf Tour, müssen/dürfen viele Interviews geben und bei weltweitem Erfolg potentiert sich dieser Zeitaufwand auch noch, aber verlieren sie dabei ihr Talent in den vielen Städten des Tourens? Lassen sie ihn da einfach auf der Strasse liegen oder ist es nur der fehlende Überraschungseffekt, da wir die Band ja nun bereits kennen?

Ich glaube einfach, dass bei vielen Bands das Talent halt nicht sehr weit reicht und oftmals schon mit dem ersten Album ausgeschöpft wurde. Diese drei genannten Bands belegen ja, dass der Nachfolger den Standard einfach nicht halten kann und natürlich wünscht man sich für das dritte Album dann eine Kehrtwende oder gar ein Wunder, aber oft tritt es nicht ein. Gemeinsam haben diese genannten Bands, dass sie vor allem in UK sehr viele Platten verkauft haben und sich vor dem typisch britischen Hype nicht retten konnten/wollten, aber nach heutigem Stand der Dinge muss festgestellt werden, dass ihr künstlerisches Potential endlich ist. FRANZ FERDINAND können davon ja auch ein Lied singen…

Vielleicht lassen diese Bands alle zuviele Einflüsse von außen zu und wer könnte ihnen das verdenken? ICH.
Die meisten Bands, die in GB Erfolg haben, mussten dafür nämlich meistens nicht jahrelang arbeiten, wie es früher oftmals der Fall war, sondern biedern sich halt geschickt einer temporären Mode an, machen sich sehr viele Gedanken über das Image und haben dann vielleicht das Glück, dass sie der neueste Hype des Monats sind. Ich möchte diesen Bands zurufen: Macht euch frei von äußeren Einflüssen und weiß natürlich, dass das mehr als leicht gesagt ist. Natürlich gibt es auch sicher viele Ausnahmen, aber es ist schon recht erstaunlich, warum die hier beschriebene, vielleicht auch etwas subjektive Tatsache, bei vielen Bands so ist.

Dann warten wie doch mal, was die zweiten Alben von Bands wie WOLF PARADE, BAND OF HORSES oder HARD-FI so bringen.

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Modest Mouse - We Were Dead Before The Ship Even Sank



Waren gerade noch James Mercer und seine SHINS Thema auf dieser Seite, so gehen wir nun ein Haus weiter und beschäftigen uns mit dem neuen Album seines Nachbarn in Portland, Isaac Brock und seinen Mannen bei MODEST MOUSE. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass Mr. Mercer drei der Titel mit seiner Stimme veredelt.

In den USA über jeden Zweifel erhaben konnten sie dort den Olymp in Form der Nr. 1 in den Billboard-Charts erklimmen. Genau das ist den SHINS und auch ARCADE FIRE mit ihren aktuellen Alben nicht gelungen, aber “second best is not the end of life”. 129.000 verkaufte Alben in einer Woche klingt so schlecht nicht, aber hier gilt eine derartige Band halt immer noch als verschrobene Indie-Band.

Das sechste Album hat nun den lustigen Titel “We Were Dead Before The Ship Even Sank” und ist mit Sicherheit das homogenste Album der Band, d.h. verrückte Sperenzchen treten immer mehr an den Rand, was aber keineswegs als Kritik zu verstehen ist. Der Opener ‘March Into The Sea’ gibt das Tempo der Reise vor und bläst ein wildes Lächeln in die Gesichter, denn genauso lieben wir sie: dynamisch, frisch, leicht angetrunken mit Liedern, die vom Sterben handeln, aber keineswegs deprimiert daher kommen.

Die Single ‘Dashboard’ ist sicherlich schon bekannt und würde in einer guten Welt ein Hit werden. ‘Fire It Up’ knüpft da nahtlos, aber etwas weniger tanzbar, an, bevor es mit ‘Florida’ einen der zwei etwas durchschnittlicheren Songs gibt. Das ist aber nur die Ruhe vor dem Sturm, denn dann kommt ‘Parting Of The Sensory’, eine wahre Meilenstein-Komposition, die durch einen ruhigen, unglaublich schönen Anfang und einer ebensolchen Instrumentierung, mit Geige und Cello, daherkommt, bevor der Song nach drei Minuten eine dramatische Note bekommt, die in einem wahren Fiasko endet. Wahrscheinlich sind sie gerade auf See und nach einem recht ruhigen Beginn, geht es auf ein feindliches Schiff zu, das es zu entern gilt. Das alles musikalisch in einem Song verpackt, der zu den absoluten Höhepunkten im Schaffen von MODEST MOUSE zählt.

‘Missed The Boat’ lässt dann ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen, zählt aber nicht weniger zu den vielen Höhepunkten des Albums. ‘We’ve Got Everything’ geht dann wieder etwas weiter nach vorne und man kann ihnen nur zustimmen, denn sie haben einfach alles, was eine GROSSE Band ausmacht. Dass man auf großer Fahrt auch mal etwas seekrank wird, beweist das schräge ‘Fly Trapped In A Jar’. das sicher weniger für einen Abend am Kamin taugt, aber diese gesanglichen Momente eines Isaac Brock muss man einfach lieben. ‘Education’ geht dann noch mal in die ‘Dashboard’-Richtung.

‘Little Motel’ führt uns dann endlich mal wieder durch ruhigere Gefilde – “that`s what I`m waiting for”. ‘Steam Engenius’ ist ist dann der zweite winzig kleine Durchhänger, der bei vielen Bands sicher zu den besten Songs ihrer Karriere zählen würde. Dann kommt aber ‘Spitting Venom’, welches mit einer Akustikgitarre und spuckenden Worten beginnt und zu einem tollen Song in typischer MM-Manier mündet. “Game Over?” Nein, noch nicht, denn zwei Songs bilden den Abschluss: ‘People As Places As People’ geht entspannt auf die letzte Etappe der Reise, hält die Qualität aber weiter hoch, so dass gar keine Lust zur Meuterei bei der Schiffscrew aufkommen mag. ‘Invisible’ nimmt dann noch einmal richtig Fahrt auf und holt alles aus den alten Kahn heraus, mit Tempo dem Ende des Trips entgegen.

Die Reise ist zu Ende und natürlich werden MODEST MOUSE lediglich für zwei Festivals nach Deutschland kommen, da die hiesige Musikwelt sich dieser Musik selten als würdig erwiesen zu haben scheint, oder?

Nun war der Ex-Gitarrist Johnny Marr ja noch gar kein Thema dieser Kritik, wo der Hype und die Geschichte an sich doch größer hätten kaum in der Presse ausgeschlachtet werden können. Die meisten Rezensionen sprechen denn auch vom großen Einfluß und dass man sein Gitarrenspiel doch deutlich raushört. Was ich davon halte? Nichts, denn so sehr ich Johnny Marr schätze und er bestimmt seinen Teil zum neuen Album beigetragen hat, heraushören tut man ihn nicht, denn Modest Mouse klingen wie Modest Mouse, aber das sollte er als Kompliment verstehen, denn ein Teil dieser großartigen Band um Isaac Brock zu sein und sich nicht in den Vordergrund stellen zu wollen, ist viel wert.

“We Were Dead Before The Ship Even Sank” zeigt eine der größten Bands auf ihrer Reise, die dramatischer nicht sein kann. Dieses Album gehört neben dem der Portland-Brüder von The Shins zu wahren Meisterwerken der Musikgeschichte und hat genau das, was so vielen heutigen Werken, vor allem vieler UK-Bands, einfach fehlt: Tiefe, Authentizität, Emotionalität, Eigenständigkeit. Charisma und keine Kostümierung, sondern die wahren Gefühle für die ich lebe. (Red Ink)

Modest Mouse

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The Shins - Postbahnhof (Berlin)



Vielleicht meint der eine oder andere, dass an dieser Stelle schon etwas zu oft über The Shins berichtet wurde. Diejenigen sollten dann besser auch nicht weiterlesen, denn natürlich finde ich bei dieser grandiosen Band kein Ende.

Diesmal habe ich mich auf den Weg nach Berlin gemacht, da die Shins leider nur zwei Konzerte in Deutschland spielen und nach Rücksprache mit dem Booker, wird es dabei wohl auch bleiben, denn zu Festivals werden sie nicht kommen und eine eventuelle Herbst-Tour ist auch mehr als unwahrscheinlich. Sehr schade das.

Nun aber zurück zum Postbahnhof, der ja aus drei Konzerträumen besteht. Zunächst war nur der kleinere Raum geplant, aber bei den Ticketverkäufen hat man sich dann schnell für den größten Raum entschieden, der dann mit ca. 1.500 Menschen auch sehr voll war.

Die Vorband spielte natürlich schon in Form des mit den Shins befreundeten und auch aus Portland, Oregon kommenden Ehepaars VIVA VOCE, welche auf meinem Lieblingslabel Barsuk (Seattle) sind. War auch ganz nett anzuschauen, wenn auch etwas hippiesk und mit leider etwas wenigen guten Songs. Trotzdem aber recht eigenständig und auch ein wenig lärmend.

Das kann man von den SHINS natürlich nicht sagen, die mit ‘Sleeping Lessons’, dem Opener ihres gigantischen (hatte ich das schon erwähnt?) neuen Albums “Wincing The Night Away” starteten, bevor es dann mit dem Zwischenspiel ‘Pam Berry’ und der ersten Single ‘Phantom Limb’ weiterging. Was soll ich sagen? Das Publikum war begeistert ob der grossartigen Songs und auch wenn ich die Band lieber in einem kleinen Club gesehen hätte, waren sie sehr gut. Natürlich sind es, bis auf Sänger James Mercer, der immer mehr als musikalisches Pendant zu Kevin Spacey bezeichnet werden muss, nicht gerade charismatische Typen, aber zum einen halt sehr sympathisch und zum anderen kennt man das ja auch von Deathe Cab For Cutie und Konsorten.

Hier stehen halt SONGS im Vordergrund und die haben sie natürlich genügend: ‘Kissing The Lipless’, ‘Pink Bullets’, ‘Red Rabbits’ und so weiter. Kein Song lässt einen in ein Loch der Mittelmäßigkeit fallen. Doch plötzlich hielten die Fans inne, denn ein Song wurde kredenzt. den sie nicht zu kennen schienen. Dieser wurde dann auch klasse dargeboten, passte aber irgendwie nicht zu den Shins – oder hätte jemand gedacht, dass sie ein PINK FLOYD – Cover spielen? Da kann man dann ja auf das nächste und erste Major-Album der Band gespannt sein.

Viele Worte hatte James Mercer leider nicht für uns übrig und nach knapp 80 Minuten war auch Schluss, aber so selten, wie man diese Band in Deutschland zu sehen bekommt, war ich mehr als glücklich, dabei gewesen zu sein.

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