Krachkeks-Kolumne Folge 12 "Kino-Spaß"
veröffentlicht am 15. Januar 2007 von Jörg
Jedes Mal frage ich mich, ob man sich denn donnerstags die Filmkritiken durchlesen sollte oder nicht, denn eigentlich war ich im letzten Jahr vielleicht zweimal im Kino und da macht es doch wenig Sinn, hunderte Filmkritiken im Jahr zu lesen, oder?
Darum soll es hier aber gar nicht gehen, denn jetzt habe ich es mal wieder ins Kino geschafft und es spielt nun auch keine Rolle, welcher Film es war, denn Fakt ist, dass dieser nur in einem Großraumkino lief. Klar diskutiert man dann zu Hause mit der Frau, ob man sich das denn überhaupt antun möchte, da die böse Vorahnung schon da ist. Nachdem wir uns zu diesem Schritt in die Filmhölle entschieden hatten, ging es also los. Zum Glück kenne ich die Begebeneheiten um das Cinemaxx in Hamburg ziemlich gut, so dass wir dann auch schnell einen Parkplatz hatten, aber schon als ich die Menschenmassen sah, die sich auf dem Weg von der S-Bahn zum Kino bewegten, wollte ich wieder heim. Das ist natürlich etwas albern und so kam es auch nicht in Frage. Die Schlangen gingen dann bis draußen und jeder Sepp stellt sich da dann auch brav an.
Ich natürlich nicht, denn im hinteren Bereich sind ja auch noch Kassen, in deren Schlangen man sich immer halb legal reindrängen kann, so dass sich die Wartezeit in Grenzen hielt. Trotzdem blieb mir genug Zeit, um mir die Menschen mal genauer anzusehen und was soll ich sagen? Meine kühnsten Erwartungen wurden bestätigt.
Hässliche, junge Menschen, zum Teil sehr junge Menschen, die konservativer gekleidet waren als wir in unserer schlimmsten Spießerzeit. Wort- und Satzfetzen drangen an meine Ohren, die ich mir nicht schön hören konnte. Vielmehr machte mich diese Sprache fast verrückt. Was ist das? Da diskutiert man jahrelang über den Sinn und Unsinn einer Rechtschreibereform, dabei können viele Menschen nicht mal richtig sprechen. Oder sprechen sie eine Sprache, der ich schon länger entwachsen bin und die ich früher auch gesprochen habe? Das will ich nicht glauben, denn dann müsste ich meine Eltern nachträglich dafür bestrafen.
Es war schlimm und ich kann jedem nur empfehlen, diesen Massenmob zu umgehen, denn ich war tatsächlich letztens in einem sogenannten “Programmkino” und die Welt war wieder in Ordnung. Keine Massen, keine agressive Stimmung, Menschen, die sich recht normal unterhielten, klar, auch ein paar nicht ganz normale Leute, die im Cinemaxx bestimmt verprügelt worden wären, aber hier war das in Ordnung. Fast schon ruhige Besinnlichkeit und definitiv ein anderer Planet.
Ich weiß ja, dass ich mich mit meinem Musikgeschmack in Nischen bewege und mit meinem Label auch nie den Mainstream erreichen darf/will/werde, aber dass das auch für meinen Filmgeschmack und den Kinos gilt, erschreckte mich schon, denn letztlich frage ich mich: Lebe ich in einer Nische???
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Cold War Kids "Robbers & Cowards"
veröffentlicht am 12. Januar 2007 von Jörg
Wenn jedes Jahr mit derartig guten Alben starten würde wie 2007, dann wäre zumindest die Musikwelt ein paradisischer Ort. Diesmal geht es um eine neue Band mit dem wohlig (!) klingenden Namen Cold War Kids, was allerdings wirklich nicht für die Musik steht, denn hier kehrt ein Sänger sein Innerstes nach außen.
Entdeckt habe ich die Band im letzten Jahr als sie auf dem “Intro”-Abend im Hamburger Übel & Gefährlich spielten und mich zu innerlichen Begeisterungsstürmen hinrissen. Das aus Long Beach, California kommende Quartett mit dem großartigen Sänger Nathan Willett, dessen sehr abwechslungsreicher, manchmal ins Irre driftender Gesang hier und da an Jeff Buckley erinnern mag, hat einen derartig eigenen Sound, dass ich mir wünschen würde, 10 % dieser Eigenständigkeit würden sich hiesige Bands mal zu Herzen nehmen.
Schon der Opener ‘We Used To Vacation’ zeigt, dass die Texte aus der autobiografischen Sicht des Sängers geschrieben wurden, ziemlich anspruchsvoll sind und nicht vor intimen Details zurückschrecken. So handelt dieser Song vom alkoholkranken Vater Nathan Willetts und dem Versprechen an seine Familie, dass er nie Alkohol anrühren wird solange er lebt.
Auch Todesstrafe und andere ernste Themen werden verarbeitet.
Keine Angst, die Musik der Cold War Kids ist keineswegs düster und depressiv, vielmehr verstehen sie es auf Basis des Pianos einen schönen Sound zu entwickeln, der in schrägeren Momenten an Man Man erinnert, auch Vergleiche zu Spoon könnte man hier und da anführen, aber wie schon gesagt, würde das den Kids nicht gerecht werden.
Schellenring & Groove (‘Hair Down’), Polka-Rhythmen (‘Passing The Hat’), Gospel (‘Saint John’) und als Hidden Track sogar ein noch flehentlicheres ‘Sermons vs. The Gospel’ mit Lyrics wie “Lord, have mercy on me, I believe the words can change heart” lässt einen hoffnungsvoll in das trübe Grau blicken.
“Robbers & Cowards” werde ich schon jetzt in meine Bestenliste diesen Jahres aufnehmen und das Beste ist, dass sie schon im Februar als Support von Clap Your Hands And Say Yeah nach Deutschland kommen, so dass ihr die Intensität der Cold War Kids gleich mal antesten könnt (V2):
06.02. Köln – 09.02. Berlin – 11.02. Hamburg
Kategorie: About Albums
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veröffentlicht am 10. Januar 2007 von Jörg
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Krachkeks-Kolumne Folge 11 "Pop Punk"
veröffentlicht am 8. Januar 2007 von Jörg
Aus aktuellem Anlaß und auch wenn es das Thema “Mädchen-Punk” schon mal in dieser Kolumne gab, so soll es hier diesmal um “Pop Punk” aus deutschen Landen gehen. Der aktuelle Anlaß?
Dieser findet sich in der unsäglichen Tatsache, dass ich immer mehr Demos bzw. Anfragen von bands bekomme, die alle diese Art von Musik machen. Klar lesen wir fast täglich, dass die heutige Jugend konservativeres Gedankengut pflegt als wir das tun und deshalb trauen sie sich wohl auch nicht Punk zu machen, sondern es muss schon die poppige, d.h. weichere, anbiedernde, kritiklose, Variante des Punk sein.
Natürlich treten sie damit dem eh viel zu häufig verwendeten Begriff “Punk” extrem auf die Füsse und wenn sie das wollen, ist es ja auch klasse, denn besser gegen etwas zu rebellieren als alles toll zu finden, oder? Das Problem ist bloß, dass sie natürlich niemanden kritisieren wollen. Unabhängig von der Einstellung, die ich ja bei den meisten neuen Bands nicht kennen kann, höre ich mir dann die Musik an und was soll ich sagen?
Es ist enttäuschend und erschreckend, wie langweilig, ideenlos und völlig talentfrei diese deutschen Nachwuchsbands daher kommen. Klar habe ich vorher schon mal US-Bands wie My Chemical Romance, Blink 182 oder heute +44 (welch beknackter Name!) verrissen, aber die trauen sich ja wenigstens noch ein kleines bisschen über reines Kopieren hinaus. Über dieses kleine Bisschen kann man sicher auch streiten, aber bei den Sachen, die deutsche Pop-Punk-Bands so verzapfen, kann ich mich nur fragen, ob der Jugend jegliche Selbstkritik fehlt oder ob ihnen keiner aus dem Freundeskreis sagt, wie schlecht sie wirklich sind. Klar mag das auch daran liegen, dass man es immer heroisiert, wenn Freunde eine eigene Band machen.
Ich jedenfalls kann den deutschen Bands da draußen nur zurufen: Habt Mut, mal etwas anderes zu machen, nutzt eute Lieblingsbands als Inspiration, aber kopiert sie nicht, überlegt euch auch mal, warum man euc zuhören soll, hört nicht auf eure Eltern oder vielleicht doch, wenn ihr noch konservativer seid als diese. Versucht euch mal selber einzuschätzen und hört einfach auf mit der Musik, wenn das nicht reicht.
So, nun hoffe ich zukünftig auf einzigartige, eigenständige Bands aus diesem Lande…
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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The Decemberists "The Crane Wife"
veröffentlicht am 5. Januar 2007 von Jörg
Kaum ist die Bestenliste für 2006 in die Schublade gewandert, kann man sich gleich ein Album für 2007 notieren, auch wenn es in den USA bereits im letzten Jahr erschienen ist. Es handelt sich um „The Crane Wife“, dem neuen Album der Decemberists.
Schon der gleichnamige Opener zeigt, dass die Band ihren Zenith erreicht hat, den sie hoffentlich noch einige Jahre kompensieren wird. Was dann folgt ist ein 12-minütiges Oeuvre ‚The Island’, welches aus drei Teilen besteht. Beginnen tut es mit einem noch recht kurzen Instrumentalpart, der in das Werk einführt, bevor mal eben ein Hitteil eingefügt wird. Dann geht es wunderbar weiter, denn dieser Song als solches bietet all das, was man an den Decemberists liebt und wenn man bereit ist, diese Reihe fortzusetzen und sich weiter auf ihren einzigen, musikalischen Pfaden zu begeben, erkennt man die Tiefe und Schönheit ihrer Musik.
Waren es auf dem ebenfalls tollen Vorgänger-Album „Picaresque“ noch einzelne Songs wie ‚We Both Go Down Together’, ‚From My Own True Love’ und natürlich das famose ‚Engine Driver’, die hervorstachen, so ist es auf „The Crane Wife“ die Homogenität, die einem den Atem anhalten lässt. Am ehesten ist das Album mit einem Abenteuerspielplatz zu vergleichen, auf dem sich ständig neue Sachen entdecken lassen, die noch mehr Spaß machen als die, die man auch schon super fand. Vielleicht sollten sie zu ihrer Musik mal einen Film drehen oder ein Musical machen, denn die heutigen Musicals sind doch eh alle Schrott und richten sich an den Mainstream-Mob. Ideen genug hätten sie da sicher reichlich, denn ebenso reichlich habe sie ihre Songs ausgeschmückt und wenn man die Decemberists live gesehen hat, dann fällt einem kaum eine Steigerung ein. Vor allem wenn Sänger und Kopf Colin Meloy mal wieder betrunken ist…
The Decemberists sind eine einzigartige Band, die bisher zum einen wirklich vier toll Alben gemacht hat und zum anderen mit “The Crane Wife” ihr Meisterwerk geschaffen haben. (EMI)
‚Go To Sleep now, little ugly – go to sleep now, little fool’
12.02. Köln – 13.02. Hamburg – 14.02. Berlin – 18.02. München –19.02. Wien (A)
Kategorie: About Albums
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