TV On The Radio im Knust (Hamburg)
veröffentlicht am 19. November 2006 von Jörg
Zunächst, wie so häufig, den Support verpasst, da man sich noch immer schwer tut mit der Tatsache, dass Konzerte am Wochenende früher anfangen als in der Woche. Die Clubs wollen ja schließlich doppelt verdienen und hinterher noch eine tolle Party dem Publikum kredenzen.
TV On The Radio aus New York versuchten dann in gut 70 Minuten ihren Vorschußlorbeeren im wirklich sehr gut gefüllten Knust gerecht zu werden. Dies taten sie dann auch mit großem Engagement, was besonders für die beiden Hauptköpfe Tunde Adebimpe und Kyp Malone galt, denn die anderen drei Musiker waren kaum zu sehen und es wurde schnell klar, dass es live eher ein Duo ist. Den Lobeshymnen, die ihr neues Album “Return To Cookie Mountain” zum Großteil zurecht erhielt, konnte die Band aber leider zu keiner Zeit gerecht werden. Zu dünn waren die Stimmen, vor allem der Mann mit dem Mega-Afro kann die Töne mitnichten halten, zu schlecht der Sound, der vielleicht spielerische Schwächen, die auf dem Album nicht zu hören waren, kaschieren sollte, zu wenig Drive hatte das Ganze.
Das Publikum schien zwar nicht unzufrieden, aber auch nicht wirklich enthusiastisch, wenn man das Quartett aus Pinneberg, das wohl Karten bei Delta Radio gewonnen hat, mal ausnimmt.
Ein Grundübel lag dann auch noch darin, dass die 4-5 wirklich starken Songs in den Live-Versionen noch verhunzt wurden, was besonders für die Zugabe und besten Song des Debüts ‘Staring At The Sun’ galt. Lange schon keine Band mehr gesehen, wo der Live-Eindruck um einiges schwächer ausfiel als das neue Album, zumindest scheinen sie sich im Studio viel Zeit genommen zu haben.
Kategorie: About Shows
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My Morning Jacket "Okonokos"
veröffentlicht am 17. November 2006 von Jörg
Mit dieser Kritik gilt es, eine der aus meiner Sicht besten Bands der Welt Tribut zu zollen. Außerdem gibt es in der heutigen Zeit nur noch ganz wenige Live-Alben, von denen die meisten es auch nicht wert sind, überhaupt erwähnt zu werden. Dabei waren Live-Alben in der guten alten Zeit wahre Meilensteine.
Nun soll dem Live-Album in Form der My Morning Jacket – Doppel-CD „Okonokos“ gehuldigt werden. Bevor wir aber zur Musik kommen, sei noch erwähnt, dass dieses Werk für deutsche Fans auch eine Art Trostpflaster darstellt, um unsere Wunden als My Morning Jacket – Fans zu lindern, denn die für Anfang des Jahres geplante Tour wurde aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und die Daten bis heute nicht nachgeholt. Kann ein Album diesen Kummer überhaupt etwas erträglicher machen?
Live-Alben sind auch deswegen etwas umstritten, da der Sound häufig dem eines drittklassigen Punkkonzertes entspricht, was hier allerdings absolut nicht der Fall ist. Vielmehr haben sich mit die besten Leute um den Sound gekümmert: Für den Mix war Michael Bauer (Bob Dylan, Coldplay) und für das Mastern der Master Bob Ludwig zuständig.
Über dieses wahre Live-Opus viele Worte zu verlieren, fällt mehr als schwer, denn ich habe das Gefühl, dass es nie mehr ein besseres Live-Album geben wird. Der Sound ist brillant, dabei nie steril, sondern vielmehr warm und emotional. Ich werde beim Hören das Gefühl nicht los, als wäre ich bei diesem grandiosen Konzert in San Francisco live dabei.
21 Songs, die nie enden sollen, werden hier geboten, wobei der Schwerpunkt schon auf den letzten beiden Alben „It Still Moves“ und „Z“ liegt. Letzteres Album wurde, zumindest hier, auch erst Anfang diesen Jahres veröffentlicht. Es gibt ungelogen keinen Ausfall zu beklagen und die bärtigen Kauze aus Louisville, Kentucky zeigen sich in Höchstform was Spiellaune und Intensität angeht. Ihre einzigartige Magie ist schwer erklärbar, denn man muss das einfach fühlen. Klar geht ein Großteil dieser genannten Attribute auf das Konto von Sänger/Gitarrist Jim James, der alle Songs bei My Morning Jacket schreibt. Eine Quelle, die hoffentlich nie versiegen wird. Jetzt auf einzelne Songs einzugehen, macht denn auch wenig Sinn, da die über zwei Stunden dramaturgisch sehr homogen sind und jeglicher Fluss durch Nennung einzelner Titel dahin wäre. Dazu tragen neben dem erwähnten Bandkopf noch Drummer Patrick Hallahan, Bassist Two-Tone Tommy, Keyboarder Bo Koster und Gitarrist Carl Broemel bei und man merkt natürlich nicht, dass die beiden letztgenannten erst seit zwei Jahren mit an Bord sind.
Als Krönung gibt es „Okonokos“ sogar noch auf DVD mit ebenfalls zwei Stunden Spielzeit, wenn auch drei Songs weniger, dafür aber mit einem filmischen Intro ‚The Party’ und einem Outro ‚The Attack’, was vermuten lässt, dass sich der Kopf von Jim James, denn von ihm stammt das gesamte Konzept, nicht in weltlichen Gefilden Gedanken macht. My Morning Jacket gibt es erst seit ca. acht Jahren, aber ich frage mich schon, was da wohl noch kommen mag nach vier tollen Alben und der Krönung dieser in Form von „Okonokos“.
Verzeiht mir all die genannten Superlative, aber aus meiner Sicht ist „Okonokos“ das beste Live-Album der letzten 20 (!) Jahre. (Red Ink)
Kategorie: About Albums
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John Vanderslice in der Prinzenbar (Hamburg)
veröffentlicht am 15. November 2006 von Jörg
Einer der wohl sympathischsten Künstler, wenn nicht gar Menschen, dieser Welt gab gestern sein Stelldichein in der wunderschönen Prinzenbar. Klar konnte man ihn bereits als Support von Death Cab For Cutie und Nada Surf sehen, aber erst John Vanderslice solo mit seinen drei Mitmusikern entfaltete die wahre Pracht seiner Songs und vor allem seiner Spielfreude.
Von Song zu Song schlossen ihn immer mehr Zuhörer in ihre Herzen und das lag nur zum Teil daran, dass er seinen Set unterbrach, um Süssigkeiten an das Publikum zu verteilen. 1 1/2 Stunden kredenzte er uns mit seinen ebenso exzellenten und sympathischen Mitmusikern einen Querschnitt aus seinen bereits fünf Alben, wobei hier nur eine etwas lieblose “Best Of” sowie das noch recht neue “Pixel Revolt” erschienen sind. Songs von seinem besten Album “Cellar Door” wie ‘Up Above The Sea’, ‘My Family Tree’ und ‘Promising Actress’ wusste er sehr gut mit neueren zu verbinden, auch wenn ein kleiner Wehrmutstropfen blieb, denn seinen besten Song ‘Coming And Going On Easy Terms’ blieb leider außen vor.
John Vanderslice hat mit seinem Auftritt wieder neue Freunde gefunden, ein Teil durfte für einen Song sogar mit auf die Bühne, und für einen Song kam John auch ins Publikum, um einen sehr schönen, neuen Song akustisch auf seiner E-Gitarre zu spielen. Eine Idee des Drummers, die sicher etwas komisch war, aber nicht weniger charmant.
Es wäre schön, wenn deutsche Bands auch mal so tolle Songs schreiben würden und noch schöner wäre es, wenn der großartige John Vanderslice alles erreicht, was er sich wünscht. Im nächsten Jahr dann mit einem neuen Album.
Kategorie: About Shows
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"About Songs" jetzt auf Tide
veröffentlicht am 14. November 2006 von Jörg
Der nächste Schritt zur Erweiterung der “About Songs”-Community ist gemacht und so wird am kommenden Donnerstag, d.h. 16.11., die erste “About Songs”-Show auf Sendung gehen. Damit man sich das besser merken kann, erfolgt dies um 16:00 Uhr und dann eine ganze Stunde mit Bands wie Seachange, Okkervil River, Bonnie Prince Billy, Will Johnson, Raconteurs, Cat Power und vielen mehr sowie einem Buch-Tipp, der dann ab und zu mal integriert wird.
Der Termin für die Dezembersendung steht ebenfalls schon und es ist auch da der dritte Donnerstag im Monat, d.h. 21.12. um 16:00 Uhr.
Natürlich bin ich jederzeit für Kritik offen, denn es ist ja auch die erste “About Songs”-Radiosendung. Tide läuft übrigens auf 96.0 und weitere Infos gibt es unter
Tide
Kategorie: About Songs Radio Show
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Ben Kweller im Gebäude 9 (Köln)
veröffentlicht am 13. November 2006 von Jörg
Ben Kweller gab sich endlich mal wieder live die Ehre, das zwar nur in München und Köln, aber was tut man nicht alles für die Musik und so war mir kein Weg zu weit für diesen großartigen Musiker. Sein grandioses neues Album war ja auch ein verdammt guter Anlass und schon als der Künstler auf die Bühne im ausverkauften Gebäude 9 trat, zeigte sich, dass der Name Kweller für unglaubliche Spielfreude steht. Apropos Gebäude 9: Ich stelle immer wieder fest, dass es zu den siffigsten Locations des Landes zählt und besonders das Klo durchaus mit den übelsten Kiez-Spelunken in meiner Hamburger Heimat locker mithalten kann. Gemütlichkeit sieht anders aus und nicht mal im hippen New York würde sich diese Location auch nur eine Woche halten können. Allerdings ist der Sound meistens ziemlich gut, wir sind von gemütlichen Clubs nicht gerade verwöhnt und so wissen wir auch nicht, wie wohl man sich fühlen könnte und letztlich zählt doch die Bühne, oder?
Diese gehörte dann auch für die nächsten anderthalb Stunden Ben Kweller und seinen vier Mitstreitern, die eine ebensolche Spielfreude an den Abend legten. Natürlich waren viele Songs vom neuen Album dabei, aber auch die Höhepunkte der letzten beiden Alben wurden uns nicht vorenthalten. ‚Run’, ‚I Don`t Know Why’ oder das fast schon übertrieben rockige ‚This Is War’ schien ein Großteil des Publikums zwar noch nicht zu kennen, aber bei ‚Family Tree’, ‚My Apartment’ oder ‚I Need You Back’ sah man schon ein Erkennen in den Gesichtern. Trotzdem war die Stimmung nur gut und nicht euphorisch und auch wenn man uns Hamburgern meist zu Recht eine gewisse Kühle attestiert, so war das Publikum in Köln doch mehr als zurückhaltend, aber das kann ja auch an der nicht so gemütlichen Location gelegen haben…
Dachte ich anfangs noch, dass ein perfekter Gig auch ein paar Solo-Songs mit Mr. Kweller an Klavier und Akustikgitarre bedingen, so tat er mir diesen Gefallen, nahm einen Gang raus und spielte die intensivsten Songs seiner Alben in reduzierter Version, dabei aber natürlich um so ergreifender. Die Band durfte dann auch noch mal rocken und nach dem einen oder anderen Request des Publikums (u.a. ‚Believer’) machte ich mich mehr als zufrieden auf den Rückweg nach Hamburg, nicht ohne mir ein schönes Siebdruck-Poster mit auf den langen Weg zu nehmen.
Kategorie: About Shows
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