The Avett Brothers - Fabrik (Hamburg)
veröffentlicht am 26. August 2011 von Jörg
Nun habe ich es endlich geschafft, diese Band mal live zu sehen, denn beim Haldern Pop Festival kam ich ja quasi einen Tag zu spät und bei meinen diversen Trips in ihr Heimatland sind sie mir auch nicht über den Weg gelaufen. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass es eh erst ihre erste Deutschlandtour war….
Wie gerne lasse ich mich darüber aus, dass Bands den berühmten Vorschusslorbeeren vor allem live oft nicht gerecht werden? Auf der anderen Seite muss ich den Avett Brothers meinen größten Respekt zollen und schon am Anfang dieser Zeilen konstatieren, dass sie zum Besten zählen, was ich jemals live gesehen habe. Wenn Nachwuchsmusiker nach Anschauungsunterricht suchen, sollten sie sich unbedingt die Avett Brothers als Vorbild nehmen. Warum das alles?
Bei ihnen stimmt einfach die Mischung aus Enthusiasmus, Charisma und Emotionalität auf der Herz- und absoluter Professionalität auf der Kopfseite. Schon vom ersten Moment an zaubern sie uns Anwesenden ein Lächeln aufs Gesicht, das bis zum Ende des Konzertes nicht mehr schwinden wird. Die Avett Brothers aus North Carolina bestehen ja überraschender Weise aus dem Brüderpaar Scott (Gesang, Banjo, Piano) und Seth (Gesang, Gitarre) Avett sowie ihrem Kumpel Bob Crawford (Gesang, Bass), verstärkt werden sie live dann von einem Drummer und einem asia-amerikanischen Derwisch am Cello. Das schon erwähnte Lächeln zaubert dieses Quintett nicht nur den Zuschauern auf das Gesicht, sondern ist auch Teil des Spaßes, den sie mit sich selber haben.
Klar standen die Songs ihres letzten, besten und von Rick Rubin produzierten Albums “I And Love And You” im Vordergrund und dabei besonders der Titeltrack, der mit Eindringlichkeit die Sonne in unsere Herzen brachte, das anschließende ‘January Wedding’, mein Lieblingssong ‘Head Full Of Doubt / Road Full Of Promise’, der fast schon zu früh verpulvert wurde, aber irgendwie hatte auch das Sinn. Außerdem entwickelte sich eine doch eher leichte Nummer wie ‘Kick Drum Heart’ live zu einer unglaublichen Party. Natürlich gab es in den zwei Stunden aber genauso ältere Songs, die vor allem durch noch mehr Country- und ab und zu sogar Hillbilly-Elemente zu erkennen waren.
Vor allem das Zusammenspiel der beiden Brüder treibt einem Tränen in die Augen, denn was es heisst einen “Spannungsbogen” über die gesamte Länge des Konzertes zu entwickeln, kann keine Show besser zeigen. Wobei die Professionalität nie auf Kosten von Spaß und Authentizität geht und jeder einzelne Song mit dem ganzen Körper und der Seele ausgelebt wird.
Vielleicht habe ich gestern die zur Zeit beste Liveband der Welt sehen dürfen!
Kategorie: About Shows
Kommentare
"About Songs" heute wieder auf Byte FM
veröffentlicht am 24. August 2011 von Jörg
Alle vier Wochen gibt es “About Songs” auch im Radio und so hoffe ich, dass ihr auch dieses Mal wieder dabei seid.
Diesmal steht die Sendung ziemlich im Zeichen von Bands wir Dry The River, einer tollen neuen Band aus England, The Avett Brothers und ihrem Live-Album sowie Songs von Fleet Foxes, William Elliott Whitmore, Dawes und und und…..
Also, wie immer heute um 23 Uhr, damit ihr besser schlafen könnt.
hier zu hören und natürlich freue ich mich, wenn ihr wieder “einschaltet” und bin für jedes Feedback dankbar.
Kategorie:
Kommentare
Middle Brother - Middle Brother
veröffentlicht am 5. August 2011 von Jörg
Vielleicht mag es dem einen oder anderen etwas vorschnell erscheinen, aber wenn es um die “Alben des Jahres” geht, zählt das von Middle Brother auf jeden Fall dazu. Bevor das Schwelgen los geht, sei zunächst der kleine Wehrmutstropfen erwähnt, denn leider ist dieses bei uns nicht erschienen und somit nur auf dem Importwege erhätlich, aber es lohnt sich!
Middle Brother ist so eine Art “Indie-Country-All-Star-Band” bestehend aus den drei Köpfen/Sängern John McCauley (DEER TICK), Taylor Goldsmith (DAWES) und Matthew Vasquez (DELTA SPIRIT). Wenn drei großartige Songwriter der neueren amerikanischen Folk-Country-Schule zusammen finden, muss das nicht gleich großartig sein, aber ihr Projekt Middle Brother zeigt bravourös, was uns Europäern musikalisch so sehr fehlt: emotionale, aus tiefstem Herzen entstandene und mit unglaublicher Intensität gesungene SONGS!
‘Daydreaming’ von John McCauley macht den Anfang und wenn mich Deer Tick live nie so recht überzeugen wollen, was vor allem am Alkohol gelegen haben mag, so ist sein Gesang einfach mal richtig dreckig und schön und schön dreckig. Das dem nicht nach stehende ‘Blue Eyes’ ist dann dem Frauenschwarm Matthew Vasquez vorbehalten, bevor Goldsmith zum ersten Mal reüssiert und trotz dem er nicht das Stimmvolumen der ersten beiden haben mag, seine eigene Art in wohltuender Weise beisteuert.
Der melancholische Blues von ‘Theater’ und das Paul Westerberg-Cover ‘Portland’ führen uns weiter auf diesem herrlichen Trip, der seine volle Kraft bei den von mir so sehr geliebten Nachmittagsbieren in der Sonne am prachtvollsten entfaltet. Natürlich handeln die Songs von enttäuschter und betrogener Liebe – “this live won’t tell you nothing, nothing but lies” – sowie den dunklen Seiten des Lebens und vielleicht mag ich die Musik so sehr, weil mein Leben doch etwas anders ist und ich gerne ein Stück vom Blueskuchen haben möchte…
‘Wilderness’ ist auch so ein Song, der fast leicht und beschwingt daherkommt, aber neben dem in anderer Form ebenfalls auf dem Dawes-Album enthaltenen ‘Million Dollar Bill’ die Höhepunkte von Taylor Goldsmith darstellen. Was rede ich nur?
Der größte Moment des Mr. Goldsmith heisst ‘Blood And Guts’ und zeigt was in diesem Mann steckt, auch wenn er die wenigsten Starallüren der drei mit sich trägt.
Davor steht aber noch ‘Someday’. wieder einer der ganz großen, dem Mainstream gar nicht so abgeneigten, Momente zu denen Matthew Vasquez fähig ist. Wer seine Band Delta Spirit nicht kennt, sollte sich umgehend das Debüt zulegen. ‘Mom And Dad’ gibt dann kurz vor Schluß noch einen Einblick in das Familienleben des Deer Tick-Sängers, der nicht nur das Reibeisen kann.
Leider gibt es mit ‘Middle Brother’ und ‘Me, Me, Me’ zwei verzichtbare Honky Tonk Songs, die eines der schönsten Alben des Jahres ein ganz kleines bisschen weniger herrlich erstrahlen lassen, aber dass drei so begnadete Songwriter zusammen gefunden haben und gleich 10 wahnsinnige Perlen erschaffen haben, lässt diese Sache zu einem Jammern auf sehr hohem Niveau verkommen. (Partisan Records)
Kategorie: About Albums
Kommentare
Bon Iver - Bon Iver
veröffentlicht am 1. August 2011 von Jörg
Nach gespanntem Warten ist ja nun vor ein paar Wochen das zweite Bon Iver – Album erschienen und es grenzt schon fast an ein Phänomen, wie viele Lorbeeren über dieses doch recht durchschnittliche Werk ausgeschüttet werden. Waren diese beim Debüt “For Emma, Forever Ago” noch völlig verdient, da es sich sehr wohl um ein sehr schönes und eigenständiges Kleinode handelte, so trifft das fürs Zweitwerk leider nicht zu.
Schon in den Albumtitel mag man mangelnde Kreativität hinein interpretieren und auch wenn einige Kritiker meinen, dass man diesem vor allem anhört, dass es einer Arbeit der gesamten Band entsprang, so ist das entweder der Nachteil oder einfach nicht ganz wahr, denn letztlich ist Bon Iver nun mal Justin Vernon, der sich für das Debüt noch alleine in eine Waldhütte zurück gezogen hat, um seinen Liebeskummer zu verarbeiten.
Da fällt mir folgende Frage ein: Warum ist bei vielen Songwritern die Geschichte den Menschen wichtiger als die Musik? Paradebeispiel ist da auch William Fitzsimmons, den der Mainstreammob euphorisch abfeiert, da seine Geschichte und der Rauschebart nun mal das Markante an ihm sind, die Songs dagegen relativ austauschbar.
Dagegen hat Justin Vernon alias Bon Iver schon viel mehr etwas wie einen eigenen Stil und die Atmosphäre des neuen Albums ist keine kühle, vielmehr strahlt es eine angenehme Schönheit aus und auch die Instrumentierung wie z.B. bei ‘Hinnom, Tx’ ist anders. Positiv lässt sich auch anmerken, dass es homogen ist und nicht nervt, d.h. ein Album, das man sich häufig anhören kann, nur leider bleibt da wenig hängen und genau das ist mein Hauptkritikpunkt: WO SIND DIE SONGS HIN?
Klar mag es nicht schick sein, Bon Iver oder William Fitzsimmons zu kritisieren, vielmehr sollte man sich freuen, dass derartige Musik überhaupt diese Erfolge feiern kann und natürlich lässt sich schwer in Zeilen fassen, warum man den einen Singer/Songwriter lieber mag als den anderen. Das Problem ist nur, dass die wirklich genialen Songwriter weniger ihre Geschichte in den Vordergrund rücken und der Sog der Melancholie oder Niedergeschlagenheit immer stärker wird. (4AD)
Kategorie: About Albums
Kommentare

