Okkervil River - I Am Very Far
veröffentlicht am 20. Mai 2011 von Jörg
Man kennt das ja – letztes Album hat mich irgendwie nicht so begeistert und so wartete ich mit gespannter Skepsis, was mich wohl vom sechsten Album der Männer um Will Sheff erwarten wird.
Albumcover natürlich erwartet düster, stammt es doch wie immer von fast Namensvetter William Schaff und so hoffte ich schon auf ein zweites “Black Sheep Boy”, ihrem bisher besten Album aus dem Jahre 2005. Weit gefehlt, denn kaum startet der Opener ‘The Valley’ werde ich eines fröhlicheren belehrt. Diese neue Uptempo-Fröhlichkeit klingt nach Aufbruch und auch wenn sich der Richtungswechsel mit “The Stage Names “ und “The Stand Ins” ankündigte, so können diesmal auch die Songs mithalten.
Einige mögen kritisieren, dass Elemente wie Folk und Indie irgendwie auf der Strecke geblieben sind, aber Okkervil River steht das neue Gewand nun mal sehr gut und der großartige Gesang Sheffs lässt selbst die Single ‘Pirates’ nicht zu glatt werden. “I Am Very Far” bietet so viele gute Songs, dass einem das Lachen nicht vergehen wird, sei es die schon erwähnten oder auch ‘Rider’, das kompositorisch starke ‘We Need A Myth’ oder das treibende ‘Wake And Be Fine’. Natürlich gibt es hier nicht nur Vollgas, denn dies würde ja den dramatischen Faden nicht zu Ende spinnen und neben dem balladesken ‘Hanging From A Hit’ sticht besonders ‘Show Yourself’ heraus, da es sowohl Soul- als auch Krautrockelemente hat, die eher untypisch sind, fängt es doch harmlos an, artet es zum Schluß aus.
Die opulente Instrumentierung und warme Produktion bettet die Songs in ein grandios einmaliges Gewand und vielleicht ist das düstere Cover ein notwendiger Kontrast, da zu viel Schönheit auch nicht immer leicht zu ertragen ist, oder?
Ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass Will Sheff aka Okkervil River, denn eigentlich ist es sein Baby und die anderen Musiker werden erst dann rekrutiert, wenn alle Songs geschrieben sind, noch mal ein großes Album raushauen kann und das, ohne sich auf seinen musikalischen Lorbeeren auszuruhen. Viele Künstler & Bands haben vorgemacht, dass ihnen die Entwicklung von melancholischen zu positiveren Songs meistens nicht gelingt, da es ihnen zu gut geht und daraus wohl selten Kunst entstehen kann, aber “I Am Very Far” belehrt uns eines besseren. (Jagjaguwar)
Kategorie: About Albums
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Krachkeks-Kolumne Folge 54 "musikexpress."
veröffentlicht am 15. Mai 2011 von Jörg
Was gibt es schlimmeres als alternde Männer, die “hip” sein wollen? Zugegeben, ich bin nun auch bereits 41 Jahre alt, aber im Gegensatz zu fast der gesamten Redaktion oben genannten Magazins, möchte ich nicht hip sein, weil es doch viel zu anstrengend wäre und ich ja zum Glück auch kein Magazin verkaufen muss. Die Herren des musikexpress. (schon beim Logo mit dem Punkt am Ende könnte ich kotzen!) dagegen schon, denn als Teil des bösen Axel Springer Verlages haben sie nun mal die Aufgabe, die im Gegensatz zum viel besseren Rolling Stone jüngere Zielgruppe zu erreichen und da man sich dazu nicht die “Szene” ins Haus holen wollte, musste man aus diesen alten Herren halt Szene machen.
Klar kann man mit dem neumodischen Layout und der üblichen Modestrecke à la Intro (siehe vorherige Kolumne…) schon ein bisschen in der Verjüngung erreichen, aber es mussten auch redaktionelle Veränderungen her und warum nicht einfach den Rezensionenmann Koch nur noch schlechten Elektro gut finden lassen, denn somit ist meistens auch das “Album des Monats” in hipper Hand, und einen Herrn zum Chefredakteur machen, der nicht annähernd in Verdacht geraten kann einen guten Musikgeschmack zu haben, denn erstens ist er mit “DJ-Legende” Paul van Dyk befreundet und zweitens für Magazine wie Max und Park Avenue tätig gewesen und zuletzt als Chefredakteur mit der deutschen Vanity Fair baden gegangen. Nun packt man noch Lady Gaga aufs Cover und fertig ist die neue “Hipness” im deutschen Musikmagazine-Markt.
Diesmal haben sie dann noch einen freien Redakteur zum SXSW-Festival nach Austin geschickt, der wohl zum ersten mal die USA besuchen durfte und sich erstmal zeilenlang darüber auslassen muss, dass es doch unfair ist, ohne ID nicht in einen bestimmten Club gelassen zu werden – guten morgen lieber Eric Pfeil, aber auch wenn diese Regel, neben vielen anderen in den USA, natürlich Schwachsinn ist, so solltest du daran auch für evtl. Besuche in L.A., Seattle oder New York denken und Sprüche wie “das war aber auch in anderen Clubs kein Problem” einfach sein lassen.
Wie passt dann aber das Nachlaufen von pseudo-hippen Kids damit zusammen, dass er gar keine neuen Bands entdecken möchte, sondern dem Mob zu The Strokes, Bright Eyes und Konsorten folgt und seinen 3-seitigen (!) Artikel von noch älteren Helden als der Redakteur wie J Mascis, Roky Erickson und Edwyn Collins dominieren lässt.
Also, lieber musikexpress. tut uns doch alle einen Gefallen und biedert euch nicht dermaßen einer Zielgruppe an, die es zum einen mit dem Lesen von Musikmagazinen eh nicht so hat und euch zwecks mangelnder authentizität nur auslachen würde.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Sir Simon - Goodnight, Dear Mind...
veröffentlicht am 6. Mai 2011 von Jörg
Als ich das neue Album von Sir Simon bekommen habe, lag da ein Zettelchen bei mit dem Wortlaut “Hier für dich…nimm mit in die USA…da kommt’s ja auch irgendwie her.” Natürlich lächelte ich wissend in mich hinein, denn diese fast schon selbstironischen Zeilen findet man in unserem Land doch eher weniger und wer das vor drei Jahren erschienende Debüt “Battle” nicht kennt, wird vielleicht auch nie erfahren, worum es hier geht, denn Simon verleugnet nicht, dass er Bands wie Death Cab For Cutie, The Shins und andere aus dem Nordwesten der USA liebt und genau diese liebe ich auch….
Zum Glück kann man seiner Musik in keinster Phase den Vorwurf eines Plagiats machen, vielmehr versetzt er den Hörer auch mit dem neuen Album “Goodnight, Dear Mind…” in eine andere, schönere Welt. Eine glückliche Fügung ist dabei, dass er als einer der Wenigen weiß, wie man diese warme und melancholische Stimmung auch soundmäßig hinbekommt, so dass er gemeinsam mit Tobias Siebert die Produktion im eigenen Studio gleich selbst gemacht hat, wofür ihm großes LOB gebührt. Trotzdem hoffe ich, dass er in Zukunft nicht ausschließlich als Produzent für andere arbeitet, sondern weiter seine Songs schreibt, weil er es muss!
Wenn man dem neuen Album überhaupt einen Vorwurf möchte (macht ja auch Spaß), dann vielleicht den, dass die zehn Songs auf den ersten “Blick” keine so wirkliche Überraschung bereit halten, aber Sir Simon möchte halt auch weniger eine Rockband sein und so geht es vielmehr auch um die Stimmung, die ein Album ausstrahlt und verbreitet. Dazu trägt die Instrumentierung vorzüglich bei, nur muss man sich auf diese einlassen, denn viel Spannendes entdeckt man halt nicht beim Nebenbeihören, sondern wenn man sich in Ruhe mit ein paar Bierchen – ich hasse Wein, auch wenn das angeblich besser zur Musik passen mag – der Musik hingibt.
Der Titeltrack ‘Goodnight, Dear Mind…’ ist nun mal das höchste der Uptempo-Gefühle im Sir Simon – Klangkosmos und das ist gut so, wird bestimmt die vermeintliche Single sein…wenn dann beim anschließenden ‘1993’ die Trompete erklingt, werdet ihr verstehen, wie gut das Album ist, wenn es die nötige Zeit bekommt, denn es möchte langsam und nicht schnell entdeckt werden – SLOW, entschleunigt euer Leben!
‘Birthday, Christmas, New Year’ kennen viele schon, erstrahlt hier aber in neuem Glanz und mit ‘Make Them Sing’ und ‘Something To Write Home About’ erreicht das Album eine entspannte Leichtigkeit, die in ein melancholisches (da ist das Wort wieder) Gewand gepackt den Sonnenuntergang einläutet, bevor ‘Goodbye’ dem ein mehr als würdiges Ende setzt.
Schon faszinierend, dass ein so schönes, ruhiges, songwriterisches, “slowes”, trotz US-Vorbildern huldigend eigenständiges, warmes und emotionales Album in einer hippen, beschleunigten und manches Mal bescheuerten Metropole wie Berlin entstehen konnte. (Strange Ways)
Kategorie: About Albums
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"About Songs" heute wieder auf Byte FM
veröffentlicht am 4. Mai 2011 von Jörg
Alle vier Wochen gibt es “About Songs” auch im Radio und so hoffe ich, dass ihr auch dieses Mal wieder dabei seid.
Back from Seattle! Natürlich geht es heute darum, euch ein paar neue, tolle Bands und Alben vorzustellen, denn es gab auch diesmal einiges zu entdecken – also, seid gespannt und hört einfach mal rein.
Also, wie immer heute um 23 Uhr, damit ihr besser schlafen könnt.
hier zu hören und natürlich freue ich mich, wenn ihr wieder “einschaltet” und bin für jedes Feedback dankbar.
Kategorie: About Songs Radio Show
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