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Veröffentlichung: 22. August


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"Reeperbahnfestival 2009"



Das vierte Reeperbahnfestival liegt nun gerade hinter uns und neben der Tatsache, dass zumindest ich mich erstmal ein bisschen ausruhen muss, darf natürlich ein Resümee nicht fehlen, auch wenn mein Geist noch nicht wieder bei 100% ist.

Zunächst einmal musste ich schon vorher feststellen, dass das diesjährige Line-Up einfach nicht mit dem der letzten beiden Jahre mithalten konnte, was natürlich viele anders sehen mögen und meinem persönlichen Geschmack geschuldet ist. Klar muss es auch gewisse “Headliner” geben, damit auch die größeren Locations wie D-Club/Docks und Große Freiheit gefüllt sind. Die Editors, die ja nun leider langweilig sind und an jeder Gießkanne spielen, reichen aber nicht mal für ein Gähnen – Dinosaur Jr. sind sogar alte Helden von mir und auf Platte können sie mit ihren beiden letzten Alben auch durchaus überzeugen, aber live sind sie halt noch viel schlechter als früher. Bei Deichkind spielen Songs natürlich gar keine Rolle, aber trotzdem sind sie beim Party-Volk da drauße natürlich eine Bank.

Klar gab es auch ein paar Perlen zu entdecken, aber leider halt ein paar wenige, denn die meisten, u.a. Asteroids Galaxy Tour oder Katzenjammer (nomen est omen) , konnten den Vorschusslorbeeren, die über sie ausgegossen wurden, leider nicht gerecht werden.

Die Organisation war aus meiner Sicht gut, das “Reeperbahn-Campus” dagegen leider nicht. Mein Besuch zweier Panels mag nicht unbedingt repräsentativ sein, aber diese beiden waren einfach nur schlecht. Zum einen zog es mich zum Thema “Best Of International Popförderung”, wo sich erstmal 8 (!) Repräsentanten der Export-Büros vorstellten und kurz was zu ihren Organisationen sagten, was natürlich viel, viel zu lang war, was bei 8 Teilnehmern aber auch vorher klar war. So zog sich die Veranstaltung wie ein Kaugummi hin und eine Diskussion mochte nicht aufkommen.

“Cashcow Live” war der plakative Titel meines zweiten Panels, welches noch viel schlechter werden sollte, denn hier spielten sich ein paar “Alt-Veranstalter” so ein bisschen harmlos die Bälle zu, waren naheliegender Weise meist einer Meinung und da nicht ein “Nicht-Veranstalter” dabei war, versuchten sich die Anwesenden sogar noch in die Rolle von Labels hineinzuversetzen. Der Moderator war leider auch völlig überfordert und als ein Dortmunder Klassik-Veranstalter dann noch sein recht ideenloses Konzept ausbreitete, verließ nicht nur ich diese brotlose Veranstaltung.

Vielleicht verstehe ich Panels ja falsch, aber eine gewisse Diskussionsgrundlage sollte thematisch einfach vorgegeben sein und außerdem MUSS die Zusammensetzung der Panel-Teilnehmer dann einfach sinnvoll sein, was leider null der Fall war, damit eine Diskussion entfacht wird, der Zuhörer nicht gelangweilt ist und hoffentlich verschiedene Ansätze und Sichtweisen mit nach Hause nimmt.

Ein kleiner Wehrmutstropfen war außerdem noch die Tatsache, dass es die Macher des Reeeperbahnfestivals leider wieder nicht hinbekommen haben, tagsüber für eine Belebung des Spielbudenplatzes zu sorgen. Das ist auch sicher nicht leicht, da es beim Vorbild-Festival SXSW in Austin nun mal auch wärmer ist, aber hier gilt es, neue Ideen zu verwirklichen, damit die tollen Flatstock-Poster-Macher nicht wieder ganz alleine sind.

So, genug gemeckert, denn ich freue mich ja trotzdem auf das nächste Mal und hoffe, dass meine Meinung ein kleiner Beitrag einer Diskussion darstellt, wie man einen nächsten Schritt in die doch eigentlich richttige Richtung macht.

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Benedict Wells - Spinner



Nur allzu selten geht es hier um Bücher und das ist eigentlich eine Schande, aber das liegt mitnichten daran, dass der Rezensent hier wenig liest, sondern viel eher, dass der Gedanke über Bücher zu schreiben noch viel schräger ist als über Platten zu schreiben.

Da es aber in unserem Lande nur sehr wenige, mir bekannte “Nachwuchsliteraten” gibt, die es wert sind, erwähnt zu werden, ist es um so wichtiger diese raren Exemplare entsprechend zu würdigen. Dieses gilt fast uneingeschränkt für den 25-jährigen Benedict Wells, der im letzten Jahr mit “Becks letzter Sommer” ein beachtliches Debüt hinlegen konnte und nun den Nachfolger “Spinner” unter das Lesevolk bringt.

Dass in fast jedem Buch auch Autobiographisches steckt, ist kein Geheimnis, nur wissen wir meist nicht, wie sich die Grenzen ziehen, da man eher selten den Autor zu nah an sich ranlässt und diese Spezies meist nur in Ausnahmen zu seinem Freundeskreis gehört, obwohl doch heute fast jeder die Vision hegt, ein Buch zu schreiben und vielleicht noch den Größenwahn sein eigen nennt, dass da draußen jemand genau auf jenes wartet.

“Spinner” ist Jesper Lier, 20 Jahre alt und Scheinstudent im Moloch der kreativ Gescheiterten, besser bekannt als Berlin. Zum Glück ist das Buch aber weder ein Loblied auf, noch eine Hass-Tirade über die Stadt, denn diese spielt eine gesunde Nebenrolle. Lier macht sich das leben mit seinen Freunden Gustav und Frank alles andere als leicht und natürlich ist dies ein Buch über das Erwachsenwerden und den damit verbundenen Fragen und vermeintlichen Helfern wie Alkohol und Zynismus, die dann doch nicht immer die besten Begleiter sind. Die tragische Beziehung zum One-Night-Stand Miriam – “ich liebe die Frauen, aber sie mich nicht”, das Praktikum bei einer Berliner Tageszeitung, die Fertigstellung eines viel, viel zu langen Buches namens “der Leidensgenosse” samt späterer Verbrennung und Demütigung sowie das Dahinvegetieren in einer versifften Souterrain-Wohnung schildert Wells in unglaublicher Weise.

Tempo, Emotionen, Wendungen und großartige Formulierungen scheinen ihm leicht von der Hand zu gehen und so sehr es hier um Jugendliche geht, so entdeckt jeder etwas von sich und kann die eine oder andere Träne vergiessen, ohne sich zu schämen. Dabei versteckt er dann sogar ein paar weise Philosophien in zitierfähige Sätze, von denen ich drei unbedingt erwähnen muss:

“Es ist immer besser, etwas zu bereuen, was man getan hat, als etwas, was man nicht getan hat.”
“Biehler meinte, die Musik wäre früher besser gewesen. Aber nichts war früher besser, dachte ich, gar nichts. Er war damals nur jünger.”
“Doch es gibt Fehler, die notwendig sind. Manchmal muss man ein kleines bisschen sterben, um wieder ein wenig mehr zu leben.”

Seit “Spinner” kann ich zumindest sagen, dass ich mit Spannung auf das neue Werk von Wells warte und ihn sogar als einen der wenigen deutschen Hoffnungen am Literatenhimmel sehe und somit nur hoffen kann, dass er nicht in Klischees verfällt und sich nie vor seiner Leidenschaft ängstigt. (Diogenes)

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