Krachkeks-Kolumne Folge 50 "Popkomm 2009"
veröffentlicht am 29. Juni 2009 von Jörg
Schon gehört, dass die Popkomm in diesem Jahr ausfällt? Nein, eh noch nie von der Popkomm, der doch größten europäischen Musikmesse, gehört?
Im Gegensatz zu anderen Branchen, unterliegt die Musikbranche zum Glück noch immer eher einer Emotionalität und das ist auch gut so. Oftmals wird uns zwar mangelnde Professionalität vorgeworfen, was hier und da sicher nicht von der Hand zu weisen ist, und so geht es hier um ein wunderbares Beispiel, wie man sich lächerlich macht und dass es nicht immer gut ist, eine Musikmesse von Menschen veranstalten zu lassen, die sich eher selten bis nie mit Musik und der Eigenheit dieser Branche befasst haben.
Die Popkomm ist nun mal im Gegensatz zu Industriemessen oder meinetwegen noch der Midem eine reine “Socialising-Veranstaltung”, wo es in keinster Weise um bestimmte Geschäftsabschlüsse geht oder darum, sein Produkt besonders prägnant auf eben dieser Messe zu präsentieren. Das ist den meisten nicht neu, nur wurde dieser Tatsache auch auf früheren Popkomms eigentlich nie Rechnung getragen. Das waren aber die guten alten Zeiten, in denen vor allem Majors noch einen Wettstreit um den größten und spektakulärsten Stand machten. Dies ist jetzt zum Glück schon seit längerem nicht mehr der Fall.
Schon länger der Fall ist dagegen, dass es unserer geliebten Branche wirtschaftlich nicht so richtig gut geht, weshalb der Rückgang von Ausstellern auf der Popkomm auch in dem Ausmaße sicher nicht verwunderlich ist. So konnte dies nicht der alleinige Grund in der Pressemitteilung sein, denn dann hätte sich ja jeder gefragt, warum man nicht grundsätzliche Änderungen des Konzeptes vorgenommen hat. So wurde alles mal wieder auf die böse Internet-Piraterie geschoben, die sicher alles andere als ein Kavaliersdelikt ist, aber nun auch nicht wirklich so akut, dass man 3 Monate vor der Messe dies zum Grund der kurzfristigen Absage machen kann.
Die elegante Lösung hätte so ausgesehen, dass man die Messe an sich einfach tatsächlich abgesagt hätte, vor allem, um an einer konzeptionellen Neuorientierung zu arbeiten, die sich in der heutigen Musikwelt nicht lächerlich macht, und das musikalische Abendprogramm als “Musikfestival” weiter in den Vordergrund gerückt hätte, wo es eigentlich auch hingehört. So hätten sich die Veranstalter sogar noch auf die Fahnen schreiben können, dass endlich wieder die Musik im Vordergrund steht und alles andere Beiwerk ist und nicht umgekehrt. Genau so ist es nämlich bei allen anderen ähnlichen Veranstaltungen wie SXSW in Austin, Eurosonic in Groningen oder dem Spot-Festival in Arhus auch.
Kaum kam das sehr negative Feedback auf die Popkomm-Absage, kroch auch Tim Renner wieder aus seinem Lobbyisten-Loch, um sich als Heilsbringer zu präsentieren, der erstmal den Mund ganz weit aufreisst, um sich danach mal Gedanken über ein Konzept zu machen.
Ich glaube an eine gewisse Art der Selbstregulierung und kann nur hoffen, dass sich die Popkomm mal Gedanken macht, dass man eine derartige Musikmesse einfach nicht braucht und in andere Richtungen denkt. Ideen habe ich genug, aber mich fragt ja keiner….
Ansonsten wird es bestimmt trotzdem das eine oder andere schöne Konzert im September geben!
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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