Krachkeks-Kolumne Folge 47 "aufregen"
veröffentlicht am 16. Februar 2009 von Jörg
Nun ist der letzte Krach nun auch schon eine ganze Weile verraucht, der Thailand-Urlaub liegt hinter und mein Musik-Trip in die USA vor mir und ihr braucht keine Angst zu haben, dass ich lange suchen müsste, um wieder etwas zu finden, über das ich mich aufregen und hier auslassen könnte…
Wobei ich mich gerade frage, ob es sich denn überhaupt lohnt, sich noch über die hiesige Musikszene oder Musik generell aufzuregen. Braucht irgendjemand einen Verriss über des diesjährigen “Bundesvision Song Contests”? Wohl kaum, wenn ein Pseudo-Skandal drumherum für mehr Schlagzeilen sorgt als die meist wirklich üblen Darbietungen, von denen ich Peter Fox hier natürlich ausnehmen möchte.
Vielmehr rege ich mich diesmal darüber auf, dass sich kaum noch jemand aufregt und sich vielmehr seinem Schicksal ergibt und so das Phänomen der Angst vor dem Auffallen um sich zu schlagen scheint. Irgendwie ist es doch aber sehr langweilig, sich nicht mehr aufzuregen, genauso langweilig wie die neuen Alben von Franz Ferdinand und Mando Diao zum Beispiel. Meine Frau hat zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch ich irgendwann in mir selbst ruhen werde, aber will ich das denn überhaupt?
Klar mag das sich aufregen in meinem Leben eine etwas zu dominante Rolle spielen und ich sehe ein, dass es Bereiche gibt, in denen sich aufregen noch sinnloser ausnimmt als in anderen Bereichen, denn sich im Autoverkehr wie ein Irrer zu gebaren, ist halt nicht wirklich schlau und möchte ich auch abstellen. Zur Zeit bin ich so gut wie geheilt, auch wenn es damit zusammen hängen mag, dass ich gerade so gut wie gar nicht mehr Auto fahre.
Trotzdem möchte ich mich über Fussball, Politik oder halt Musik weiter aufregen können und dürfen, denn wer braucht schon Abende im Kreis von Freunden, die alle lieb zu einander sind? Ich möchte keine netten Abende haben. Ich möchte mich aber auch nicht jeden Abend streiten und krampfhaft provozieren – darum geht es nicht, auch wenn es oft Spaß macht, einfach mal den Contra-Part zu spielen und bei allem eine gegenteilige Meinung zu vertreten, selbst wenn man die Meinung des anderen teilt. Solltet ihr mal probieren, denn ein langweiliger Abend hat so doch spannende Momente und wenn ihr ohne Harmonie nicht schlafen könnt – ich kann auch mit Harmonie nicht schlafen – könnt ihr dem anderen zum Abschied ja doch noch recht geben.
Ich liebe Abende oder Mittage oder was immer für Tageszeiten, die mich Menschen von einer anderen Seite kennen lernen lassen und ich mich selber im Überraschtsein ertappe, denn diese Augenblicke regen mich wiederum zum Nachdenken an und so geht es bei mir dann von Vision zu Vision, derer ich leider wirklich viele habe, denn Visionen, die nicht umgesetzt werden, nennt man irgendwann zurecht “Hirngespinste” und je weniger man diese umsetzt, um so depressiver wird man natürlich.
Beneide ich vielleicht deswegen Leute, die sich keine Gedanken machen, in sich ruhen, entspannen können und sich im Vermeiden von Konflikten und Diskussionen bequem eingerichtet haben, sich höchstens über materielle Dinge Gedanken machen? Vielleicht ab und zu, denn die Welt mag für diese Menschen einfach weniger komplex, ignorant und stupid erscheinen, aber wer nicht polarisiert, diskutiert oder einfach mal den Kontroversen spielt und sich stundenlang über Träume und Visionen unterhält, wird einfach nie erfahren, was es heißt, Emotionen zu spüren und zu erleben.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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