Krachkeks-Kolumne Folge 48 "Mando Diao auf 1"
veröffentlicht am 25. Februar 2009 von Jörg
Lange habe ich überlegt, ob ich tatsächlich in dieser Kolumne über eine singulare Band herziehen soll oder ob das nicht zu billig wäre und eigentlich eher zu den Plattenkritiken gehört. Da es mir aber bestimmt nicht nur um ihr neues Album geht und das neue Album auf Platz 1 der Charts eingestiegen ist, scheint diese schwedische Band bei vielen Leuten eine gewisse Relevanz zu haben.
Dass ich kein Freund von Mando Diao bin, wird hier nicht überraschen und wird sich durch die kommenden Zeilen gewiss nicht leugnen lassen. Quantität steht bei den Schweden schon lange im Vordergrund und so stehen sie mit dem fünften Album in fünf Jahren nun auf dem Zenith ihres Erfolges, den ich ihnen hier nur teilweise neiden möchte, denn zum einen ist das neue Album gar nicht mal nur schlecht und zum anderen gibt es vieles auf Platz 1 der deutschen Charts, was im Zweifel noch viel schlechter ist.
Komisch ist nur, dass Mando Diao in genau drei Ländern Erfolg haben und obwohl sie in England und USA schon wirklich alles probiert haben, will da keiner etwas von ihnen wissen. Die drei Länder, in denen es klappt, heißen überraschender Weise Schweden, Deutschland und Japan, wobei letzteres Land ja eh nur das adaptiert, was Europäer musikalisch vorkauen. Da stellt sich die Frage, was diese drei Länder in einer Band sehen, die nicht nur wie ein Plagiat aus den 60er und 70er aussieht, sondern wie man dem neuen Album “Give Me Fire” (schon der Albumtitel…) anhört, auch genau so klingt. Dabei sind sie musikalisch gar nicht mal eine schlechte Kopie und wie wir wissen kommt man mit Eigenständigkeit eh nie auf Platz 1 der Charts und immerhin gibt der Erfolg einem doch recht, oder?
Kommerziell gesehen vielleicht schon, aber ich finde es unglaublich, dass man nach fünf Alben noch immer keinen künstlerischen Anspruch an den Tag legen möchte/kann und diesen vielleicht sogar verweigert, was dann schon wieder originell wäre, aber dem Intellekt der fünf Schweden bestimmt nicht so ganz entspricht. Wir Deutschen ticken ja auch recht einfach, was Musik angeht und finden Schweden immer sympathisch, auch wenn sie eine große Schnauze haben und sich entsprechend kleiden. Stelle sich einer doch mal vor, Mando Diao wären gar keine Schweden, sondern Deutsche….
Nun darf man ihnen aber ein gewisses Durchhaltevermögen und das Gespür für das deutsche Volk attestieren und dieses ist ja nicht wirklich für Innovationen bekannt, schon gar nicht in der Musik oder im Musikgeschmack, weswegen wir ja meistens das toll finden, was in anderen Ländern schon erfolgreich ist, d.h. eigentlich sidn wir da auch nicht besser als die Japaner. Kann man den Majors wie EMI, das alte Label der Band, oder Universal aus meiner Sicht denn einen Vorwurf machen, dass sie die schreckliche Single ‘Dance With Somebody’ der Band nicht gleich um die Ohren gehauen haben?
Natürlich nicht, denn aus ihrer wirtschaftlichen Sicht kann der Erfolg kaum genug gefeiert werden, denn so mir nichts dir nichts mal eben beim 5. Album den ersten wirklichen Single-Hit der Band zu kreieren, ist aller Ehren wert und einem Major geht es nicht darum, qualitativ hochwertige Musik in einer Kleinstnische zu vermarkten.
Für mich bleiben Mando Diao eine höchst durchschnittliche, wenig authentische Kapelle, die sich vier Jahre lang angeguckt hat, wie das deutsche Volk so tickt, um ihnen dann mit ‘Dance With Somebody’ den banalen Durchschnitt quasi auf den Leib zu schneidern und das ist ihnen immerhin gelungen!
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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J. Tillman - Vacilando Territory Blues
veröffentlicht am 20. Februar 2009 von Jörg
Schon komisch. Da hat Josh Tillman bereits vier Alben quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit an eben diese versucht zu bringen und kaum heuert er als Drummer bei seinen Freunden von den Fleet Foxes an, deren Debüt völlig zurecht mit Lorbeeren überschüttet wurde, und nun erscheint sein neues Album im medialen Lichte. Laut Selbstaussage war “Vacilando Territory Blues” aber eine schwere Geburt, da er nicht nur eine gewisse Anspruchshaltung von außen wahrnahm, sondern seine eigene Erwartung an sich nicht so leicht abzuschütteln war.
Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich ihn als Support für die grandiose Jesse Sykes in Hamburg sehen dürfen und seine sonore Stimme hatte mich derart gefangen, dass ich ihm gleich mal alle vier Alben abgekauft hatte. Das zweite Mal begegnete ich ihn in Austin beim SXSW-Festival im vergangenen Jahr bei einem Konzert der Fleet Foxes, wo er allerdings noch im Publikum und nicht Teil der Band war. Meine dritte und letzte Begegnung war dann im Rahmen eines Interviews mit ihm auf der letzten Fleet Foxes- Tour, schon eine lustige Entwicklung…
Nun also das fünfte Album, welchem man die Mühe und Arbeit durchaus positiv anmerkt. Natürlich ist es immer noch ziemlich intim reduzierte Singer/Songwriter -Musik und der Gesang wieder schön voll und warm, so als ob er hier im Raum stehen würde, aber das Songwriting an sich ist wesentlich besser geworden, so dass J. Tillman nun in die erste Riege seiner Kollegen aufgestiegen ist. Dazu trägt auch die Produktion und Instrumentierung bei, denn genauso wünsche ich mir eine Singer/Songwriter-Platte und genauso bekommt man diese Musik in Europa nicht hin. So hört man grandiose Songs wie ‘No Occasion’, ‘Steel On Steel’, ‘Laborless Land’ oder ‘Barter Blues’ und mag sich nebenbei kaum bewegen, um sich ganz der atmosphärischen Melancholie hinzugeben.
Scheinbar liegt es ihnen einfach mehr im Blut, denn wie hier Akustikgitarre, Klavier oder auch mal Cello, Klarinette, Saxofon oder die Trommeln ein Bild ergeben, dem man sich nicht mehr entziehen kann, macht “Vacilando Territory Blues” zu einem wirklich schönen Album, auch wenn das Blues im Titel eher etwas mit der Geisteshaltung als mit der Musik zu tun hat. (Bella Union)
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Krachkeks-Kolumne Folge 47 "aufregen"
veröffentlicht am 16. Februar 2009 von Jörg
Nun ist der letzte Krach nun auch schon eine ganze Weile verraucht, der Thailand-Urlaub liegt hinter und mein Musik-Trip in die USA vor mir und ihr braucht keine Angst zu haben, dass ich lange suchen müsste, um wieder etwas zu finden, über das ich mich aufregen und hier auslassen könnte…
Wobei ich mich gerade frage, ob es sich denn überhaupt lohnt, sich noch über die hiesige Musikszene oder Musik generell aufzuregen. Braucht irgendjemand einen Verriss über des diesjährigen “Bundesvision Song Contests”? Wohl kaum, wenn ein Pseudo-Skandal drumherum für mehr Schlagzeilen sorgt als die meist wirklich üblen Darbietungen, von denen ich Peter Fox hier natürlich ausnehmen möchte.
Vielmehr rege ich mich diesmal darüber auf, dass sich kaum noch jemand aufregt und sich vielmehr seinem Schicksal ergibt und so das Phänomen der Angst vor dem Auffallen um sich zu schlagen scheint. Irgendwie ist es doch aber sehr langweilig, sich nicht mehr aufzuregen, genauso langweilig wie die neuen Alben von Franz Ferdinand und Mando Diao zum Beispiel. Meine Frau hat zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch ich irgendwann in mir selbst ruhen werde, aber will ich das denn überhaupt?
Klar mag das sich aufregen in meinem Leben eine etwas zu dominante Rolle spielen und ich sehe ein, dass es Bereiche gibt, in denen sich aufregen noch sinnloser ausnimmt als in anderen Bereichen, denn sich im Autoverkehr wie ein Irrer zu gebaren, ist halt nicht wirklich schlau und möchte ich auch abstellen. Zur Zeit bin ich so gut wie geheilt, auch wenn es damit zusammen hängen mag, dass ich gerade so gut wie gar nicht mehr Auto fahre.
Trotzdem möchte ich mich über Fussball, Politik oder halt Musik weiter aufregen können und dürfen, denn wer braucht schon Abende im Kreis von Freunden, die alle lieb zu einander sind? Ich möchte keine netten Abende haben. Ich möchte mich aber auch nicht jeden Abend streiten und krampfhaft provozieren – darum geht es nicht, auch wenn es oft Spaß macht, einfach mal den Contra-Part zu spielen und bei allem eine gegenteilige Meinung zu vertreten, selbst wenn man die Meinung des anderen teilt. Solltet ihr mal probieren, denn ein langweiliger Abend hat so doch spannende Momente und wenn ihr ohne Harmonie nicht schlafen könnt – ich kann auch mit Harmonie nicht schlafen – könnt ihr dem anderen zum Abschied ja doch noch recht geben.
Ich liebe Abende oder Mittage oder was immer für Tageszeiten, die mich Menschen von einer anderen Seite kennen lernen lassen und ich mich selber im Überraschtsein ertappe, denn diese Augenblicke regen mich wiederum zum Nachdenken an und so geht es bei mir dann von Vision zu Vision, derer ich leider wirklich viele habe, denn Visionen, die nicht umgesetzt werden, nennt man irgendwann zurecht “Hirngespinste” und je weniger man diese umsetzt, um so depressiver wird man natürlich.
Beneide ich vielleicht deswegen Leute, die sich keine Gedanken machen, in sich ruhen, entspannen können und sich im Vermeiden von Konflikten und Diskussionen bequem eingerichtet haben, sich höchstens über materielle Dinge Gedanken machen? Vielleicht ab und zu, denn die Welt mag für diese Menschen einfach weniger komplex, ignorant und stupid erscheinen, aber wer nicht polarisiert, diskutiert oder einfach mal den Kontroversen spielt und sich stundenlang über Träume und Visionen unterhält, wird einfach nie erfahren, was es heißt, Emotionen zu spüren und zu erleben.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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"About Songs" heute wieder auf Byte FM
veröffentlicht am 10. Februar 2009 von Jörg
Kaum zu glauben, aber die 4 Wochen sind schon wieder um und daher könnt ihr heute um 23 Uhr wieder bei “About Songs” einschalten.
hier zu hören und natürlich freue ich mich, wenn ihr “einschaltet” und bin für jedes Feedback dankbar.
Kategorie: About Songs Radio Show
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