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Krachkeks-Kolumne Folge 46 "Nostalgie"



Willkommen im neuen Jahr und da wir alle noch etwas träge und melancholisch sind, lasse ich den Krach auch noch etwas in der Tüte und merke, dass die Jugend mich doch schon sehr lange verlassen hat.

Neulich – ein Wort, das die Jugend sicher gar nicht mehr kennt – hörte ich mir das großartige Hörbuch zu “High Fidelity” (Nick Hornby) gleich zweimal hintereinander an und fühlte mich erneut so, als würde man da die ganze Zeit über mich reden. Das Buch, welches neben “A Long Way Down” sein bestes war, hatte ich vor Urzeiten gelesen und geliebt und wer den Film nicht mindestens einmal im Monat guckt, kann mein Leben nicht nachvollziehen. Ja, wahrlich nostalgische Momente treiben einem die Tränen in die Augen und natürlich war es schon immer mein Traum, genau so einen Plattenladen aufzumachen. Aber selbst dazu braucht man Geld und ein Label ist ja heute genauso brot- und sinnlos, denn die Jugend kauft einfach keine CDs mehr und weiß doch gar nicht, was für haptische Gefühle ihnen entgehen.

Wer kennt sie nicht, diese Erfahrungen, in einem gemütlichen Plattenladen auf der Suche nach Neuem zu sein? Dieser Geruch, diese Liebe in den Regalen, die gesunde Arroganz der Verkäufer, dieses Stöbern nach Emotionen? Nun, diese Art von Plattenläden gibt es hier in Deutschland leider so gut wie gar nicht mehr und inzwischen ist der hiesige Saturn zwar schlecht, aber immer noch besser sortiert als kleine Läden, was mich extrem nervt. Das ist übrigens ein Grund, warum ich mich auch dieses Jahr wieder auf nach Seattle und Portland mache, denn da gibt es diese Läden mit wohlriechenden Holzregalen noch und jedes Mal entdecke ich viel Schönes und Neues, was vielleicht nicht meine Frau, aber mein Herz erfreut.

Diese Wehmut, die mich dann erfasst, kann man wohl Nostalgie nennen und in depressiven Momenten fühlt es sich an wie der Tod, denn diese Momente sind äußerst rar und werden in den nächsten Jahren ganz aussterben, obwohl ich zumindest in meiner Generation – nein, ich bin nicht mehr 15 – vereinzelt den Wunsch nach gemeinsamen Lese- oder Spieleabenden entdecke und das ist ja ebenfalls eine Form von Nostalgie, auch wenn den Büchern und Brettspielen wohl noch eine längere Lebenszeit beschieden ist als den Tonträgern.

Kleiner Rückblick zu “High Fidelity”: Klar mag meine Frau den Film bzw. das Hörbuch auch gerne – sie liebt mich ja schließlich – aber oft muss ich den Film dann doch alleine gucken, da sie dieses Monatsritual einfach verweigert. Ich sage ihr dann immer, dass wenn meine Uraltfreunde, mit denen man ja bis auf diese Uraltfreundschaft meist nur noch wenige gemeinsame Leidenschaften teilt, sie mal fragen, wie sich der Jörg so entwickeln konnte, schenke ihnen einfach “High Fidelity” und vielleicht verstehen sie mich und mein Leben dann besser.

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