O.S.T. "Palermo Shooting"
veröffentlicht am 28. November 2008 von Jörg
Selten, sehr selten gibt es nennenswerte Soundtracks und aus Deutschland noch viel, viel seltener. Aus diesem Grunde hat es der neue Wim Wenders – Film “Palermo Shooting” mehr als verdient, hier besprochen zu werden. Ich bin zwar kein großer Wim Wenders – Fan und auch die schauspielerischen Talente eines Campino möchte ich hier eher unbewertet lassen, denn es soll ja schließlich um die Musik gehen.
Wim Wenders ist dafür bekannt, dass er sich die Musik und entsprechenden Künstler für seine Filme immer selbst aussucht und so ist diese dann auch weniger als roter Faden, sondern als subjektive Auswahl anzusehen. Nick Cave, ein guter Freund Wenders, trägt mit seiner Band Grinderman gleich zwei Songs zum O.S.T. bei, den zu sehr an ‘One’ erinnernden Opener ‘Dream (Song For Finn)’ und ‘Song For Frank’, die beide leider etwas durchschnittlich geraten sind. Daneben gibt es weitere exklusive, für diesen Film genutzte Songs, der vielleicht besten deutschen Newcomer Get Well Soon, deren ‘Busy Hope’ genauso zu den Highlights zählt wie Bonnie ‘Prince’ Billy & Matt Sweeney mit ‘Torn And Brayed’, was laut Wenders auch der eigentliche Titelsong ist.
Auch Ex-Vivid-Sänger Thom steuert mit ‘Beds In The East’ etwas Neues bei, was wirklich nicht nötig gewesen wäre und Monta mit ‘My Impropriety’ viel besser macht. Erwähnen sollte man, dass Irmin Schmidt, Kopf der legendären Band Can, hier quasi für die Score-Musik zuständig ist, The Velvet Underground mit ‘Some Kinda Love’ einen weiteren, tragenden Film-Song beitragen und Songs von Portishead, Iron & Wine, The Long Winters (leider mit einem ihrer schwächsten Songs), Calexico, Beirut und erneut Beth Gibbons dieses Soundtrack wirklich veredeln.
Sicher ist längst nicht jeder Song auf dem Soundtrack zu “Palermo Shooting” gelungen, aber trotzdem erreicht er eine gewisse Homogenität und stellt die ohnehin rar gesäten deutschen Filmmusikalben ohne Schwierigkeiten in den Schatten – sicher besser als der Film… (City Slang)
Kategorie: About Albums
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"About Songs"-Radioshow heute wieder!
veröffentlicht am 26. November 2008 von Jörg
Heute könnt ihr einer neuen “About Songs”-Sendung fröhnen und dies zum vorletzten Mal, da es diese auf Tide ab dem neuen Jahr nicht mehr geben wird.
Wie immer gibt es “About Songs” sowohl auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) hören, als auch im Netz. Den Download dazu gibt es entsprechend hier – 18-19 Uhr
Diesmal geht es um den Soundtrack zu “Palermo Shooting”, neuen Alben von Giant Sand, Wintersleep, Hayden, Chad Van Gaalen sowie diversen Live-Tipps.
Kategorie: About Songs Radio Show
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Wolf Parade im Übel & Gefährlich (Hamburg)
veröffentlicht am 24. November 2008 von Jörg
Das zweite Wolf Parade – Album “At Mt. Zoomer”, das dem ersten in nichts nachsteht, hatte ich hier ja bereits ausgiebig gewürdigt und nun war es auch endlich so weit, dass die Kanadier zum zweiten Mal in Hamburg halt machten – diesmal in der Stadt zur Zeit besten Club Übel & Gefährlich.
Über die Vorband Dag För Dag aus Schweden legt man besser den Mantel des Schweigens, denn das war sowohl optisch als auch musikalisch einfach schlecht und dilletantisch. Eine Sängerin, die tagsüber in einer Versicherung zu arbeiten scheint und deren schlechten modischen Geschmack man höchstens als Verkleidung bezeichnen konnte, Ausstrahlung und gesangliche Qualitäten gingen damit einher….
Dann kam das Quartett aus Montreal endlich auf die Bühne und waren ob der Reaktionen der Masse ziemlich angetan, was Dan Boeckner zu Dank hinriss, obwohl es nicht ganz die Wahrheit sagte, denn im Molotow bei ihrer ersten Hamburg-Show waren wesentlich mehr als drei Leute. Auch wenn der Sound etwas zu wünschen übrig ließ, so zählen Wolf Parade für mich zu eine der besten Bands überhaupt. Sie haben einen unglaublich eigenen Stil, der den Krautrock der 70er genauso zu huldigen scheint, wie die Synthie-Klänge der 80er und die Modest Mouse – artige Verschrobenheit der End-90er.
Was sie aber vor allem aus- und einzigartig macht, sind zwei gleichberechtigte Sänger, die beide sowohl von ihrem Gesang als auch von ihrer Art und dem Aussehen nicht unterschiedlicher sein könnten und viele Bands vor Neid erblassen lässt, die nicht mal einen Sänger ihrer Klasse haben. Sänger & Keyboarder Spencer Krug ist eher der Unscheinbare und Schüchterne, dessen Gesang dem von Isaac Brock nicht unähnlich ist, während Sänger & Gitarrist Dan Boeckner äußerlich schon eher an Iggiy Pop erinnert und sein Reibeisengesang Tom Waitsche Ausmaße hat. Außerdem ist er der weitaus Kommunikativere und zieht einen mit seiner unglaublich authentischen Ausstrahlung in seinen Bann.
Natürlich spielten sie fast alle Songs ihrer zwei großartigen Alben, auch wenn ‘Modern World’ (sorry Wiebke!) auf der Strecke blieb, aber diese 90-minütige Show zählte zum Besten, was ich in diesem Jahr sehen und erleben durfte.
Kategorie: About Shows
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Chad van Gaalen - Soft Airplane
veröffentlicht am 20. November 2008 von Jörg
Es ist ja immer so eine Sache mit den sogenannten Singer/Songwritern. Auf der einen Seite gibt es Tonnen von großartigen, sehr talentierten und eigenständigen Songwritern, die kaum einer kennt, auf der anderen Seite gibt es Jack Johnson, Jason Mraz oder James Blunt, die ziemlich schlimmen Mainstreamkram machen, sich ständig wiederholen und fast schon als Superstars gelten.
Chad van Gaalen zählt wohl eher zu ersterer Kategorie, nimmt uns auf seinem dritten Album “Soft Airplane” einfach mal mit auf seine ganz eigene Reise. Diese mag für einige nicht immer einfach sein, aber Spannung liegt ja selten in den simplen Dingen des Lebens. Der Kanadier, von dem es heißt, dass er sein Appartment so gut wie nie verlässt, geht dabei weit über die typische Akustikgitarre hinaus und ist quasi sein eigener “ein-Mann-Kosmos”, der nur ganz, ganz wenig Hilfe in Anspruch genommen hat.
Für das Artwork, die Produktion, 99% der Instrumentierung, alle Songs sowie den Videos ist dieser “Autist” ganz alleine zuständig und vielleicht ist das ein Grund für sein Eremiten-Dasein. Gut, ein kleiner Kritikpunkt mag das Artwork darstellen, aber Kunst ist ja subjektiv und die Songs über wahrlich jeden Zweifel erhaben.
‘Willow Tree’ ist schon mal ein wirklich guter Start, aber das folgende ‘Bones Of Man’ ist einfach nur GROSS und zeigt, dass hier wirklich ein unglaublich kreativer und talentierter Kopf am Werk ist, der uns an seinen Visionen teilhaben lässt. Die Soundideen sind für einen Songwriter eher untypisch und so gibt es nichts, was es nicht gibt und gipfelt bei ‘Rabid Bits Of Time’ zum Ende hin in einem Zug, der direkt durch den Kopf zu fahren scheint.
Klar mag man manchmal einen “modernen” Neil Young vernehmen (‘Inside The Molecules’ oder ‘Molten Light’)
‘Bare Feet On Wet Griptape’ ist dagegen Indie-Pop pur und lässt mich lächelnd darüber philosophieren, wie es wohl wäre, mit Herrn Van Gaalen in einem Haus zu wohnen, denn genau da entstehen ja seine Alben und Songs. Am folgenden ‘Phantom Anthills’ hört man, dass er auch einen Computer hat und die Flaming Lips kennt und vielleicht ist er gar ein Bruder im Geiste mit dessen Frontmann Wayne Coyne…
Man höre sich mal ‘Tmnt Mask’ an und denkt, dass man jetzt endlich was Neues von The Postal Service hört! Zu ‘Molten Light’ könnt ihr das selbst kreierte Video hier finden – “i find you and i kill you…”. ‘City Of Electric Light’ ist dann auch wunderschön, bevor das bereits beschriebene Ende naht.
Was seine Musik sonst noch GROSS erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass trotz aller Ideen doch immer der Song im Vordergrund steht und alles andere diesem nur dienen darf und genau hierin unterscheidet er sich von fast allen europäischen Songwritern, die teilweise auch mal ganz gute Ideen haben, aber nur selten dieses Gespür für Songs.
Mit “Soft Airplane” überholt sich Chad van Gaalen selber und stellt die beiden, bestimmt nicht schlechten, Vorgänger mal eben in den Schatten und in einer guten Welt würde man diesen Namen überall da lesen und hören, wo sich die genannten Langweiler-Songwriter breit gemacht haben. (Sub Pop)
Kategorie: About Albums
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Micke from Sweden - Hasenschaukel (Hamburg)
veröffentlicht am 13. November 2008 von Jörg
Gestern war mal wieder Konzerthopping angesagt, denn neben den Cold War Kids, die ich bereits zweimal gesehen hatte und somit nur die letzten 30 Minuten ihrer Show mit meiner Anwesenheit im vollen Knust beehrte, war Micke from Sweden in der Hasenschaukel.
Micke from Sweden? Ein selten komischer Name und natürlich aus einem Joke in Bierlaune heraus entstanden. Die Hasenschaukel ist ja eh immer einen Besuch wert, auch wenn es diesmal leider ziemlich leer war, aber Micke from Sweden war auch bisher erst einmal in Hamburg und zwar als Support der Norweger Kaiser`s Orchestra.
Alleine per Bahn und ohne seine Katze angereist begann der gute Micke erstmal mit dem besten Song und Titeltrack seines zweiten Albums ‘Waiting For The End’ – das Debüt hieß übrigens “This Ain’t The End” und der Abschluß der Trilogie soll “The End” heißen, auch wenn er das nicht so ganz ernst meint…. Das neue Album ist übrigens auch in Deutschland erhältlich.
Nur mit einem Piano und seiner unglaublichen Ausstrahlung sitzt Micke auf der kleinen Bühne und irgendwie hat man das Gefühl, hier sitzt der uneheliche Sohn von Johnny Cash und Tom Waits!!! Musikalisch bei weitem mehr als “just another singer/songwriter” und von melancholischen Balladen mit Charme bis hin zu Honky Tonk – Ekstasen mit einer intelligenten Bandbreite gesegnet, sollte man Micke beim nächsten Mal vor einem größeren Publikum sehen, denn dazu ist er auch noch ein unglaublicher Entertainer und Storyteller, der schön schaurige und skurile Geschichten erzählt und das Publikum im richtigen Moment auch zum Klatschen animiert.
Einfach mal reinhören unter www.myspace.com/mickefromsweden
Kategorie: About Shows
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