Kings Of Leon - Only By The Night
veröffentlicht am 24. Oktober 2008 von Jörg
Natürlich erfinden die Kings Of Leon das Rad nicht neu und bedienen sich Stilmitteln von US-Bands vergangener Dekaden, die man nicht unbedingt mehr mögen muss. Aber das machen sie in einer derart souveränen und natürlich coolen Art, dass sie für die heutige Zeit einen unglaublich eigenen, egozentrischen Stil gefunden haben.
Wenn man ihr zweites Album “Aha Shake Heartbreak”, das mit Abstand ihr schwächstes war, mal außen vor lässt, schließt das neue Werk “Only By The Night” eine wirklich hochwertige Trilogie ab und mir fallen nicht gerade viele neuere Bands ein, die dies von ihrer erst 5-jährigen Karriere sagen könnten. Vor allem erstaunlich, dass Kings Of Leon ihr erfolgreiches Debüt nicht einfach wiederholt haben, sondern ihren Sound und die Einflüsse chameleonartig von Album zu Album geändert haben, ohne an Qualität zu verlieren.
Klar steht bei “Only By The Night” nicht gerade Up-Tempo-Rock im Vordergrund, denn dafür kommen viele Songs einfach zu entspannt daher, aber genau diese Entspanntheit hat das Brüder-Trio plus Cousin schon in wirklich jungen Jahren erreicht und dabei darf man Entspanntheit bei ihnen nicht gleich Langeweile setzen. Natürlich mag der eine oder andere hier reklamieren, dass sie mittlerwele musikalisch etwas zu traditionell anmuten, aber das ist Quatsch, solange die Songs nicht von dieser Traditionen erdrückt werden und das tun sie in keinem Moment.
Schon der Opener ‘Closer’ gehört mit zum Coolsten – sorry, dass dieser Begriff bei Kings Of Leon immer wieder fallen muss – zur Zeit und wo andere Bands aus mangelnder Selbstsicherheit immer aufs Gaspedal drücken, nehmen sich die Kings hier sehr zurück und stellen den Gesang von Caleb Followill noch mehr in den Vordergrund. Diese Stimme ist wirklich erhaben und auf “Only By The Night” besser und selbstsicherer denn je und macht die Kings Of Leon zu einer der besten Rockbands der letzten und hoffentlich auch folgenden Jahre.
Das treibende ‘Crawl’, der “Hit” ‘Sex On Fire’, das melodiöse ‘Use Somebody’, die entspannten ‘Manhattan’ und ‘Revelry’, das brilliante ‘Notion’, das etwas klischeehafte ‘I Want You’, das große ‘Be Somebody’ oder das wehmütige Ende mit ‘Cold Desert’ zeigen, dass es keinen schwachen Song auf dem neuen Album gibt, die Produktion tut ein übriges und weder in Deutschland, noch sonstwo in Europa wird man einen Produzenten finden, der einen so großen und dabei warmen Sound hinbekommt. Natürlich darf man Abstriche bei den Texten machen, denn ‘Sex On Fire’ oder ‘17’ bestechen nicht durch intelligente Lyrik, aber das ist völlig egal, sei den Erfahrungen der letzten Jahre geschuldet und tut auch keinem weh.
Mich wundert es nicht, dass die Kings Of Leon von Bob Dylan, U2 und Radiohead geliebt werden, das amerikanische Publikum die Größe ihrer Landsmänner aber einfach nicht erkennt, denn das Spiel und die Querverweise zu alten US-Rockhelden in modernem Gewand verpackt, behagt den Traditionalisten nun mal nicht. Mir dagegen sind die Kings Of Leon wesentlich lieber als 99 % der stereotypen UK-Bands heutzutage. Vielleicht spielt da aber auch Neid eine Rolle, denn so cool wie die Kings Of Leon werde ich in diesem Leben einfach nicht sein…. (RCA)
Kategorie: About Albums
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