The Walkmen - You & Me
veröffentlicht am 17. Oktober 2008 von Jörg
Die herrlich eigenständigen The Walkmen um ihren arrogant und manchmal größenwahnsinnig anmutenden Sänger Hamilton Leithauser legen mit “You & Me” ihr bereits fünftes Album vor, wenn man das Cover-Album mal mitrechnet. Was ich an ihnen besonders liebe, ist die Tatsache, dass sie es uns nie leicht machen wollen. Natürlich haben sie ein untrügliches Gespür für Melodien und großartige Songs, aber dieses überdecken sie gekonnt mit einer eigenartigen Melodieführung und der penetranten Stimme, die bestimmt nicht jeder mag.
Ich persönlich zähle The Walkmen neben Band Of Horses, Wolf Parade, Okkervil River oder auch The Shins zu den besten Bands der letzten Jahre, die bei uns allerdings bisher mit totaler Mißachtung gestraft wurde. So hat man bei vielen Magazinen gerade das Gefühl, dass sie zum ersten Mal von dieser Band hören und gleich meinen, dass das neue Album ihr bestes ist, ohne die anderen wirklich zu kennen. Klingt jetzt genauso arrogant wie der Leithauser, oder? Vielleicht sind wir ja Brüder im Geiste.
“You & Me” enthält schlappe 14 Songs, die uns über 50 Minuten lang in eine andere, ziemlich anspruchsvolle Musikwelt entführen, die mich im Rahmen einer Theateraufführung sehr berühren würde. Der Opener zeigt den Walkmen-Neulingen schon mal die Richtung auf und gibt einen guten Eindruck der sehr eigenen Stimmung und Instrumentierung der Band. Das recht entspannte ‘On The Water’ leitet dann die Riege der nicht rar gesäten Höhepunkte ein, auch wenn das in Widerspruch zu der Tatsache stehen mag, dass “You & Me” ein an sich sehr homogenes Werk geworden ist, schließlich haben sie sich auch zwei Jahre Zeit gelassen.
‘In The New Year’ steht exemplarisch für ihre ganz eigene, fast schon melodramatische Art, denn nichts läge ihnen ferner als einfache, positive Pop-Musik zu machen. Kein Song kommt ohne Tempiwechsel aus und kaum möchte man ob der tollen Melodie mitsingen, brechen sie diese gleich auf. ‘Postcards From Tiny Islands’ steht exemplarisch für ihre Art des Taktes und dem damit verbundenen Drums, die ihre ganz eigene Art haben und dezent treibend immer da sind. Auch Balladeskes wie ‘Red Moon’ beherrschen sie so gut, dass man eigentlich Filme um die Songs herum drehen möchte. Diese Filme wären natürlich sehr schwermütig, krude und von unglaublich überraschenden Handlungswechseln geprägt.
So zieht sich der rote Faden passend zum Artwork durch das gesamte Album, das auf sehr hohem Niveau ist und mit dem treibend-dramatischen ‘The Blue Route’ oder die Verlusthymne ‘I Lost You’ trotzdem noch Highlights setzt.
Nun können wir The Walkmen auch endlich live bei uns erleben, denn bisher habe ich sie lediglich in ihrem Heimatland sehen dürfen. Kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass sie nur zwei Konzerte spielen und ich sie eigentlich lieber in einem bestuhlten Theater gesehen hätte als im rudimentären Molotow, denn ihre Musik ist mehr als eine Momentaufnahme moderner Musik. (Talitres Records)
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