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Veröffentlichung: 22. August


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Benedict Wells - Becks letzter Sommer



Es ist Herbst und so wird es mal wieder Zeit für ein paar Buchtips, denn immerhin gibt es mit der Veröffentlichungsflut auch eine Gemeinsamkeit mit der Musikbranche.

Der gerade mal 24-jährige Benedict Wells debütiert mit “Becks letzter Sommer” auf eine mehr als frische Art und Weise und auch wenn man das Buch natürlich unter der Rubrik “Pop-Literatur” ablegen könnte, so verbindet er in bester Weise Ironie und Melancholie mit einer so realistischen Geschichte, dass jeder sich selbst immer mal wieder in den 450 Seiten findet.

Hauptfigur ist der Musiklehrer Robert Beck, der nicht nur als Musiker selbst gescheitert ist, dem eine gewisse Lethargie innewohnt und der sich im gleichen Alter befindet wie der Autro dieser Kritik….
So verschreibt er sich mit der Förderung seines 17-jährigen Schülers Rauli einem Traum, den er früher selber gerne gelebt hätte. Rauli ist ein Außenseiter, dessen musikalisches Talent Beck entdeckt und das wesentlich ausgeprägter ist als sein eigenes je war. Um so verzweifelter versucht er nun, Rauli als Manager zu fördern, um doch noch sein eigenes Stück Ruhm zu erhalten.

Das gestaltet sich, oh Wunder, aber etwas schwierig, denn Rauli hat nicht nur etwas schwierige Familienverhältnisse, lügt wie gedruckt und zeigt Beck oft genug das eigene Versagen auf, er birgt auch noch andere Geheimnisse. Daneben spielt die Kellnerin Lara eine tragende und sympathische Rolle und hat es als Becks Freundin bestimmt nie leicht und man möchte Beck in vielen Situationen einfach nur anschreien und “aufwachen” entgegnen, denn der Leser verliebt sich schon fast selbst in Lara.

Der nicht immer schlaue Deutschafrikaner Charlie, der sich mit Rauli und Beck auf eine Odyssee gen Osten begibt, vollendet dieses filmreife Quartett an Hauptpersonen, die “Becks letzter Sommer” zur einer intelligenten und amüsanten Reise von Leichtigkeit bis Selbstzweifel machen.

Mit diesem Debüt zeigt sich eine neue Hoffnung am deutschen Nachwuchsliteratenhimmel (welch ein Wort!), die wirklich gut ist und wenn sich Benedict Wells diese Leichtigkeit des Schreibens bewahren kann, freue ich mich schon auf den Nachfolger von “Becks letzter Sommer”. (Diogenes)

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Krachkeks-Kolumne Folge 44 "Das Leiden eines Fans"



Selten, sehr selten ist Fußball das Thema der “Krachkeks-Kolumne”, da hier ja meistens die Musik bzw. die Musikbranche im Vordergrund steht, aber diesmal konnte ich nicht mehr an mich halten und irgendwie müssen die Ereignisse und Gefühle des gestrigen Spieles verarbeitet werden!

Pünktlich auf dem Sofa Platz genommen, verwunderte zunächst der “Schachzug” unsseres Trainers Jol, Alex Silva, den 6,2 Mio. Einkauf, gegen eine nicht nur technisch extrem eingespielte Mannschaft wie Hoffenheim wieder in die Innenverteidigung zu stellen und Matheijsen dafür nach links zu beordern, da ja sowohl Atouba als auch Jansen verletzt sind. Bevor meine Frau sich dann zwecks “Grey’s Anatomy” ins Nebenzimmer verzog, hauchte ich noch ein “ganz schön riskant” vor mich hin, aber zu pessimistisch wollte ich vor dem Anpfiff ja auch wieder nicht erscheinen. Dass mir schon die ersten Minuten recht gaben, kann mich nicht stolz machen.

Ich versuche mich dann immer in die Lage des Trainers zu versetzen, der ja im Regelfall Aufstellung, was bei wichtigen Ausfällen nicht leicht ist, und Taktik vorgibt. Wenn man dann gegen Hoffenheim und damit die zur Zeit spielstärkste und offensivste Mannschaft der Bundesliga antritt bzw. nach Eigenaussage “junge und unglaublich hungrige”, sollte man den eigenen Spielern unbedingt versuchen, die HSV-typische Trägheit und meist langsame Spieleröffnung auszutreiben und sie auf absolute Konzentration zu trimmen, denn dass der Gegner technisch und läuferisch überlegen ist, weiß man, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.

OK, ich könnte jetzt weiter über den Unterschied zwischen guten Vorsätzen und der Umsetzung auf dem Platz philosophieren und bestimmt hat der Trainer hier nicht die alleinige Schuld, auch wenn die angesprochene Änderung falsch und unnötig war und Aogo nach seiner Einwechslung gezeigt hat, dass er auf links die bessere Alternative von Anfang an gewesen wäre. Ebenso könnte man das Ergebnis positiv herausstellen, denn ein 0:3 ist für den HSV nach der Vorstellung noch sehr, sehr schmeichelhaft und sie können sich bei den Hoffenheimern bedanken, dass Rangnik sie soweit hat, dass sie sich, wie in der zweiten Halbzeit geschehen, auch mal zurücklehnen können, um Kräfte für das nächste Spiel gegen Bochum zu schonen, aber trotzdem bin ich enttäuscht.

Jetzt kommen natürlich wieder die Leute, die sagen, dass es doch ein toller Saisonstart war und vieles auch gut ist, diese Weißseher! Bedenkt man aber, dass wir einige der Spiele recht glücklich gewonnen haben und nur soweit oben stehen, weil bis auf Hoffenheim, die zumindest gegen Bremen noch mit viel Pech verloren haben, keiner stabil ist, so relativiert sich der gute Start und so kommt es am Mittwoch zum Duell zweier instabiler Teams, d.h. Stuttgart kommt nach Hamburg.

Was möchte uns der Autor dieser Zeilen noch sagen?
Zum einen möchte ich auf das Leid hinweisen, das ich gestern erlebt habe, zum anderen aber auch an die Spieler und einem Mehr an Selbsteinschätzung appellieren, denn diese muss nicht nur Frings, Ballack und Kuranyi wieder beigebracht werden, sondern auch den HSV-Spielern, die immer schon auf die Meisterschaft schielen. Ich habe vor der Saison gesagt, dass mehr als ein UEFA-Cup-Platz nicht drin ist und werde am Ende mal wieder recht behalten müssen, obwohl ich das gar nicht will.

Noch ein kleiner Tip an die von mir sehr gehassten Bremer: Euer Problem liegt nicht primär in der Abwehr, sondern seit Jahren im langsamsten defensiven Mittlefeld Europas namens Baumann und Frings….

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Kings Of Leon - Only By The Night



Natürlich erfinden die Kings Of Leon das Rad nicht neu und bedienen sich Stilmitteln von US-Bands vergangener Dekaden, die man nicht unbedingt mehr mögen muss. Aber das machen sie in einer derart souveränen und natürlich coolen Art, dass sie für die heutige Zeit einen unglaublich eigenen, egozentrischen Stil gefunden haben.

Wenn man ihr zweites Album “Aha Shake Heartbreak”, das mit Abstand ihr schwächstes war, mal außen vor lässt, schließt das neue Werk “Only By The Night” eine wirklich hochwertige Trilogie ab und mir fallen nicht gerade viele neuere Bands ein, die dies von ihrer erst 5-jährigen Karriere sagen könnten. Vor allem erstaunlich, dass Kings Of Leon ihr erfolgreiches Debüt nicht einfach wiederholt haben, sondern ihren Sound und die Einflüsse chameleonartig von Album zu Album geändert haben, ohne an Qualität zu verlieren.

Klar steht bei “Only By The Night” nicht gerade Up-Tempo-Rock im Vordergrund, denn dafür kommen viele Songs einfach zu entspannt daher, aber genau diese Entspanntheit hat das Brüder-Trio plus Cousin schon in wirklich jungen Jahren erreicht und dabei darf man Entspanntheit bei ihnen nicht gleich Langeweile setzen. Natürlich mag der eine oder andere hier reklamieren, dass sie mittlerwele musikalisch etwas zu traditionell anmuten, aber das ist Quatsch, solange die Songs nicht von dieser Traditionen erdrückt werden und das tun sie in keinem Moment.

Schon der Opener ‘Closer’ gehört mit zum Coolsten – sorry, dass dieser Begriff bei Kings Of Leon immer wieder fallen muss – zur Zeit und wo andere Bands aus mangelnder Selbstsicherheit immer aufs Gaspedal drücken, nehmen sich die Kings hier sehr zurück und stellen den Gesang von Caleb Followill noch mehr in den Vordergrund. Diese Stimme ist wirklich erhaben und auf “Only By The Night” besser und selbstsicherer denn je und macht die Kings Of Leon zu einer der besten Rockbands der letzten und hoffentlich auch folgenden Jahre.

Das treibende ‘Crawl’, der “Hit” ‘Sex On Fire’, das melodiöse ‘Use Somebody’, die entspannten ‘Manhattan’ und ‘Revelry’, das brilliante ‘Notion’, das etwas klischeehafte ‘I Want You’, das große ‘Be Somebody’ oder das wehmütige Ende mit ‘Cold Desert’ zeigen, dass es keinen schwachen Song auf dem neuen Album gibt, die Produktion tut ein übriges und weder in Deutschland, noch sonstwo in Europa wird man einen Produzenten finden, der einen so großen und dabei warmen Sound hinbekommt. Natürlich darf man Abstriche bei den Texten machen, denn ‘Sex On Fire’ oder ‘17’ bestechen nicht durch intelligente Lyrik, aber das ist völlig egal, sei den Erfahrungen der letzten Jahre geschuldet und tut auch keinem weh.

Mich wundert es nicht, dass die Kings Of Leon von Bob Dylan, U2 und Radiohead geliebt werden, das amerikanische Publikum die Größe ihrer Landsmänner aber einfach nicht erkennt, denn das Spiel und die Querverweise zu alten US-Rockhelden in modernem Gewand verpackt, behagt den Traditionalisten nun mal nicht. Mir dagegen sind die Kings Of Leon wesentlich lieber als 99 % der stereotypen UK-Bands heutzutage. Vielleicht spielt da aber auch Neid eine Rolle, denn so cool wie die Kings Of Leon werde ich in diesem Leben einfach nicht sein…. (RCA)

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Radio Doppelpack



Heute und morgen gibt es wieder meine beiden Shows “About Songs” und “Songbox” zu hören.

Songbox heute um 23 Uhr auf Byte FM unter www.byte.fm
Morgen dann wieder “About Songs” sowohl auf Tide 96.0 (Kabel 95.45), als auch im Netz. Den Download dazu gibt es entsprechend hier – 18-19 Uhr

Diesmal u.a. mit einer Reminiszenz an den großartigen John Peel, der am kommenden Wochenende seinen 4. Todestag hat.

Viel Spaß

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The Walkmen - You & Me



Die herrlich eigenständigen The Walkmen um ihren arrogant und manchmal größenwahnsinnig anmutenden Sänger Hamilton Leithauser legen mit “You & Me” ihr bereits fünftes Album vor, wenn man das Cover-Album mal mitrechnet. Was ich an ihnen besonders liebe, ist die Tatsache, dass sie es uns nie leicht machen wollen. Natürlich haben sie ein untrügliches Gespür für Melodien und großartige Songs, aber dieses überdecken sie gekonnt mit einer eigenartigen Melodieführung und der penetranten Stimme, die bestimmt nicht jeder mag.

Ich persönlich zähle The Walkmen neben Band Of Horses, Wolf Parade, Okkervil River oder auch The Shins zu den besten Bands der letzten Jahre, die bei uns allerdings bisher mit totaler Mißachtung gestraft wurde. So hat man bei vielen Magazinen gerade das Gefühl, dass sie zum ersten Mal von dieser Band hören und gleich meinen, dass das neue Album ihr bestes ist, ohne die anderen wirklich zu kennen. Klingt jetzt genauso arrogant wie der Leithauser, oder? Vielleicht sind wir ja Brüder im Geiste.

“You & Me” enthält schlappe 14 Songs, die uns über 50 Minuten lang in eine andere, ziemlich anspruchsvolle Musikwelt entführen, die mich im Rahmen einer Theateraufführung sehr berühren würde. Der Opener zeigt den Walkmen-Neulingen schon mal die Richtung auf und gibt einen guten Eindruck der sehr eigenen Stimmung und Instrumentierung der Band. Das recht entspannte ‘On The Water’ leitet dann die Riege der nicht rar gesäten Höhepunkte ein, auch wenn das in Widerspruch zu der Tatsache stehen mag, dass “You & Me” ein an sich sehr homogenes Werk geworden ist, schließlich haben sie sich auch zwei Jahre Zeit gelassen.

‘In The New Year’ steht exemplarisch für ihre ganz eigene, fast schon melodramatische Art, denn nichts läge ihnen ferner als einfache, positive Pop-Musik zu machen. Kein Song kommt ohne Tempiwechsel aus und kaum möchte man ob der tollen Melodie mitsingen, brechen sie diese gleich auf. ‘Postcards From Tiny Islands’ steht exemplarisch für ihre Art des Taktes und dem damit verbundenen Drums, die ihre ganz eigene Art haben und dezent treibend immer da sind. Auch Balladeskes wie ‘Red Moon’ beherrschen sie so gut, dass man eigentlich Filme um die Songs herum drehen möchte. Diese Filme wären natürlich sehr schwermütig, krude und von unglaublich überraschenden Handlungswechseln geprägt.

So zieht sich der rote Faden passend zum Artwork durch das gesamte Album, das auf sehr hohem Niveau ist und mit dem treibend-dramatischen ‘The Blue Route’ oder die Verlusthymne ‘I Lost You’ trotzdem noch Highlights setzt.

Nun können wir The Walkmen auch endlich live bei uns erleben, denn bisher habe ich sie lediglich in ihrem Heimatland sehen dürfen. Kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass sie nur zwei Konzerte spielen und ich sie eigentlich lieber in einem bestuhlten Theater gesehen hätte als im rudimentären Molotow, denn ihre Musik ist mehr als eine Momentaufnahme moderner Musik. (Talitres Records)

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