My Morning Jacket - Evil Urges
veröffentlicht am 17. Juli 2008 von Jörg
My Morning Jacket zählen für mich zu den besten Bands der Welt, was hier gleich mal vorweg gesagt werden muss. Die Gipfel ihres bisherigen Schaffens heißen “Z” und “Okonokos”, letzteres ein Live-Doppel-Album wie es wenige auf diesem Planeten gibt. Beide Werke wurden auf dieser Seite auch schon entsprechend gewürdigt.
Nun also zum neuen “Evil Urges” und leicht macht es uns das Quintett aus Louisville, Kentucky bestimmt nicht, aber das haben ja die meist etwas schlechteren Kritiken anderer Musikschreiber schon gezeigt. Was ich Bands aber immer generell hoch anrechne ist, wenn sie halt nicht auf Nummer sicher gehen und man eine musikalische Entwicklung sehen kann.
Der Opener und Titeltrack ‘Evil Urges’ schmeckt dann gleich etwas komisch und die ohnehin hohe Stimme Jim James geht hier gleich mal in Richtung Prince. James selber nennt den Soul der 60er und 70er Jahre als Inspiration für das neue Album und liegt damit richtig, wenn auch nicht immer. Überhaupt sollte man “Evil Urges” nicht zwingend mit den älteren Alben der Band vergleichen, sondern für sich stehen lassen, denn neben Soul hat hier auch eine große Portion Pop Einzug gehalten. Kaum ist das wirklich schlechte ‘Highly Suspicious’ vorbei, beginnt ein doch vorzügliches Album.
‘I’m Amazed’ bringt die Qualität endlich wieder auf ein für My Morning Jacket angemessenes und ‘Thank You Too!’ zeigt die entspannte, wenn auch fast schon zu poppige, Seite der Band, die durch Gesang, Instrumentierung und Art ihrer Musik an Eigenständigkeit schwer zu überbieten ist. Der neue Soul-Pop macht sich besonders in Songs wie ‘Sec Walkin’ und ‘Two Halves’ bemerkbar, auch wenn ein nächster Höhepunkt erst mit der großartigen Ballade ‘Librarian’ erreicht wird.
Trotzdem fehlen bisher die Songs, die sich wie auf ‘Z’ durch geradezu geniale Gitarrenideen auszeichneten. Tja, jetzt falle ich doch in alte Wehmut zurück, obwohl Vergleiche doch vermieden werden sollten. Kaum gesagt, erschalt ‘Aluminum Park’ und bildet endlich die nötig Abwechslung im manchmal zu seichten Einerlei, selbst das Piano darf hier rocken. So geht es mit ‘Remnants’ mit noch etwas mehr Tempo weiter, bevor sie mit dem wohl besten Song ‘Smokin From Shootin’ wieder einen Gang zurückfahren. Hier kombinbieren sie ihre Stärken mit den Errungenschaften des neu entdeckten Souls, Mr. James packt alles in den Gesang, die Pedal-Steel-Gitarre führt dezent durch den Song und zum Ende hin wird es gar dramatisch.
‘Touch Me I’m Going To Scream Pt. 2’ holt dann kurz vor Schluß noch den Disco-Beat hervor, der irgendwie ein paar Bee Gees – Anleihen erkennen läßt, ohne cheesy zu sein.
Überhaupt ist die zweite Hälfte des Albums die weitaus bessere, denn selbst wenn man die ersten drei Songs als Ironie abtut, stellt sich schon die Frage, ob nur die wirklichen Fans erreicht werden sollten, die über diese Songs hinaus weiter am Ball bleiben – auch eine Idee!
Gerade waren sie auch zum ersten Mal (!) auf Deutschland-Tour und live gehören My Morning Jacket mit ihrer Energie einfach zu den besten Bands der Welt.
“Evil Urges” ist zwar lange nicht das stärkste My Morning Jacket -Album, aber trotz aller Kritik geht die Band unbeirrt weiter auf ihrem Pfad des Findens und Ausprobierens fern jeglicher Klischees. Dafür gebührt ihnen großes Lob! (ATO/Rough Trade)
Kategorie: About Albums
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