Krachkeks-Kolumne Folge 40 "Post-EM-Loch"
veröffentlicht am 30. Juni 2008 von Jörg
und dann war Leere! Vielleicht hat der eine oder andere schon bemerkt, dass die EM vorbei ist. Nun werden einige aufatmen und das Gros geht dem geregelten (Arbeits-)Leben nach, aber bei mir macht sich Leere breit. Klar geht das Leben irgendwie weiter, aber ich fühle mich wie eine Band, die gerade von einer dreiwöchigen Tour zurück kommt und erstmal in ein tiefes Loch fällt, da der “Alltag” und seine Sinnlosigkeit mit voller Wucht zuschlägt.
Wie eine Band habe ich mich jeden Tag auf den Auftritt bzw. das Spiel am Abend vorbereitet, d.h. diverse Zeitungen, Online-Magazine und Blogs durchforstet, um dann noch kompetenter mit Freunden zu diskutieren, vor allem natürlich darüber, was die Deutschen so alles falsch und andere vermeintlich besser machen. Dann wurde man am Abend bestätigt oder widerlegt, aber nun ist das alles vorbei und die Bundesliga startet erst in 6 (!) Wochen.
Klar gibt es auch positive Aspekte, denn zum einen muss ich jetzt erstmal keine langweiligen Fussi-Moderatoren mehr ertragen und der Lattek hat auch Sommerpause – trotzdem wird mir der DSF-Stammtisch fehlen – zum anderen haben sich jetzt auch die bescheuerten Tipp-Spiele erledigt. Aber irgendwie sind diese positiven Aspekte doch arg in der Minderheit, denn ich kann die fehlenden Abendhöhepunkte ja auch schwer mit Konzerten kompensieren, da im Sommer doch eh kaum jemand auf Tour ist, wenn man mal von den prolligen Mega-Festivals absieht, bei denen man sich mit unkreativem Booking und besoffenen Twens rumschlagen darf.
Hat eigentlich schon mal jemand die Selbstmordrate im “Post-EM-Loch” gemessen? Nein, keine Angst, denn soweit bin ich noch nicht, denn nach dem Turnier ist vor dem Turnier und so steht die nächste WM ja quasi vor der Tür, aber vielleicht sollte ich mich für jeweils zwei Jahre umbringen, damit ich mich von EM zu WM hangele. ohne eine Pause zu haben. Klingt toll, oder?
Dann wiederum würde ich doch aber Bundesliga, Champions League, UEFA-Cup und DFB-Pokal vermissen….
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Wolf Parade - At Mount Zoomer
veröffentlicht am 26. Juni 2008 von Jörg
Nachdem sich die Wolf Parade – Köpfe Dan Boeckner und Spencer Krug in ihren anderen Projekten (The Handsome Furs, Sunset Rubdown) ausgetobt haben, gibt es jetzt endlich den Nachfolger zum grandiosen Debüt “Apologies To The Queen Mary” (2005).
Den aufwendigen, aber eher nicht so tollen, Artworks sind die Kanadier schon mal treu geblieben, musikalisch hat sich dagegen schon was geändert. Das gilt weniger für den abwechselnden Gesang der genannten Köpfe, sondern mehr für den noch größeren Raum, den die Synthies auf Kosten der Gitarren einnehmen. Ich bin eigentlich kein so großer Freund von Synthies, sondern fast schon ein Purist, der gerne mit dem Spruch “Gitarre muss dabei sein” reüssiert, aber wenn der Einsatz dem Zweck großer Momente und der Eigenständigkeit des Wolf Parade – Sounds dient, be my guest.
Mit dem Opener ‘Soldier’s Grin’, bei dem die Gitarren noch im Vordergrund sein dürfen, bereiten sie uns dann auch behutsam und fast schon WP-klassisch auf weiteres vor. ‘Call It Ritual’ wartet dann bereits mit Piano und viel Hall auf dem Gesang auf und hat fast ein paar klassische Einflüsse, bevor ‘Language City’ auf ohnehin hohem Niveau einen ersten Geniestreich setzt. Produziert wurde das fast schon opulente Werk zur Hälfte in übrigens der gleichen Kirche in Montreal, wo auch schon Arcade Fire den besonderen Sound kreierten.
‘Bang Your Drum’ könnte auch das Stück zu einem Musical sein, wenn diese nicht so schlecht wären, leitet aber fast nur in einen weiteren großen Moment namens ‘California Dreamer’ ein. Ein wahres, 6-minütiges Synthie-Pop-Prog-Monster, das sich thematisch um die Sinnlosigkeit einer Stadt wie L.A. dreht. Danach geht es auf normalem WP-Niveau weiter, was sich negativer anhört als es gemeint ist. Zum Final bereiten sie uns dann mit ‘Kissing The Beehive’ ein 10-minütiges Abschiedsfest und zumindest mir geht es so, dass ich “At Mount Zoomer” zur Zeit täglich mehrmals hören muß.
Wolf Parade haben einfach die Gabe, trotz aller Experimente und Abwechslung, wahrlich große Songs zu schreiben, die natürlich trotzdem nie auf größeren Radiostationen stattfinden würden. Um ehrlich zu sein, bin ich auch froh darüber, denn das Gros der Menschen hat eine derartige Band auch nicht wirklich verdient. (Sub Pop)
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"About Songs" - Radio Show
veröffentlicht am 24. Juni 2008 von Jörg
Am morgigen Mittwoch ist es wieder soweit und ihr könnt einer neuen “About Songs”-Sendung fröhnen.
Wie immer könnt ihr “About Songs” sowohl auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) hören, als auch im Netz. Den Download dazu gibt es entsprechend hier – 18-19 Uhr
So, hier zum Abschluß noch die Playlist, die euch diesmal erwarten wird und wie ihr seht, gibt es einige neue Songs, u.a. von Fleet Foxes, My Morning Jacket, Bonnie ‘Prince’ Billy und Port O’Brien:
The Black Keys – Lies
My Morning Jacket – Librarian
R.E.M. – Houston
Tapes’N Tapes – Hang Them All
Whip – White Wedding
Fleet Foxes – He Doesn’t Know Why
Death Cab For Cutie – Grapevine Fires
Port O’Brien – Stuck On A Boat
Woven Hand – Story And Picture
Bonnie ‘Prince’ Billy – I’ll Be Glad
Southerly – A Coarse Design
No Age – Here Should Be My Home
Silver Mt. Zion – BlindBlindBlind
Natürlich auch wieder mit diversen Konzertankündigungen, auch wenn sich diese zur Zeit etwas in Grenzen halten.
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Krachkeks-Kolumne Folge 39 "Fussi-Tipps"
veröffentlicht am 23. Juni 2008 von Jörg
Ich bin es leid, wirklich leid. klar ist die Fußball-Euphorie diesmal wesentlich kleiner als vor zwei Jahren, so dass sich nur noch fast jeder Depp für die EM interessiert. An Pseudo-Fachsimpeleien von Unwissenden hat man sich denn auch schon gewöhnt und für die, die nicht wissen, wie man auf diese Leute reagiert, hier ein tipp: schweigen!
Schweigen führt dazu, dass diese “Fans” dem irgendwann folgen oder recht schnell das Thema wechseln, was ihnen in diesen Zeiten natürlich eher schwer fällt. Zum Glück.
Was ich aber noch wesentlich bescheuerter finde als Pseudo-Fachsimpelei Unwissender sind diese vollkommen überflüssigen Tipp-Spiele, die im Schnitt bestimmt 80 Millionen Menschen in diesem Lande machen, denn schon lange tippen viele Leute nicht nur einmal, sondern bis zu 10 (!) mal. Hat natürlich den Vorteil, dass irgendein Tipp vielleicht denn doch recht richtig ist. Tippen ist Mainstream! Klar finden einige Chefs dies unter dem Aspekt Mitarbeitermotivation sinnvoll und so kann man sich vielleicht auch mal fast privat unterhalten, aber das macht es doch nur noch ärmer. Bei Tipprunden kann jeder mitmachen, aber das ist gleichzeitig auch das Schlimme, denn 90 % der Tipper interessieren sich ja höchstens für Fußball während einer EM, um mitreden zu können.
Wer sich nicht für Fussi interessiert, hat zwar nicht mein Verständnis, aber immerhin mehr Respekt verdient als Menschen, die sich ab und zu mal für Fussi interessieren, da das Ignorieren einer EM ja anstrengend sein könnte. Grausam!
So, die Steigerung von schlimm ist schlimmer und so kommen wir nun zum Gipfel der Dummheit. Dieser besteht in den Fussi-„Fans“, denen es nur noch darum geht, dass ihr verschissener Tipp eintrifft. Wie arm ist das denn? Die Leidenschaft und das Herz bleiben völlig auf der Strecke und diese Gestalten ziehen die einzige Spannung, ob des Nichtverstehens des Spiels, einzig und allein aus ihren Tipps. Verbietet denn keiner diese Tipp-Spiele? Gewinnen tun dann immer die Deppen, die am wenigsten Ahnung haben, meist leider die Frauen, und fragen dann noch Sachen wie: „Wie? Der heißt auch Lahm?“ – was jetzt nicht mal witzig gemeint war.
Ich kann es einfach nicht mehr ertragen und es interessiert mich null, was Leute getippt haben, denn ich möchte das Spiel sehen. Wenn jemand tippt, soll er gefälligst seine Klappe halten. Ein wenig Sympathie kann ich noch für Tipper aufbringen, die einmal tippen und sich dann ganz normal den Spielen widmen und sich nicht mehr für den Tipp interessieren. Allen anderen sei gesagt, dass es ihnen an mangelndem Respekt dem Fußball gegenüber mangelt und ich froh bin, dass diese Poser nach der EM wieder verschwinden und ich noch die Bundesliga für mich habe.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Fleet Foxes - Sun Giant EP
veröffentlicht am 20. Juni 2008 von Jörg
In all dem Fussi-Fieber darf die Musik natürlich nicht zu einer Nebenrolle verkommen, auch wenn es hier heute zunächst nur um eine EP geht. Die noch recht frische Band heißt Fleet Foxes und kommt aus Seattle (!). Das Debüt-Album erscheint erst Anfang August, aber schon diese tolle EP wirft die Schönheit schon mal in Form von fünf Songs zu uns herüber.
Was die Fleet Foxes besonders ausmacht ist die Wärme ihrer Songs und die damit einhergehenden Harmoniegesänge. Sie selbst nennen ihre Musik “Barock Pop” und nennen als größten Einfluss “den Plattenschrank” der Eltern. Da kann man schon neidisch werden, denn meine Eltern haben eher wenig Beach Boys, Simon & Garfunkel, The Band, Bob Dylan oder Crosby, Stills & Nash im Schrank gehabt.
Live konnte ich mir bereits im März in Austin ein Bild von dieser Band machen und vor allem Musikjournalisten könnten fürchten, dass sie ähnlich wie ihre US-Label-Kollegen von Band Of Horses schwer in eine Kategorie einzuordnen sind. Die beiden schönsten Songs der EP heißen ‘English House’ und ‘Mykonos’, wobei zweiter nach Eigenaussage der Band auf keine Urlaubserinnerung basiert.
Einfach eigen und wunderschön laden die Fleet Foxes auf ihre Reise ein und auch wenn sie hier in Hamburg gerade vor nur 50 Leuten gespielt haben – wer soll sie bisher auch kennen? – so wird sich ihre Entspanntheit auf Dauer auch hier ihren Platz suchen. (Bella Union)
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