MGMT - Oracular Spectacular
veröffentlicht am 9. Mai 2008 von Jörg
Eigentlich sind MGMT nur ein Duo, bestehend aus Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser, aber live spielen sie natürlich mit Verstärkung, was ich beim diesjährigen SXSW-Festival in Austin, Texas sehen konnte. Die beiden Freunde aus Brooklyn waren gerade dabei, ihre eigenen Wege zu gehen und dem Moloch New York den Rücken zu kehren, als sich plötzlich ein A&R von Columbia (Sony) meldete und sie zum Bleiben und Aufnehmen einen wirklich tollen Albums überreden konnte – so zumindest die Legende!
Den Sound dieses sehr eigenen Albums zu beschreiben, ist eine wahre Herausforderung, an der nicht nur ich zu scheitern drohe: Psychedelia, Bee Gees, The Flaming Lips, Disco-Rock, Groove-Pop, Abba, Built To Spill, Kinderspielzeug – eine Kette, die sich beliebig weiterspinnen lässt und nur zeugt, wie krude dieses Typen sind, die rein äußerlich noch auf Hippie machen, was dem Albumartwork schon etwas Komisches verleiht.
Letztlich ist es aber völlig egal, welche Schublade für MGMT aufgemacht wird, denn “Oracular Spectacular” wird uns durch den Sommer tragen und uns vor einer Vielzahl belangloser Sommer-Hits beschützen, eine Art Lichtschutzfaktor für die Durchschnittlichkeit der hiesigen Musikszene. Klar ist hier und da eine kleine Peinlichkeit eingebaut, die besonders in Form der Disco-Beats daherkommt, was dazu führt, dass ich im Auto mal etwas leiser machen muss, damit ich nicht Gefahr laufe, meinen guten Indie-Ruf zu verlieren…
Was das Album trotz aller Vielschichtigkeit und Schmunzelanfälle zusammenhält, sind SONGS, denn nicht nur die erste Single und Album-Opener ‘Time To Pretend’ wollen nicht mehr aus dem Kopf und Bauch, sondern auch das grandiose ‘Weekend Wars’, die Fast-Ballade ‘The Youth’ oder ihr erster US-Hit ‘Kids’, welches die Musikjournalie Amerikas zu einen der besten Songs des letzten Jahre gekürt haben und eine wahre Hymne ist. Dabei belassen sie es nur nicht, denn der Disco-Groover ‘Electric Feel’, das Tribal-Stück ‘4th Dimensional Transition’ und die herrlich-schräge Ballade ‘Pieces Of What’ beweisen, dass das Duo nicht einen schwachen Song zugelassen haben – GROSS!
Produziert hat übrigens Dave Fridman, der ziemlich vertraut ist mit Bands, die irgendwie ein bisschen irre sind. Man denke nur an The Flaming Lips und Mercury Rev, die oftmals Visionen von einem anderen Stern nicht nur in ihre Musik integrieren.
MGMT sorgen dafür, dass sich auch ältere Musikfans wieder jung fühlen dürfen, denn ihre Musik ist altersübergreifend und so sehe ich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gemeinsam in den Sonnenuntergang tanzen bzw. schunkeln, immer mit einem Lächeln im Gesicht, dass auch am Morgen noch da sein wird. (Columbia/Sony)
Kategorie: About Albums
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