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Veröffentlichung: 11.11.2011


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John Niven - Kill Your Friends



Es ist ja immer so eine Sache mit der so genannten „Pop-Literatur“, denn natürlich ist dieses Genre sehr spannend, was aus meiner subjektiven Sicht dem Umstand geschuldet sein mag, dass ich halt Teil dieser Branche seit 15 Jahren bin. Auf der anderen Seite ist das intellektuelle Niveau der Menschen und damit auch Schriftsteller selten als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Jetzt kann man aber nicht wie beim Fußball sagen „je dümmer, umso mehr Tore!“, sondern sollte sich diesen Büchern ohne große Vorurteile versuchen anzunehmen.

In diesem Fall geht es um den Ex-A&R John Niven, der hier seine Erfahrungen in der britischen Musikbranche semi-biografisch zum Besten gibt. Hauptakteur bzw. alter Ego ist Steven Stelfox, der in seinem Job, neue Künstler zu entdecken, etwas überfordert scheint, denn der Nachschub an Hits will sich einfach nicht einstellen und das Koks vernebelt nicht nur seine Sinne, sondern lässt ihn immer mehr in eine Parallelwelt aus Sex, Gewalt und eben Drogen abdriften. Dies schildert Niven zum Teil in wirklich lustiger und leichter Art, so dass hier und da ein Schmunzeln kaum zu vermeiden ist. Klar überhöht er vieles und lässt die Musikbranche wesentlich älter und schlechter aussehen als sie ist, aber das ist legitim und nur logisch.

Allerdings driften Niven und Stelfox immer mehr ab und man fühlt sich bei derartig überhöhter Fäkalliteratur schnell an Bret Easton Ellis erinnert, wobei diese Erinnerung fast zu einer bloßen Kopie seines Bestsellers „American Psycho“ verkommt und das macht mich wütend und ärgerlich. Vor allem auch, weil die Kritiker da draußen dieses Buch für ein derartiges Plagiat auch noch loben bzw. gar nicht merken, dass hier vieles einfach in eigenen Worten abgeschrieben wurde. So hält Bela B. es doch glatt für das Buch des Jahres – vielleicht weil er eh nur ein Buch pro Jahr liest?

John Niven sorgt nicht gerade für eine Verbesserung des Images der Musikbranche, indem Stelfox sogar zu einem Killer mutiert und auf übelste Weise das Leben in der Musikbranche ins Extreme treibt. Allerdings bedient er jegliche Klischees und treibt sie auf die Spitze: Chauvinismus, Drogenkonsum, Sexismus, Gewalt, Oberflächlichkeit – immer hat man hier das etwas bittere Gefühl, dass Niven selbst sein Buch zu langweilig erschien, weshalb er alle Gipfel des Hedonismus um sich scharte, um aus “Kill Your Friends” etwas Besseres zu machen, womit er zwar nicht auf ganzer Linie gescheitert ist, aber etwas mehr Eigenständigkeit (dies kritisieren A&R`s auch sehr gerne und zurecht an den Künstern!) hätte seinem Werk schon gut getan.

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