REM - Accelerate
veröffentlicht am 4. April 2008 von Jörg
“Accelerate” soll mehr rocken! Deshalb haben REM gleich mal die Punkte, zumindest vorübergehend, in den Urlaub geschickt und schon früh verkündet, dass jetzt alles anders werden soll. Zuletzt hatten sie das von “Monster” behauptet und da das Ergebnis nicht gerade zu den Highlights ihres Schaffens zählt, konnte man auch diesmal Böses befürchten.
Die gute Nachricht ist aber, dass “Accelerate” um einiges besser gelungen ist als “Monster”, was aber nicht heißen soll, dass es zu den besten Werken der Band zählt. Vor allem Peter Buck wollte ein Album schaffen, an dem man nicht Monate im Studio werkelt, ein Album, dass Energie und Spontanität ausstrahlt, unverkrampft und rau klingt und kurzweilig, was sich nicht zuletzt an der Zeit ausdrücken lässt, die mit 36 Minuten für REM-Verhältnisse wirklich “back to the roots” ist.
Sowohl die Band als auch die Kritiker verdammen nun den Vorgänger “Around The Sun”, was ich nicht so wirklich nachvollziehen kann, denn immerhin enthielt es großartige Songs wie ‘Electron Blue’, ‘Final Straw’, ‘The Worst Joke Ever’ und vor allem ‘Boy In The Well’ und genau hier liegt die Schwäche des neuen Albums. So klingt “Accelerate” zwar genau so wie Mr. Buck es vorher wollte, nur sind hier und da die Songs auf der Strecke geblieben. Wo Schatten ist, ist aber doch immer auch Licht und diese Momente gibt es natürlich auf “Accelerate” ebenso.
Der Opener ‘Living Well Is The Best Revenge’ gibt schon mal das Tempo vor und bestätigt die Menschen, die “Accelerate” mit alten Werken wie “Document” vergleichen. ‘Man-Sized Wreath’ geht ähnlich rau weiter, ist aber der bessere Song, vor allem weil hier die Kombination von Songwriting und Rock funktioniert. Die erste Single ‘Supernatural Superserious’ dürfte schon bekannt und zurecht eine Single sein.
‘Hollow Man’ lässt mich mehr als zwiegespalten zurück, denn das Intro und die ruhigen Momente sind wirklich toll, aber die Banalität des Refrains macht mich fast wütend. Ganz anders bei ‘Houston’, einem der stärksten Songs, bei dem ich eher heulen könnte, dass er nach zwei (!) Minuten vorbei ist. Die Legitimation des Titeltracks ist wohl der Titel, während ‘Until The Day Is Done’ im besten Sinne ein typisch-ruhiger REM-Song ist. ‘Mr. Richards’ ist dagegen nur nett.
‘Sing For The Submarine’, kompositorisch vielleicht der stärkste Song, und das schnelle ‘Horse The Water’(wird bestimmt noch eine Single!) versöhnen wieder, bevor mit ‘I’m Gonna DJ’ der größte Fauxpass folgt, den wir bereits vom Live-Album kennen und für viele Menschen der schlechteste REM-Song ist. Dem kann ich nur zustimmen, weshalb er hier als Rausschmeißer einen faden Geschmack hinterläßt.
Trotz all der Kritik ist “Accelerate” ein gutes REM-Album und beweist, dass die Band, im Gegensatz zu allen anderen Bands, die solange dabei sind, vollkommen zurecht weiter machen. Respekt! (Warner)
Kategorie: About Albums
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