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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 37 "kritiklose Kritiker"



Wie jeden Monat blättere ich durch diverse Musikmagazine, um mich zu informieren und mal zu schauen, welche Bands denn diesmal gefeatured werden und da es ja immer weniger „große“ Bands gibt, die Titelrelevanz haben, tummeln sich da auch immer die selben Nasen und Gesichter. Dass wir Deutschen ja meist nicht sehr mutig sind, gilt natürlich besonders für den Musikjournalismus und ich kann es bisweilen verstehen, dass der Titel schließlich das Heft verkauft und eine Band wie Rogue Wave oder Band Of Horses dann halt nicht titelrelevant sind. Völlig ok mit mir, auch wenn zumindest ab und zu eine Überraschung erfrischend wäre.

Was mich allerdings wirklich nervt, ist die Tatsache, dass es immer Bands gibt, deren aktuelle Werke über den klischeebeladenen grünen Klee gelobt werden, auch wenn sie wenig inspirierend und langweilig oder bisweilen gar wirklich schlecht sind. Ihr wisst schon, um welche Kritikerlieblinge es da geht und um erstmal nur zwei Namen zu nennen, nehmen wir einfach The Notwist und Radiohead. Ich möchte hier jetzt nicht erklären, dass die neuen Alben schlecht sind, denn das wäre gelogen. Allerdings sind beide Alben auch nicht wirklich gut, nur darf man das nicht schreiben, da man dann vielleicht alleine im Musikjournalistenwald steht und da besonders die Musikschreiber zu der eher ängstlichen Spezies Mensch zählen, möchten diese natürlich nicht alleine im Wald stehen, da er ist kalt, dunkel und gefährlich.

Warum erwähnt denn keiner, dass das neue The Notwist-Album völlig ok ist, die Songs aber weder überraschen noch qualitativ an „Neon Golden“ heranreichen? Angst, dass einen die nicht mehr ganz jungen Weilheimer erschlagen? Angst, dass konkurrierende Musikjournalisten andere Meinungen vertreten? Angst, dass einem jegliche Kompetenz abgesprochen wird? Angst, dass ihr Label City Slang böse wird und keine Anzeigen mehr schaltet? Angst, dass man vielleicht zu alt geworden ist oder gar Angst, eine der wenigen guten deutschen Bands mit Dreck zu beschmeissen?

Diese Angst macht keinen Sinn, denn was sollte eine als intelligent geltende Band gegen Kritik haben, so sie diese denn überhaupt liest? Musik hat, wie wir alle wissen, viel mit Subjektivität zu tun, d.h. ein Musikjournalist soll da gefälligst auch so rangehen, wie es seiner persönlichen Empfindung entspricht und sich nicht von außen beeinflussen lassen, denn genau dies ist das Interessante an Musikkritik. Vielmehr gestaltet sich die Realität aber so, dass in jedem Magazin unreflektierte Lobeshymnen ausgeschüttet werden, weil man Radiohead oder The Notwist scheinbar nur positiv kritisieren darf. Vielleicht fällt euch ja noch die eine oder andere Band ein, die scheinbar über jeden Zweifel erhaben ist und niemals mit kritischen Worten bedacht werden darf….

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Why? - Alopecia



Über die Schönheit des an alte 70er Jahre-Werke von Bands wie Yes oder ELP erinnernde Cover kann man vielleicht noch streiten, aber über die eigenständige Herangehensweise der Band Why? dagegen nicht.

“Alopecia” ist das dritte Album, der häufig als Indie-Hip-Hop- beschriebenen Band um Kopf Yoni Wolf, der übrigens auch Mitbegründer des Anticon-Labels ist, auf dem die Alben in den USA erscheinen. Mit Hip Hop hat das aber eher wenig zu tun, denn dafür ist Wolf einfach ein zu guter Songwriter und scheint nur so zu sprühen vor Ideenreichtum.

Schon das letzte Album “Elephant Eyelash” war ein Sammelsurium an guten Ideen, die den meisten Bands im Laufe ihrer Karriere nie einfallen würden. Dies geschieht bei Why? aber nicht des blossen Selbstzwecks wegen, sondern dient immer dem Song an sich. Der Nachfolger schließt eigentlich fast nahtlos daran an, aber irgendwie hat man teilweise das Gefühl, dass sie in ihrem Ideenreichtum etwas stagnieren. Das liegt zum Teil in der sehr eigenen, weder singenden noch rappenden, Stimme Wolfs, die natürlich das Markenzeichen der Band ist, auf der anderen Seite aber auch nicht so wirklich viel Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

So sind auch diesmal mit dem Opener ‘The Vowels Pt. 2’, ‘These New Presidents’ und vor allem ‘The Hollows’ großartige Songs dabei, die eine Coolness und Eigenständigkeit verströmen und irgendwie mutiger machen, über sein Leben und das Ausleben von Visionen nachzudenken. Gerade wieder live in den USA gesehen, scheinen sie diese Coolness auf leichte Art zu leben, was sie mit Rogue Wave, einer anderen großen Band, gemeinsam haben, die beide aus dem doch eher weniger beschaulichen Oakland, Kalifornien kommen…

Würden Why? nur EPs machen, wären sie weltweit ganz weit vorne, aber auf Albumlänge gilt es, die eine oder andere Durststrecke zu überstehen. Keineswegs schlechte Songs plätschern so ein bisschen dahin, wobei ‘Fatalist Palmistry’, ‘Brook Waxing’ – entweder man liebt den Gesang oder hasst ihn wohl – und ‘By Torpedo Or Crohn`s’ weitere positive Ausnahmen sind.

Why? liefern mit “Alopecia” wieder ein tolles, kreatives und sehr eigenständiges Werk ab, das zwar nicht so weit vom Vorgänger entfernt ist, aber man trotzdem irgendwie das Gefühl nicht los wird, als würden sie demnächst etwas ganz anderes machen. Dioeses Gefühl ist aber ein Schönes und hat man bei Bands, die von hier sind, ja eher weniger. (Tomlab)

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"About Songs" - Radio Show



Am morgigen Mittwoch ist es wieder soweit und ihr könnt einer neuen “About Songs”-Sendung fröhnen. Wie immer könnt ihr “About Songs” sowohl auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) hören, als auch im Netz. Den Download dazu gibt es entsprechend hier – 18-19 Uhr

So, hier zum Abschluß noch die Playlist, die euch diesmal erwarten wird und wie ihr seht, gibt es einige neue Songs, u.a. von MGMT, Angus & Julia Stone, Man Man und Bon Iver:

Blackmail – (Feel It) Day By Day
The Notwist – Good Lies
Alela Diane – The Pirates Gospel
Angus & Julia Stone – Wasted
Vampire Weekend – Campus
MGMT – Weekend Wars
Mermaid Union – Hit The Road And Go
Björn Kleinhenz – Fast And Slow
Timesbold – Old Hannah
Bon Iver – Skinny Love
Rogue Wave – Lake Michigan
White Rabbits – The Plot
Man Man – Top Drawer
Why? – These New Presidents

Natürlich auch wieder mit diversen Konzertankündigungen, denn kurz vor der EM wollen es alle noch mal wissen!

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Vampire Weekend - Vampire Weekend



Wurde nicht schon genug über diese Band geschrieben in letzter Zeit, als dass ich mich jetzt auch noch darüber auslassen müsste? Sicher, aber zum einen stimme ich selten in den Kanon der Applaudierer mit ein und zum anderen kann man Vampire Weekend Vieles vorwerfen, was ich zum Teil auch tun werde, aber immerhin sticht ihre Musik doch auf eine gewisse Weise heraus, weshalb schon jetzt klar ist, dass diese Band nicht aus England kommt.

New York ist der Ort, an dem sich die vier während des Studiums trafen und zusammen taten, um ein Album zu schaffen, dass in aller Munde ist, was wohl an der Musik liegen wird und nicht an der kaum steigerungsfähigen Normalo-Attitüde der Musiker.

Schon die ersten Töne geben Anlaß zu der Erkenntnis, dass hier musikalisch wenig normal ist, denn wie alle Kritiker unisons verkünden, erinnert Vieles an das erfolgreichste Album des Mannes von Edie Brickell: Paul Simon und “Graceland” standen Vampire Weekend mehr als Pate, aber von dem haben die Kids je eh noch nie etwas gehört. Klar könnte man den einen oder anderen Song (‘Cape Cod Kwassa Kwassa’, ‘Bryn’) somit als bloßes Plagiat abtun, nur wird man damit des songschreiberischen Talents und dem Ideenreichtum dieser Band nicht gerecht.

Die Stilvielfalt tut ein übriges und geht weit über die oftmals zitierten, doch nicht wirklich wahren, afrikanischen Percussion-Elemente hinaus. Ska, Calypso, Jazz und eine Vielzahl anderer Stile vermischen sich zu POP! Denn genau darin liegt der Rote Faden von Vampire Weekend. So sehr sie auch auf diversen Wellen reiten, zusammenhalten tun es die an poppiger Zufriedenheit kaum zu überbietenden Songs.

Auch wenn es einige Zeit dauert, bis man das Gefühl los wird, dass hier eine Band ein Sammelsurium der Stile kopiert, so lohnt es sich, denn Vampire Weekend verströmen eine Selbstverständlichkeit, die irgendwann einfach jeden Skeptiker überzeugt. Dabei muss man das Album nicht lieben, aber großen Respekt darf diesem Debüt trotzdem gezollt werden.
(XL Recordings)

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John Niven - Kill Your Friends



Es ist ja immer so eine Sache mit der so genannten „Pop-Literatur“, denn natürlich ist dieses Genre sehr spannend, was aus meiner subjektiven Sicht dem Umstand geschuldet sein mag, dass ich halt Teil dieser Branche seit 15 Jahren bin. Auf der anderen Seite ist das intellektuelle Niveau der Menschen und damit auch Schriftsteller selten als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Jetzt kann man aber nicht wie beim Fußball sagen „je dümmer, umso mehr Tore!“, sondern sollte sich diesen Büchern ohne große Vorurteile versuchen anzunehmen.

In diesem Fall geht es um den Ex-A&R John Niven, der hier seine Erfahrungen in der britischen Musikbranche semi-biografisch zum Besten gibt. Hauptakteur bzw. alter Ego ist Steven Stelfox, der in seinem Job, neue Künstler zu entdecken, etwas überfordert scheint, denn der Nachschub an Hits will sich einfach nicht einstellen und das Koks vernebelt nicht nur seine Sinne, sondern lässt ihn immer mehr in eine Parallelwelt aus Sex, Gewalt und eben Drogen abdriften. Dies schildert Niven zum Teil in wirklich lustiger und leichter Art, so dass hier und da ein Schmunzeln kaum zu vermeiden ist. Klar überhöht er vieles und lässt die Musikbranche wesentlich älter und schlechter aussehen als sie ist, aber das ist legitim und nur logisch.

Allerdings driften Niven und Stelfox immer mehr ab und man fühlt sich bei derartig überhöhter Fäkalliteratur schnell an Bret Easton Ellis erinnert, wobei diese Erinnerung fast zu einer bloßen Kopie seines Bestsellers „American Psycho“ verkommt und das macht mich wütend und ärgerlich. Vor allem auch, weil die Kritiker da draußen dieses Buch für ein derartiges Plagiat auch noch loben bzw. gar nicht merken, dass hier vieles einfach in eigenen Worten abgeschrieben wurde. So hält Bela B. es doch glatt für das Buch des Jahres – vielleicht weil er eh nur ein Buch pro Jahr liest?

John Niven sorgt nicht gerade für eine Verbesserung des Images der Musikbranche, indem Stelfox sogar zu einem Killer mutiert und auf übelste Weise das Leben in der Musikbranche ins Extreme treibt. Allerdings bedient er jegliche Klischees und treibt sie auf die Spitze: Chauvinismus, Drogenkonsum, Sexismus, Gewalt, Oberflächlichkeit – immer hat man hier das etwas bittere Gefühl, dass Niven selbst sein Buch zu langweilig erschien, weshalb er alle Gipfel des Hedonismus um sich scharte, um aus “Kill Your Friends” etwas Besseres zu machen, womit er zwar nicht auf ganzer Linie gescheitert ist, aber etwas mehr Eigenständigkeit (dies kritisieren A&R`s auch sehr gerne und zurecht an den Künstern!) hätte seinem Werk schon gut getan.

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