Orange Blossom Festival
veröffentlicht am 20. März 2008 von Jörg
Klar, noch kann man nicht wirklich den Frühling erkennen, aber das wird sich bestimmt noch ändern und so sei hiermit schon mal auf das erste schöne Festival des Jahres verwiesen, das in diesem Jahr vom 9.-11. Mai zum zwölften Mal stattfindet:
Natürlich geht es um das ORANGE BLOSSOM FESTIVAL im Garten des mir ans Herz gewachsenen Labels Glitterhouse in Beverungen. Jedes Jahr erfolgt hier eine mit viel Liebe vorgenommene Auswahl an Künstlern und eine ebensolche Organisation und Durchführung vor Ort.
Es gibt übrigens noch einige Restkarten zu erwerben, denn schließlich bürgt das Festival für Gemütlichkeit und diese gilt es mit Gleichgesinnten und nicht mit prolligen Massen zu kredenzen.
Das Line-Up und weitere Infos findet ihr unter:
Meine Favoriten in diesem Jahr:
Sir Simon
Clara Luzia
Scout Niblett
Timesbold
Kategorie: About Shows
Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.


Ronny Seiler am 20. März 2008, 13:47
Ja das Orange Blossom ist eines der Highlights, auf die man sich im Jahr so freuen kann. Aber ganz ehrlich, was ist das für ein Lineup? Ok Timesbold. Und sonst so? Schon aus dem letzten Jahr hätte Glitterhouse Lehren ziehen müssen, wo erstmals seit Jahren nicht sofort alle Karten weg waren. Aber dieses Jahr gibt es ja vermutlich noch am Festivaltag selber Restkarten. Und was heißt das? Man braucht vermutlich doch mal ein paar Highlights. eine dicke Band reicht nicht. Und es nützt dann auch nichts, wenn die paar Besucher untereinander dann Ihren “nicht massenkompatiblen Geschmack” feiern, aber nach und nach so ein Festival ausstirbt aus fehlverstandener Abgrenzungsidiologie.
Also, fades Lineup und ein weiterer Schritt in Richtung Ende. Dann wäre wieder ein ursprünglich tolles Label im Arsch. Los Leute, reißt Euch mal zusammen und heult nicht nur rum!
Und ja, Timesbold ist toll, aber deswegen verlass ich nicht meine RTL 2 Büchse. (war ein Scherz und trotzdem wahr)
Gruß Ronny
Rembert am 20. März 2008, 16:42
Hui, Ronny.
Ja, ähm, also. Hier meldet sich Rembert. Ich organisiere das OBS.
Das kommt auf den Blickwinkel an.
Aber der Reihe nach:
A) Grundlegend hat sich das OBS ja nie über “große Namen” oder “Headliner” definiert.
Dafür fehlt bei den Eintrittspreisen und der begrenzten Kapazität schlicht das Geld. Und der “Philosophie” des Festivals würde es auch nicht entsprechen.
OBS 9 z.B. hatte nicht viele sehr “namhafte” Bands. Und je weiter man in der Historie des OBS zurückgeht, je (damals) unbekannter werden die Acts. Gerade neue, noch den meisten Zuschauern unbekannte Bands zu entdecken, ist für viele OBS-Besucher offensichtlich interessant und spannend. Das ist keine Schutzbehauptung, sondern wird uns jedes Jahr aus zig Zuschauer-Reaktionen zugetragen.
B) In den letzten beiden Jahr waren viele Bands, die sonst für uns unerschwinglich wären (Broken Social Scene, Mardi Gras BB etc), plötzlich trotzdem bezahlbar: Da das Fernsehen bzw. der Rockpalast beim OBS 10 war, gingen viele Touragenten mit ihren Gagenforderunger herunter, weil sie nicht auf die durch TV gewährleistete Publizität verzichten wollten.
Und The Walkabouts wurden von unserem Sponsor Jack Wolfskin eingeflogen. Das war eine einmalige “Dreingabe” zum sonstigen Sponsoring-Budget. Wegen des OBS-Jubiläums und weil The Walkabouts den Jack Wolfskin TV-Spot beschallen.
Zum OBS 12 konnten mit viel Glück und kurz vor Buchungsschluss mit Woven Hand und Cracker zwei „große Namen“ verpflichtet werden, die halfen, die noch übrigen Restkarten zu verkaufen. Generell sind allerdings die Gagen für Bands, die auch durchaus mal 400 oder mehr Zuschauer im Rahmen einer Clubshow haben, in den letzten beiden Jahren in die Höhe gegangen. Und zwar enorm. Wir nehmen € 40 Eintritt bei 18 Bands, bei begrenzter Publikumskapazität und äußerst moderaten Verzehrpreisen. Da können wir gegen andere Veranstaltungen nicht anstinken. Das Budget gibt einfach nicht mehr her.
C) Oft ist es auch Glücksache, wer gerade tourt oder ob es machbar ist. Ein paar Beispiele dafür, welche Bands ich wg. OBS 12 kontaktiert habe, die aber nicht konnten oder wollten:
The National: Nicht verfügbar und zu teuer. Felice Brothers: passte nicht in den Tourrahmenplan. Marah, Drive By Truckers, Archie Bronson Outfit: Kommen wann anders nach Europa oder gar nicht. Iron & Wine: Sprengten leider bei weitem unseren Gagenrahmen.
Und das sind nur einige Beispiele.
Bands z.B. aus den USA für einen Auftritt beim OB einzufliegen, ist finanziel schlicht nicht machbar.
D) “Hochkaräter” definiert sicher jeder anders. Für einige ist Scout Niblett die Heldin, für einige sind es die Girls In Hawaii, für andere Scott Matthew, wieder andere freuen sich auf Timesbold. Oder, wie oben erwähnt, auf viele Acts, von denen sie sich einfach überraschen lassen wollen. Das ist oft Geschmackssache. Beim letzten OBS waren die klaren „Gewinner“ in den Publikumsreaktionen Michael J. Sheehy, Get Well Soon oder Rachelle van Zanten. Kannte vorher fast niemand.
Nach meinem Dafürhalten sieht das Program des OBS 12 sehr interessant aus. „Fade“ ist da wirklich das falsche Wort, wie ich finde.Auch und gerade unter diesem Aspekt.
Die Zusammenstellung des Programms hat mit „Abgrenzungsideologie“ nun wirklich nichts zu tun. Wenn man so will, grenzt das Budget die Möglichkeiten ein.
Für € 40 bekommt man heute eine halbe Jeans. Oder zweieinhalb Kisten Bier. Oder eine halbe Tankfüllung. Immer noch, behaupte ich, hat das OBS in der Wahrnehmung der meisten Besucher eine weit längere Halbwertszeit als sein pekuniärer Gegenwert.
Dass die Karten nicht mehr weggehen wie geschnitten Brot, hat vielschichtige Gründe. Die wir natürlich analysieren und (per Publikumsbefragung) greifbar machen wollen. Ich stelle mich auf den Tisch eines jeden “Headliner”-Taliban und behaupte: Das OBS 12 wird toll.
Ach, und: wenn wir nur rumheulen würden, würden wir das OBS schon lange nicht mehr organisieren – was bedeutet, dass wir nach wie vor kämpfen. Heulen würde ich, wenn es das OBS nicht mehr gäbe. Oder wenn es Glitterhouse nicht mehr gäbe. Solange beides nicht der Fall ist, gehe ich davon aus, dass das OBS12-Motto auf irgendeine Weise noch realistisch ist: “Da hinten wird’s hell!”
Viele Grüße aus Beverungen,
Rembert Stiewe
OBS-Organisator
Ronny Seiler am 25. März 2008, 11:27
Hi Rembert,
danke für Deine ausführliche Antwort. Sicher sind mir nicht alle Schwierigkeiten rund ums Organisieren des Festivals so bewusst, wie Du sie jetzt genannt hast und ich möchte das Wort “fade” nochmal in Relation setzen, damit da nichts falsch verstanden wird. Es ist wie hier bei den Plattenverissen: An seine Lieblinge stellt man höhere Ansprüche als an den unerwähnenswerten Rest. “Fade” ist also in etwa wie “Klagen auf erhöhtem Niveau”.
A) Ja ich weiß, dass am OBS ja gerade auch die unbekannten Bands ein interessanter Aspekt sind und waren. Aber Du darfst auch nicht vergessen, dass es damals noch einen größeren Anteil wirklich Musikinteressierter Menschen gab als heute, was ja nicht nur an Besucherzahlen, sondern auch an Plattenverkäufen usw. deutlich wird. Kurz: Es waren andere Zeiten.
B) Ok, dann waren das in den letzten Jahren eben glückliche Umstände.
C) Es sterben ja nicht nur Labels, sondern auch Bands geht es und wird es an den Kragen gehen, die Gagen aus den 80er verlangen, ohne die neuen Zeiten zu begreifen. Da bin ich sicher, wird es in 3 Jahren anders aussehen.
————
Du sprichst den Festivalpreis an und da sind wir ja auch schon beim Kern der Geschichte. Für 40 Euro ein Festivalwochenende, und an den Verpflegungspreisen kann man auch nichts großartig gegenfinanzieren – das ist doch einfach zu billig. Wie Du schon sagst – ne halbe Jeans!!
Jeder, der sich für die Musik interessiert, und da ist das OBS Publikum doch bestimmt zu einem großen Teil mit gemeint, wird es verstehen müssen, dass man für ein tolles Festivalwochenende auch mal 60 Euro zahlen kann (was immer noch billig ist). Aber klar, dass ist natürlich die gefürchtete “wann sagen wir es ihnen und wie” – Diskussion. Die Hälfte wird empört sein über den geldgierigen Rembert Stiewe und die andere wird grunzen, dass alles immer mehr Kommerz wird. Bla Bla – wie immer.
Aber so sachlich, wie Du es erklärt hast, muss es jedem einleuchten. Und wenn ich 40 Euro habe, dann habe ich auch 60. Und nur weil es billig ist, geht man wohl mit dem Klingeltonhandy zu MC Doof, aber der Preis bis in die letzte Nuance hinein kann doch unmöglich den Ausschlag dafür geben, ob ich mir meine Lieblingsbands gemütlich auf dem OBS anschaue. Ich gehe hin, weil da XY spielen.
Macht man Umfragen, werden es zwar alle behaupten, dass sie dann nicht mehr kommen, aber ob das dann stimmt, sei mal dahingestellt.
Ok Rembert, also nichts für ungut. Wie gesagt, meine Kritik ist natürlich etwas überzogen, aber mit Freunden streite ich ja auch ungerechter und härter, als mit irgentnem Dödel von der Strasse. Einfach, weil der mir scheissegal ist.
OBS ist es nicht und ich hoffe, dass es weiter existieren kann und dass damit auch mal für Glitterhouse Geld verdient werden kann. Ein bisschen. Es sei Euch gegönnt.
“Da hinten wird´s hell ! ”
Gruß Ronny