Timesbold - Ill Seen Ill Sung
veröffentlicht am 28. Februar 2008 von Jörg
Die tollen Timesbold legen ihren dritten Streich vor. Wer Jason Merritts eindringlichem Gesang standhält, ist melancholischer Musik sicher nicht abgeneigt, transportiert dieser doch einen gewissen Teil Leid und treibt einem diverse Schauer über den Rücken. Mittlerweile lebt er in Portland, hat seine Drogensucht in New York gelassen, seine Liebe dagegen nicht. 4.500 Kilometer sind ein langer Weg, um eine Band am Leben zu halten, sein Solo-Projekt Whip hilft da sicher bei der Überbrückung und dass es Timesbold nicht schadet, sieht und hört man an ihrem neuen Werk.
Kein karges, reduziertes Singer/Songwritertum, sondern eine musikalische Opulenz, die man eher von The Arcade Fire gewohnt ist und die auch hier nie zum Selbstzweck verkommt, nur in einer anderen Geschwindgkeit und Dramaturgie als bei genannter Band. Der Opener ‚Old Hannah’ ist die Sorte Song, bei dem ein “in einer guten Welt ein Hit!” über die Lippen kommt. Das dezent beginnende ‘Any Lethal Storm’ baut sich mehr und mehr auf, wird intensiver und lässt Verzückung zurück. Nicht nur dieser Song zeigt, dass hier eine wirkliche Band am Start ist, denn ein so homogenes Stück schreibt man nicht, wenn man in verschiedene Richtungen möchte. Man sieht sich selten und wenn gibt es nicht viel zu reden, aber die Musik verbindet und sagt doch so viel mehr.
‘All Readymade’ beginnt mit einer Harfe und sofort denkt man an die grandiose Joanna Newsom und flüchtet doch schnell in den warmen und tiefen Gesang Jason Merritts. Musikalisch erinnert “Ill Seen Ill Sung” an Filme, die bei mehrmaligem Sehen immer neue Einblicke geben, neue Blickwinkel eröffnen oder einfach dem Ohr einiges abverlangen. Das Quintett ist selten minimalistisch, aber doch so eigen wie Sixteen Horsepower, dabei aber meist noch viel trauriger, wie ‘Takeaway’ (“so take me away, i´m weary as hell – my tongue is too numb for to speak”) oder ‘Mama’ eindrucksvoll belegen.
“Ill Seen Ill Sung” ist bestimmt weit davon entfernt, ein leicht verdauliches Album zu sein. An Intensität, Melancholie und Eindringlichkeit gibt es aber zur Zeit fast nichts, was Timesbold das Wasser reichen könnte. (Glitterhouse)
live:
02.05. München-Feierwerk, 03.05 Offenbach-Sandstr., 04.05. Karlsruhe-JuBez, 10.05. Krefeld-Kulturrampe, 11.05. Beverungen-Orange Blossom, 12.05. Duisburg-Steinbruch, 13.05. Wetzlar-Franzis, 14.05. Nürnberg-MuZ, 15.05. Stuttgart-Laboratorium, 16.05. Wesel-Karo, 17.05. Hannover – Glocksee, 18.05. Berlin-Zapata
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